Wenn Erfahrung auf Update trifft
Wie Forum Training Lernen zwischen Generationen neu verbindet
Ein neuer Arbeitsplatz in der Produktion bringt vieles mit sich: neue Abläufe, komplexe Technik, hohe Verantwortung. Für neue Mitarbeitende kann das schnell zur Herausforderung werden – besonders, wenn Erfahrungswissen schwer greifbar ist. Die Forum Training OG hat ein Lernsystem entwickelt, das technisches Know-how sichtbar macht und Lernen direkt am Ort des Geschehens verankert. So entsteht ein praxisnahes Onboarding, das Sicherheit gibt, Wissen erhält und digitales Lernen in industriellen Umgebungen auf ein neues Niveau hebt.
In industriellen Betrieben hängen Sicherheit, Qualität und Effizienz eng damit zusammen, wie gut Mitarbeitende Produktionsprozesse verstehen. Jeder Anlagenteil und jeder Handgriff können den gesamten Ablauf beeinflussen. Entsprechend hoch ist der Anspruch an Schulung und Einarbeitung, besonders in Bereichen, in denen technisches Wissen und Erfahrung über Jahre gewachsen sind.
Mit der fortschreitenden Digitalisierung verändern sich Arbeitsprozesse, Technologien und Rollenprofile rasant. Produktionsbetriebe stehen vor der Aufgabe, neues Wissen schnell zugänglich zu machen und bestehendes Know-how zu bewahren. Doch während sich Technik und Prozesse stetig weiterentwickeln, bleibt Lernen vielerorts analog. Neue Mitarbeitende lernen durch Beobachtung, Begleitung und Wiederholung, während erfahrene Kolleginnen und Kollegen ihr Wissen mündlich weitergeben. Dieses Vorgehen ist wertvoll, aber anfällig für Lücken: Inhalte variieren je nach Schicht, Standort oder persönlicher Interpretation. Gleichzeitig steht in vielen Branchen ein Generationenwechsel bevor, wodurch wertvolles Erfahrungswissen verloren gehen kann.
Für viele Unternehmen entsteht daraus eine doppelte Herausforderung. Sie müssen einerseits neues Personal effizient und sicher einarbeiten, andererseits das vorhandene Wissen dauerhaft sichern. Lernen wird damit zur strategischen Aufgabe und zu einem zentralen Erfolgsfaktor für die Zukunftsfähigkeit industrieller Organisationen. Genau an diesem Punkt setzen moderne Lernlösungen an, die reale Arbeitsumgebungen mit digitalen Lernformaten verbinden. Sie schaffen die Grundlage, um komplexe technische Abläufe verständlich, reproduzierbar und nachhaltig zu vermitteln – und Lernen fest im Produktionsalltag zu verankern.
Lernbedarfe

Am eingereichten Beispiel anhand einer Anlage der OMV Downstream GmbH treffen komplexe Abläufe auf hohe Sicherheitsstandards und präzise Prozessstrukturen. Neue Mitarbeitende müssen in kurzer Zeit verstehen, wie Anlagen funktionieren, welche Handlungen sicherheitskritisch sind und wie einzelne Arbeitsschritte ineinandergreifen. Gleichzeitig unterscheiden sich die Erfahrungsstände innerhalb der Teams teils erheblich: Während langjährige Fachkräfte auf umfangreiches Praxiswissen zurückgreifen, fehlt neuen Kolleginnen und Kollegen häufig das Verständnis für Zusammenhänge, die im Alltag selbstverständlich erscheinen.
Diese Unterschiede erschweren nicht nur den Wissenstransfer, sondern verlängern auch die Einarbeitungszeit. Hinzu kommt, dass zentrale Teile des Know-hows informell weitergegeben werden, etwa durch mündliche Erklärungen oder Begleitung im Arbeitsprozess. Dadurch können Abweichungen in der Umsetzung und Unsicherheiten im Umgang mit komplexen Anlagen entstehen. Besonders kritisch wirkt sich aus, dass erfahrene Mitarbeitende ihre Kenntnisse oft intuitiv einsetzen, ohne sie strukturiert zu dokumentieren.
Der Lernbedarf betrifft daher nicht nur neue Mitarbeitende, sondern ebenso erfahrene Fachkräfte und Führungspersonal, die Wissen weitergeben und Lernprozesse steuern. Über alle Schichten hinweg sollte ein einheitliches Verständnis für Abläufe und Sicherheitsanforderungen entstehen. Damit wird Lernen auch auf strategischer Ebene zu einem zentralen Hebel für Qualität, Sicherheit und Wissenserhalt. Gesucht war eine Lösung, die Lernen praxisnah, sicher und skalierbar macht – und das Know-how der Mitarbeitenden dauerhaft im Unternehmen verankert.
Projektverlauf
Ausgehend von den identifizierten Lernbedarfen entwickelte Forum Training ein Konzept, das Wissen systematisch erfassbar und erlebbar machen sollte. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie technisches Erfahrungswissen in eine digitale Form überführt werden kann, ohne seine Praxisnähe zu verlieren. Der Ansatz der sogenannten didaktischen Zwillinge bot hierfür die ideale Grundlage: reale Anlagen und Prozesse werden digital nachgebildet, sodass Lernende Schritt für Schritt Abläufe, Zustände und Sicherheitsaspekte nachvollziehen können.
Der Projektverlauf gliederte sich in vier Phasen. In der Analysephase wurden die relevanten Prozesse in der realen Anlage erhoben und das implizite Erfahrungswissen erfahrener Mitarbeitender dokumentiert. Die anschließende Konzeptionsphase diente der didaktischen Strukturierung der Inhalte: Lernmodule wurden so gestaltet, dass sie logisch aufeinander aufbauen und unterschiedliche Schwierigkeitsgrade abbilden. In der Produktionsphase erfolgte die Modellierung des digitalen Zwillings, ergänzt durch interaktive Lernpfade, visuelle Simulationen und sicherheitsrelevante Szenarien. Die abschließende Test- und Optimierungsphase umfasste eine Pilotierung, bei denen ausgewählte Mitarbeitende das System erprobten und Feedback gaben.
Herausfordernd war insbesondere die Überführung von implizitem Erfahrungswissen in klar strukturierte Lerninhalte. Dank des bestehenden Know-hows von Forum Training in den Branchen Chemie, Pharma und Lebensmitteltechnologie konnte dieser Transfer jedoch weitgehend eigenständig erfolgen. Die Fachkräfte des Kunden wurden nur punktuell für inhaltliche Validierungen benötigt. So blieb der Aufwand auf Kundenseite gering, während Forum Training das Erfahrungswissen didaktisch präzise, praxisnah und authentisch aufbereitete.
Zugleich musste ein Gleichgewicht zwischen technischer Exaktheit und didaktischer Vereinfachung gefunden werden. Diese Feinabstimmung gelang durch die enge interne Zusammenarbeit der Didaktik, IT und Fachtrainer von Forum Training, was den Abstimmungsbedarf mit dem Kunden weiter reduzierte.
Zentrale Erfolgsfaktoren waren die klare Kommunikation im Projektteam und eine agile Arbeitsweise. Durch kurze interne Feedbackzyklen konnte Forum Training schnell auf neue Erkenntnisse reagieren, die Lernmodule kontinuierlich optimieren und ein Ergebnis liefern, das technisch solide und zugleich leicht verständlich ist, bei minimalem Ressourceneinsatz auf Kundenseite.
Projektergebnis

Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Projektpartner und Forum Training führte zu einem digitalen Lernsystem, das Produktionswissen transparent, standardisiert und übergreifend verfügbar macht. Mithilfe der didaktischen Zwillinge wurden komplexe Abläufe so visualisiert, dass sie für neue Mitarbeitende leichter nachvollziehbar und für Fachkräfte gezielt vertiefbar sind. Lerninhalte lassen sich bedarfsgerecht anpassen, aktualisieren und unmittelbar in den Arbeitsalltag integrieren. Weil das System reale Arbeitsprozesse abbildet, erleben die Mitarbeitenden das Lernen nicht als zusätzliche Aufgabe, sondern als integralen Bestandteil ihres Arbeitstages.
Die enge Verzahnung von didaktischer Struktur und technischer Umsetzung führte zu greifbaren Ergebnissen. So liegt ein zentraler Erfolg des Projekts in der Verkürzung der Einarbeitungszeiten. Neue Mitarbeitende erreichen schneller ein sicheres Handlungsniveau, da sie Prozesse nicht nur theoretisch, sondern anhand realistischer Szenarien kennenlernen. Gleichzeitig profitieren erfahrene Kolleginnen und Kollegen von der Möglichkeit, ihr Wissen zu reflektieren und zu systematisieren. Diese Wirkung lässt sich auch quantitativ belegen: Die Einarbeitungszeit sank, der Zeitaufwand der internen Trainerinnen und Trainer wurde reduziert.
Das Projekt stärkt Sicherheits- und Qualitätsstandards nachhaltig. Rückmeldungen aus der Pilotgruppe zeigen, dass die Lernmodule breite Akzeptanz finden – insbesondere, weil Mitarbeitenden aktiv in die Entwicklung eingebunden waren. Diese Partizipation förderte nicht nur die Identifikation mit dem System, sondern auch den Wissenstransfer in die Praxis.
Die besondere Stärke des Projekts liegt in seiner Innovationskraft: Lernen findet direkt im Produktionskontext statt und wird dadurch unmittelbar anwendbar. Damit entsteht ein Lernsystem, das Theorie und Praxis verbindet und den Wissenserhalt langfristig stärkt. Es trägt messbar zu den strategischen Unternehmenszielen Effizienz, Sicherheit und Wissenserhalt bei, indem Erfahrungswissen systematisch konserviert und der Wissensverlust reduziert wird.
Fazit
Das Projekt von Forum Training zeigt, wie Lernen in industriellen Umgebungen neu gedacht werden kann. Es verbindet Wissen, Praxis und Erfahrung zu einem einheitlichen Lernprozess, der dort stattfindet, wo Wissen entsteht – direkt an den Anlagen und Prozessen. So entsteht ein praxisnahes Lernerlebnis, das Theorie, Anwendung und kontinuierliche Verbesserung miteinander verbindet.
Ein entscheidender Erfolgsfaktor war die enge Zusammenarbeit zwischen Fachabteilungen und Ausbildung/Training. Dieses Zusammenspiel führte zu einem gemeinsamen Verständnis von Lernen als strategischem Unternehmensprozess und machte es möglich, technologische und didaktische Anforderungen präzise aufeinander abzustimmen. Der daraus entstehende kulturelle Wandel prägt das Arbeiten bis heute: Lernen wird ein selbstverständlicher Teil des Berufsalltags und schafft eine Lernkultur, die Wissen bewahrt und gleichzeitig Qualität und Sicherheit stärkt.
Die modulare und mögliche mehrsprachige Lernarchitektur lässt sich auf andere Standorte übertragen und kann um Augmented Reality Features und adaptive Learning Nuggets erweitert werden. So wird Wissen noch unmittelbarer erlebbar und praxisnah vermittelt. Gleichzeitig bewahrt der digitale Zwilling wertvolles Erfahrungswissen über Generationen hinweg und macht es für neue Mitarbeitende nutzbar.
Damit wird der didaktische Zwilling zum Herzstück einer modernen Lernstrategie, die Menschen und Technologie auf sinnvolle Weise vereint – ein Beispiel dafür, wie digitale Lösungen Lernen und Fortschritt in Einklang bringen. Für die konsequente Verbindung von Wissenserhalt, Technologie und Lernkultur vergibt die Jury den eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Virtuelle Lernwelt“ mit dem Schwerpunkt „Produktionssimulation“. Herzlichen Glückwunsch!
Keytakeaways
Ausgangssituation:
- Erfahrungswissen wenig dokumentiert, Schulungen analog und uneinheitlich.
- Unterschiedliche Wissensstände und Generationenwechsel gefährden Wissenserhalt und Einarbeitungsqualität.
Projektziel:
- Erfahrungswissen systematisch erfassen, sichern und digital zugänglich machen.
- Onboarding, Sicherheit und Prozessverständnis durch praxisnahes Lernen verbessern.
Umsetzung:
- Entwicklung digitaler didaktischer Zwillinge, die reale Anlagen und Abläufe abbilden.
- Enge Zusammenarbeit von Fachabteilungen und Forum Training; agile Entwicklung mit Feedbackzyklen.
Messung:
- Einarbeitungszeit geringerer Trainingsaufwand.
- Hohe Akzeptanz im Betrieb, ROI nach 12–18 Monaten erreicht.
Projektverantwortliche
Forum Training OG
Lukas Untersberger
Geschäftsführung
l.untersberger@forumtraining.at
Stadtplatz 21
4840 Vöcklabruck, Österreich
www.forumtraining.at

Michael Weinberger
m.weinberger@forumtraining.at
Stadtplatz 21
4840 Vöcklabruck, Österreich
www.forumtraining.at




