Bewertungsleitlinien der eLearning AWARD 2027-Expertenkommission

    Portrait Frank Siepmann
    Frank Siepmann Herausgeber eLearning Journal & Institutsleiter des Instituts für Betriebliche Bildung (IFBB)

    Die AWARD-Expertenkommission 2027 zur Begutachtung eingereichter eLearning-Projekte arbeitet mit dem Selbstverständnis, dass digitale Transformationsprojekte  in der betrieblichen Bildung dieselbe Innovationsarchitektur teilen. Sie unterscheiden sich aber in den Qualitätsparametern und in der Wirkungslogik. 

    Beide brauchen: Strategische Relevanz, validierten Bedarf, Innovationsgrad, Zielklarheit, Prototyping/Pilotierung, Qualitätssicherung, Adoption, KPIs, Wirkungsmessung, Skalierung und Lessons Learned 

    Digitale Transformation bewertet primär: Systeme, Daten, Prozesse, Plattformen, Security, Betrieb und Business Value 

    Betriebliche Bildung bewertet primär: Lernbedarf, Didaktik, Kompetenzaufbau, Transfer, Evaluation und Lernkultur

    Vor diesem Hintergrund wird der eingereichte CfP-Fragenkatalog als qualitätsmanagementnahes Instrument verstanden, damit ein strukturiertes Projekt-, Evaluations- und Reifegrad-Review für eLearning-Projekte ermöglicht wird. Der CfP übersetzt Qualitätsmanagement in eine erzähl- und dokumentierbare Projektlogik. Er ermuntert Einreichende dazu, nicht nur ein schönes Projekt zu beschreiben, sondern die Qualität des Projekts anhand zentraler Dimensionen darzulegen.

    Die Bewertung folgender Handlungsfelder dienen zur Identifizierung von Best Practices in den entsprechenden AWARD-Kategorien und insbesondere zur Verleihung des “Projekts des Jahres 2027”.

    Es werden folgende Aspekte aus den jeweiligen Handlungsdimensionen bei der Beurteilung berücksichtigt:

    1. Ermittlung des Lernbedarfs und des betrieblichen Reifegrads: 

    Die richtige Einschätzung durch Validierung der Lernbedarfe, der Transferstärke der Lernzielgruppen, sowie des betrieblichen Reifegrads entscheidet maßgeblich über die optimale Schöpfungshöhe und den geeigneten Innovationsgrad für erfolgreiche Transformationsprojekte. Nicht die größtmögliche Herausforderung ist die Keimzelle des Projekterfolges, sondern die Bestimmung der angemessenen Flughöhe und Reisegeschwindigkeit des digitalen Transformationsprozesses. Innovationsprozesse brauchen Teamgeist: Sie sind ein Marathon mit aufeinander aufbauenden Einzelmaßnahmen – kein Sprintwettbewerb.   

    2. Innovationsmanagement & Stakeholder-Management: 

    Die Adressierung und Einbeziehung der wesentlichen Stakeholder in geeignete Reflexionsrunden erlaubt den Projektbeteiligten gemeinsam Milestone-Ergebnisse aus der Perspektive relevanter Interessenvertreter zu beleuchten und zu deuten, um dann gegebenenfalls dort nachzujustieren, wo Bedarf herrscht. Transformation bedeutet immer Erprobung und Pionierbewusstsein. Es bedarf eines kombinierten Qualitätsmodells aus Digital-, Innovations- und “L&D”-Logik. Hohe Nutzung ist noch keine Wirkung; Completion ist noch kein Kompetenzaufbau; Rollout ist noch keine Transformation.

    3. Trainingsstrategie & Wirkungsmessung:  

    Strategie lebt vom Verständnis der Zusammenhänge. Insofern ist nicht immer die denkbar komplexeste Trainingsstrategie der Erfolgsgarant für innovative eLearning-Projekte, sondern vielmehr eine realistische Einschätzung des sinnvoll Machbaren als Next-Step-Projekt im digitalen Transformationsprozess. Es braucht klar definierte KPIs, die auf konkrete Unternehmensziele einzahlen. KPIs müssen über Output hinausgehen: Nutzung, Anwendung, Outcome, Skalierung und organisationales Lernen sind entscheidend.

    4. Qualitätsmanagement & L&D-Governance  

    Neben einem klaren Rollenmodell von HR, Fachbereichen, Führungskräften, IT, Compliance, Betriebsrat und externen Anbietern beurteilt die Jury das vorliegende Qualitätsmanagement als durchgehendes Steuerungssystem von Qualitätskriterien bis Qualitätsgovernance bei Zielkonflikten wie Zeit, Kosten, Umfang, Risiko und Nutzen.

    5. Projektevaluation & Lessons Learned 

    Bei Innovationsprozessen wird durch Projektevaluation der erlangte Erkenntnisgewinn zur Nachnutzung für Folgeprojekte operativ nutzbar. Projektevaluation & Lessons-Learned-Reflexion sind die Keimzellen erworbener Erkenntnisse für den nächsten Erprobungsraum in der digitalen Transformation der betrieblichen und/oder beruflichen Bildung. Die Lessons-Learned-Reflexion macht die Summe der informell erworbenen Kompetenzen im Projektverlauf sichtbar. So wird Lernen als Bestandteil der Kompetenzentwicklung im Betrieb verankert – Erfahrungswissen systematisch und langfristig gesichert.