Arbeitsschutz im Fokus
Mit praxisnahem Blended Learning mehr Sicherheit im Betrieb schaffen

Fiktive Stadtverwaltung sichert nachhaltigen Praxistransfer – Mit der fiktiven Stadtverwaltung von Beispielhausen können die Lernenden im WBT das Thema Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz an einem praxisnahen Beispiel nachvollziehen und die Prozesse und Fähigkeiten leicht in ihren Arbeitsalltag übertragen.

Das Thema Arbeitsschutz ist bei Unternehmen dauerhaft präsent, da diese gesetzlich dazu verpflichtet sind, den Schutz der Mitarbeitenden an erster Stelle zu stellen und in dem Zusammenhang Maßnahmen zu treffen, die Unfälle und allgemein Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz auf das Minimum reduzieren. Um die Arbeitsschutzkoordinator*innen aus den Mitgliedsbetrieben der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen und des Gemeinde-Unfallversicherungsverbands Hannover für ihre Aufgaben zu schulen, wurde gemeinsam mit der Infoport GmbH ein abwechslungsreiches Qualifizierungsangebot mit Blended Learning-Ansatz entwickelt. Dieses führt die Lernenden in die fiktive Stadtverwaltung Beispielhausen und sorgt im Arbeitsalltag für einen großen Praxistransfer.

Die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz liegen eindeutig in der Verantwortung des Arbeitgebers. In der Theorie sollen dabei stets geeignete Maßnahmen zur Reduzierung bzw. Verhinderung von Arbeitsunfällen getroffen werden – doch in der Praxis scheitern diese Regelungen oftmals schon an den mangelnden Zeitressourcen der verantwortlichen Führungskräfte. In diesem Bereich ist die gesetzliche Grundlage unkonkret und verlangt keine etablierte Stelle, die diese Verantwortung trägt. Aus diesen Gründen passiert es nicht selten, dass die Verantwortung häufig an willkürliche Arbeitsplätze abgegeben wird, die ohne weiterführende Schulungen gänzlich überfordert sind. Vor diesem Hintergrund haben die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen und der Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover die neue Arbeitsposition des/der Arbeitsschutzkoordinator:in etabliert, die zwar gesetzlich im Betrieb nicht vorgeschrieben wird, jedoch eine wesentliche Schlüsselrolle bei der Umsetzung und nachhaltiger Einhaltung der gesetzlichen Pflichten in Bezug auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz im Betrieb einnimmt.

Lernbedarfe

Da es für diese Rolle bisher jedoch noch keine Qualifizierungsmaßnahmen gibt und es in diesem Kontext bereits vermehrt zu Schulungsanfragen in diesem Themenbereich kam, sollte im Rahmen dieses Projektes gemeinsam mit der Infoport GmbH ein spezifisches Qualifizierungsangebot für die neue Rolle der Arbeitsschutzkoordinator:innen zur Verfügung gestellt werden. Mit diesem sollte ihre Fach- und Handlungskompetenz in Bezug auf Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz maßgeblich verbessert werden. Dabei ist zu beachten, dass je nach Betrieb Personen mit demselben oder ähnlichem Aufgabenbereich mitunter auch anders bezeichnet werden, da es keine gesetzlichen Grundlagen gibt, die diese Bestellung bzw. Beauftragung regelt. Andere Bezeichnungen für die Zielgruppe können deshalb auch unter anderem Koordinator:innen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit oder Beauftragte für Arbeits- und Gesundheitsschutz lauten, die ebenfalls in die Zielgruppe der neuen Lernmaßnahme fallen.

Um ebenfalls digitale Lernelemente in das Trainingsrepertoire aufzunehmen, sollte ein ganzheitliches Blended Learning-Konzept verfolgt werden, das konkret mit einem Web Based Training mit integrierten Präsenzveranstaltungen realisiert werden sollte. Weitere Anforderungen bestanden in einer kreativen und abwechslungsreichen Gestaltung der Trainingsmaßnahme, die die Motivation der Lernenden aktiv steigert und darüber hinaus für einen großen Wissenstransfer viele vertraute Orte aus dem eigenen Arbeitsalltag aufnimmt.

Projektverlauf

Nachdem der große Bedarf nach einer neuen Qualifizierungsmaßnahme für den Tätigkeitsbereich der Arbeitsschutzkoordinator:innen deutlich wurde, stand zunächst ein gemeinsamer Kick-off-Termin mit den Auftraggebern GUV Hannover/LUK Niedersachen, der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen sowie dem im Rahmen einer Ausschreibung gewählten Dienstleister Infoport GmbH an. Hierbei standen zunächst der Umfang der Schulungsmaßnahme, aber auch die konkrete Auswahl der Themenbereiche im Fokus. Sämtliche Entscheidungen dienten dabei als Basis für die weitere Projektdurchführung. Da aufgrund der strategischen Weiterentwicklung von Schulungsmaßnahmen und dem großen Umfang des geplanten Trainings schnell feststand, dass dieses mit einem Blended Learning-Ansatz realisiert werden soll, galt es im nächsten Schritt, die verschiedenen Lernformate umzusetzen. Die eLearning-Module wurden aus der Hand von Infoport angefertigt. Für diese Zwecke wurde im Voraus ein Handbuch mit sämtlichen Schulungsinhalten erstellt, auf das sowohl die Autor:innen der digitalen Lerninhalte als auch die Dozent:innen für die späteren Präsenzteile zugreifen konnten.

Für die Produktion der eLearning-Einheiten galt es zunächst, ein Konzept und ein darauf aufbauendes Drehbuch zu konzipieren. Hierbei wurde bewusst auf ein aufwendiges Storytelling gesetzt, in dem die fiktive Stadtverwaltung Beispielhausen mit verschiedenen Ämtern entwickelt wurde. Ebenfalls wurden Persona und schlussendlich eine Protagonistin entwickelt, mit der sich die Lernenden als Lernbegleitung identifizieren sollen.

Für einen großen Praxistransfer wurden für die Story im eTraining mit der „Action Mapping“-Methode verschiedene Aufgaben und Situationen aus dem Arbeitsalltag identifiziert und im Rahmen vom fiktiven Beispielshausen realisiert. In der Produktionsphase der digitalen Lerninhalte wurde auf Basis des erstellten Drehbuchs zunächst ein erstes Pilotmodul aufgebaut, das zunächst getestet und entsprechend optimiert wurde. Nachdem das finale Modul fertiggestellt war, ging es schon an die Bereitstellung des WBTs. Für diese Zwecke galt es im nächsten Schritt, die Inhalte in die entsprechenden vorhandenen Lernplattformen der Auftraggebenden zu implementieren, wobei dieses von jeder Unfallkasse individuell umgesetzt wurde.

Die Präsenzveranstaltungen, die die Blended Learning-Qualifizierung Sicherheit und Gesundheit abrunden, werden aktuell noch ausgearbeitet. Sobald diese ebenfalls final vorbereitet sind, soll zunächst ein entsprechendes Pilotseminar mit anschließender Feedbackschleife durchgeführt werden, bevor dieses als dauerhaftes Seminarangebot in den Schulungskatalog der auftraggebenden Unfallkassen aufgenommen wird. Kommuniziert werden soll die neue Lernmaßnahme im Rahmen von Newslettern, Flyerwerbung in weiteren Seminaren sowie Direktansprachen der Lernenden durch Aufsichtspersonen.

Projektergebnis

Mit dem entwickelten Blended Learning-Angebot können die Lernenden die Vorteile digitaler und präsenter Lernmaßnahmen gleichermaßen wahrnehmen: Die digitalen Module in Form eines WBTs können dabei in einem selbstbestimmten Rhythmus ganz flexibel im Arbeitsalltag absolviert werden, während die Präsenzlernphasen im Rahmen von Seminaren das gemeinsame synchrone Lernen und zugleich die persönliche Vernetzung der Teilnehmenden fördern. Sämtliche Module folgen dabei einem roten Faden und müssen in einer vorgelegten Reihenfolge absolviert werden.

Durch die implementierte Storyline mit der fiktiven Stadtverwaltung innerhalb der eLearning-Module wird der Lernprozess mit praxisnahen Situationen aus dem eigenen Arbeitsalltag angereichert, die für einen optimalen Transfer in die Praxis sorgen. Für diese Zwecke werden unter anderem Videos und Zitate eingesetzt – mit dem Ziel, mit sämtlichen Interaktionen die Lernenden auf potenzielle Alltagsgefahren vorzubereiten. Innerhalb der Storyline begleiten die Lernenden die auf Basis von Persona entwickelte Protagonistin, die in ihrer Rolle als Koordinatorin in der fiktiven Stadtverwaltung von Beispielhausen Strukturen und Maßnahmen für die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz aufbauen soll. Auf diesem Weg nehmen die Lernenden viel von ihrer strategischen Herangehensweise in ihren eigenen Arbeitsablauf auf. Dabei werden sie mithilfe von Reflexionsaufgaben regelmäßig dazu aufgefordert, das erlernte Wissen bewusst in den eigenen Alltag zu transferieren, um einen nachhaltigen Lernerfolg sicherzustellen. Zusätzlich dient ein beigefügter Methodenkoffer zur weiteren Festigung der vermittelten Lerninhalte. Hierbei kommen unter anderem verschiedene Leitfäden, Tipps und Methoden zum Einsatz, die die Lernenden bei Präsentationen, Gesprächen und Workshops anwenden können.

Die Präsenzveranstaltungen runden das Blended Learning-Erlebnis ab und bieten den Lernenden die Möglichkeit, sich zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen und das erlernte Wissen in einem persönlichen Rahmen zu verfestigen. Da die Qualifizierungsmaßnahme zum Zeitpunkt der Projektdokumentation noch nicht vollständig in die Lernlandschaften der Unfallkassen implementiert ist, konnte die Akzeptanz noch nicht abschließend ermittelt werden. Es gibt jedoch bereits eine erhöhte Nachfrage, wann das Lernangebot zur Verfügung steht.

Um den Lernerfolg der Mitarbeitenden und die Nachhaltigkeit des Lernangebots sicherzustellen, wird auf die Anwendung des Blended Learning Ansatzes gesetzt, mit dem die Lernenden einerseits mit eLearning-Modulen geschult werden können und andererseits über Präsenzveranstaltungen mit verschiedenen Methoden und Didaktiken qualifiziert werden. Zusätzlich wurden weitere Maßnahmen zur Gewährleistung der Nachhaltigkeit ergriffen. Zum Beispiel überwachen und beraten Aufsichtspersonen kontinuierlich die Mitgliedsunternehmen und stehen den Arbeitsschutzkoordinator:innen bei ihren Aufgaben unterstützend zur Verfügung. Durch die vielfältigen Präventionsleistungen wird die Unterstützung der betrieblichen Aktivitäten für mehr Sicherheit und Gesundheit durch Einflussnahme auf andere Arbeitsschutzakteure ermöglicht.

Fazit

Das neue Schulungsangebot, das in Zusammenarbeit der Unfallkassen und der Infoport GmbH realisiert wurde, bietet Arbeitsschutzkoordinator: innen eine zeitlich unbegrenzte Möglichkeit des Selbststudiums, in dem sie in ihrem eigenen Tempo die Grundlagen und Prozesse zur Einhaltung von Sicherheits- und Gesundheitsmaßnahmen im eigenen Betrieb erlernen und erproben können. Durch die erste digitale Lernphase, die im Rahmen eines WBTs mit der eingebetteten Story um die fiktive Stadt Beispielhausen realisiert wird, können sich die Lernenden in einem geschützten Raum mit der Thematik vertraut machen. Die daran anschließenden Präsenzeinheiten sorgen abrundend für eine nachhaltige Vertiefung des Gelernten und einen hohen Lerntransfer in die eigene Praxis. Der hiermit geschaffene abwechslungsreiche Lernpfad begünstigt auf diesem Weg einen unterhaltsamen Lernprozess, der sich nachhaltig in den Arbeitsalltag einfügt. Auf diesem Weg gelingt es den Unfallkassen, erstmals für die neu geschaffene Stelle der Arbeitskoordinator:innen eine Qualifizierungsmaßnahme einzuführen, die die betroffenen Verantwortlichen grundlegend in den notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten schult, über die sie für ihre Rolle im Betrieb zum Thema Arbeitsschutz verfügen müssen. Aus diesen Gründen freut sich die Jury, den eLearning AWARD 2024 in der Kategorie „WBT“ zu vergeben. Herzlichen Glückwunsch!


Vorgaben und Besonderheiten:

Vorgaben:
Gemeinsam mit der Infoport GmbH sollte ein spezifisches Qualifizierungsangebot erstellt werden, um die Fach- und Handlungskompetenz der Arbeitsschutzkoordinator:innen der Unfallkassen gezielt zu schulen. Dieses sollte im Rahmen eines BlendedLearning-Formates mit WBT und Präsenztrainings realisiert werden.

Besonderheiten:
Innerhalb des WBTs werden die Lernenden gemeinsam mit einer Protagonistin in die fiktive Stadtverwaltung Beispielshausen eingeführt und erleben hier sämtliche Prozesse, Regeln und Kompetenzen rund um das Thema Arbeitsschutz am Arbeitsplatz mit.


Projektverantwortliche:

Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover

Nadine Stitz
Präventionsberaterin

Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover – Landesunfallkasse Niedersachsen
Am Mittelfelde 169
30519 Hannover

nadine.stitz@guvh.de
www.guvh.de

Unfallkasse Nordrhein-Westfalen

Corinna Wiegratz
Referentin (Dipl. Psychologin)

Unfallkasse Nordrhein-Westfalen
Moskauer Str. 18
D-40227 Düsseldorf

C.Wiegratz@unfallkasse-nrw.de
www.unfallkasse-nrw.de

Infoport GmbH

Pia Heinrici
Projektmanagerin

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