Jüdisches Leben und jüdische Geschichte kennenlernen
Niedrigschwellige Angebote der politischen Bildung für Zugewanderte

Antisemitismus bleibt eine gesellschaftliche Herausforderung. Bildungsarbeit spielt dabei eine zentrale Rolle, um Verständnis, Empathie und demokratische Werte zu fördern. Doch wie können Themen wie jüdisches Leben in Deutschland, Antisemitismus, Nationalsozialismus oder Israel so vermittelt werden, dass sie für Zugewanderte mit unterschiedlichen Sprach- und Bildungshintergründen verständlich und zugänglich sind? Genau hier setzt Violence Prevention Network gemeinsam mit edeos an: Mit dem vom Bundesministerium des Innern geförderten Projekt „EAS – E-Learning zu Antisemitismusprävention für Zugewanderte“ wurde ein digitales Lernangebot entwickelt, das Antisemitismusprävention in ein kostenloses, praxisnahes, interaktives, sprachlich niedrigschwelliges und visuell unterstütztes eLearning-Projekt übersetzt. Das Konzept ist Teil eines umfassenden Bildungsansatzes, der Wissen, Haltung und Dialogfähigkeit gleichermaßen stärkt.

Antisemitismusprävention gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben politischer Bildung in Deutschland. Sie verlangt Fachwissen, Empathie und Sensibilität sowie die Fähigkeit, historische Verantwortung für den Nationalsozialismus in aktuelle Kontexte zu übertragen. Auch wenn Debatten über einen „importierten Antisemitismus“ zu kurz greifen: Viele Zugewanderte haben diese Inhalte in ihrer Schulzeit womöglich kaum kennengelernt; das Integrationskurs-Modul „Geschichte und Verantwortung“ greift sie nur begrenzt auf. Dadurch können kurz vor Einbürgerung Wissenslücken entstehen – etwa im Test „Leben in Deutschland“.

Das kostenlose eLearning „EAS“ schließt diese Lücke. In vier kurzen Modulen (Gesamtlernzeit: 40–60 Min.) erhalten Teilnehmende Grundlagen zu jüdischem Leben, Antisemitismus, Nationalsozialismus und Israel. Das Angebot ist flexibel nutzbar und kann von Kursleitungen in Integrations- und Orientierungskursen eingebunden werden. Begleitmaterial, mehrsprachige Glossare und eine Bibliografie unterstützen die Umsetzung; eine Teilnahmebestätigung stärkt die Motivation.

Violence Prevention Network bringt langjährige Erfahrung in der politischen Bildung, Demokratieförderung, Entwicklung von Lehrkonzepten sowie der Umsetzung und Betreuung von eLearning-Angeboten ein, während edeos die didaktische, visuelle und technische Umsetzung verantwortete. Ziel war ein leicht verständliches, niedrigschwelliges Lernangebot, das historische Verantwortung und gesellschaftliche Werte fundiert und zugleich sprachlich niedrigschwellig vermittelt.

Wissen, das Brücken baut: Mit niedrigschwelligen Modulen schafft EAS Zugang zu komplexen Themen und fördert Verständnis.

Lernbedarfe

Im Kontext politischer Bildung für Zugewanderte wurden Themen der Antisemitismusprävention bislang nur eingeschränkt adressiert. Zwar behandeln Integrations- und Orientierungskurse Themen wie Geschichte, Demokratie oder Menschenrechte, doch Inhalte zu jüdischem Leben in Deutschland, Antisemitismus oder Israel und z. T. auch Nationalsozialismus werden bislang nicht immer umfassend aufgegriffen. Eine Bedarfserhebung von Violence Prevention Network zeigte, dass viele Lehrkräfte von Integrationskursen die eben genannten Themen selten in ihrem Unterricht berücksichtigen oder bisweilen ganz aussparen, weswegen Teilnehmende oftmals über wenig Wissen über die genannten Themen verfügen. Zugleich äußerten Lehrkräfte den Wunsch nach didaktisch aufbereiteten, sprachlich vereinfachten und visuell unterstützten Materialien, die den Unterricht entlasten und den Zugang zum Themenfeld erleichtern.

Die Zielgruppe des eLearning-Projekts EAS ist ausgesprochen heterogen. Sie umfasst Zugewanderte aus vielen verschiedenen Herkunftsländern, mit unterschiedlichem Alter oder Bildungsgrad. Diese Vielfalt führt zu stark variierenden Lernvoraussetzungen und technischen Kompetenzen. Um diesen Unterschieden gerecht zu werden, mussten die Lerninhalte auf ein gemeinsames Verständnisniveau gebracht und sensibel gestaltet werden.

Hinzu kam die sprachliche Herausforderung: Begrenzte Deutschkenntnisse von vielen Teilnehmenden erfordern ein visuell gestütztes, interaktives und barrierearmes Format, das Komplexität reduziert, ohne zu trivialisieren. Das Projekt EAS reagierte damit auf den klaren Bildungsbedarf, Antisemitismusprävention nicht nur informativ, sondern erfahrungsorientiert und anschlussfähig zu vermitteln – mit einem Lernansatz, der Wissen, Haltung und Verständigung gleichermaßen stärkt.

Projektverlauf

Das eLearning-Projekt „EAS – E-Learning zu Antisemitismusprävention für Zugewanderte” wurde in einem agilen, nutzerzentrierten Prozess mit hoher inhaltlicher Präzision ausgerichtet und in knapp zwölf Monaten umgesetzt. Das interdisziplinäre Projektteam vereinte die fachliche Expertise von Violence Prevention Network mit der didaktischen, gestalterischen und technischen Kompetenz der Agentur edeos. Bereits in der Bedarfserhebung wurde die Expertise von Leitungen von Integrationskursen sowie anderen Expertinnen und Experten im Themenfeld in die Konzeption eingebunden.

In der Konzeptionsphase wurden Schwerpunkte festgelegt, Integrationskurs-Materialien ausgewertet und in fundierte Bildungskonzepte übersetzt, woraus ein Drehbuch und leicht zugängliche Lerneinheiten entstanden. Parallel wurden visuelle Leitlinien definiert, um eine durchgängige, emotionale und zugleich respektvolle Bildsprache sicherzustellen. Sämtliche Illustrationen und Szenen wurden mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellt, um eine konsistente und neutrale Ästhetik zu gewährleisten.

Ein zentraler Bestandteil des Projektverlaufs war die Pilotphase. Kursleitungen testeten den Prototyp des eLearning-Angebots direkt mit ihren Lerngruppen, begleitet von strukturierten Feedbackschleifen mit Lernenden und Lehrenden. Diese Rückmeldungen führten zu gezielten Anpassungen: unklare Formulierungen wurden überarbeitet, Bildsequenzen angepasst und Interaktionsanweisungen präzisiert. Durch diese iterative Überarbeitung entstand ein Lernangebot, das sprachlich, visuell und inhaltlich optimal auf die Bedürfnisse der Zielgruppe abgestimmt ist.

Nach Abschluss der Testphase erfolgte der Rollout des finalen Kurses über die öffentlich zugängliche Lernplattform von Violence Prevention Network. Der Kurs wurde über die Lernplattform veröffentlicht und bundesweit über Launch-Events, Social-Media-Aktivitäten und BAMF-Netzwerke verbreitet. Unterstützung kam zudem von Regionalkoordinatorinnen und -koordinatoren des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, die das Angebot gezielt an Träger von Integrationskursen und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren weitergaben. Bereits kurz nach dem Start erreichte das Projekt eine hohe Sichtbarkeit in Fachkreisen und wurde von Lehrkräften und Institutionen bundesweit nachgefragt.

Durch diese enge Verzahnung von Fachwissen, technischer Umsetzung und kontinuierlichem Nutzerfeedback entstand ein eLearning-Projekt, das didaktische Qualität, kulturelle Sensibilität und Praxisbezug beispielhaft miteinander verbindet.

Projektergebnis

Nach Abschluss der Entwicklungs- und Testphasen wurde das eLearning-Projekt „EAS – E-Learning zu Antisemitismusprävention für Zugewanderte” bundesweit veröffentlicht. Bereits kurz nach dem Launch verzeichnete das Lernangebot über die öffentliche Lernplattform von Violence Prevention Network eine breite Nutzung bei pädagogischen Fachkräften sowie Leitungen von Integrations- und Orientierungskursen, begleitet von einer positiven Resonanz seitens Lehrender und Teilnehmender.

Die Wirkung und Reichweite des Projekts werden systematisch über verschiedene Indikatoren erfasst. Quantitativ misst Violence Prevention Network Zugriffszahlen, Verweildauer, Modulabschlüsse und Herkunft der Zugriffe. Ergänzend liefern qualitative Rückmeldungen aus Feedbackbögen, persönlichen Gesprächen sowie aus der Digitalberatung per E-Mail und Telefon-Sprechstunde wertvolle Hinweise zur Wirkung des Kurses. Auch Empfehlungen durch Veranstalter von Integrationskursen und Fachstellen fließen in die Evaluation ein.

Die ersten Auswertungen zeigen eine hohe Akzeptanz des Lernangebots: Lernende bewerteten den Kurs als verständlich, visuell ansprechend und inhaltlich klar strukturiert. Besonders positiv hervorgehoben wurde der Einsatz von Avataren, die als gleichgestellte Lernbegleiter statt als Lehrpersonen auftreten und so eine vertraute, nicht-hierarchische Lernatmosphäre schaffen. Lehrkräfte berichteten von einer Entlastung im Unterricht und einer gesteigerten Motivation der Teilnehmenden. Der modulare Aufbau und die interaktiven Elemente ermöglichten es, komplexe Inhalte individuell und im eigenen Lerntempo zu bearbeiten.

Ein internes Qualitätsmanagement sichert die kontinuierliche Weiterentwicklung. Die Evaluationsschleifen und Kennzahlen zeigen, dass das eLearning-Projekt nicht nur eine Lücke in der politischen Bildung schließt, sondern auch langfristig Strukturen für die digitale Antisemitismusprävention etabliert. Damit bildet es ein nachhaltiges Modell für wirkungsorientiertes, datenbasiertes Lernen im gesellschaftlichen Bildungsbereich.

Fazit

Das eLearning-Projekt „EAS – E-Learning zu Antisemitismusprävention für Zugewanderte” zeigt, wie digitale Bildung komplexe und sensible Themen erfolgreich vermitteln kann. Es verbindet fachliche Präzision mit didaktischer Innovation und macht historische Verantwortung für Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zugänglich und verstehbar. Besonders hervorzuheben ist die konsequente Nutzerorientierung: Lernende, Lehrkräfte und andere Fachkräfte des Themenfelds wurden frühzeitig in die Entwicklung eingebunden, wodurch ein Format entstand, das inhaltlich fundiert, leicht verständlich und visuell ansprechend gestaltet ist.

Durch den Einsatz von KI-generierten Bildwelten, klaren Interaktionen und Avataren als Lernbegleiter wurde ein Lernraum geschaffen, der Identifikation und Reflexion gleichermaßen fördert. Zugleich bewies das Projekt, dass politische Bildung digital skalierbar und nachhaltig wirksam sein kann, wenn sie Vielfalt als Stärke versteht.

Violence Prevention Network und edeos haben damit ein richtungsweisendes Beispiel für moderne Antisemitismusprävention im digitalen Raum geschaffen – ein Projekt, das gesellschaftliche Verantwortung mit zeitgemäßer Lerntechnologie verbindet und neue Maßstäbe in der politischen Bildung setzt.

Vor dem Hintergrund der herausragenden didaktischen Qualität, der hohen gesellschaftlichen Relevanz, der barrierearmen Gestaltung und der innovativen digitalen Umsetzung freut sich die Jury, das Projekt „EAS – E-Learning zu Antisemitismusprävention für Zugewanderte“ mit dem eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Storytelling“ mit dem Schwerpunkt „Narrative Wertebildung“ auszuzeichnen. Herzlichen Glückwunsch!


Keytakeaways

Ausgangssituation:

  • Themen wie Antisemitismus und jüdisches Leben waren in Integrationskursen kaum verankert.
  • Sprachliche Barrieren und fehlende visuelle Materialien erschwerten die Vermittlung komplexer Inhalte.

Projektziel:

  • Entwicklung eines barrierearmen, digitalen Lernangebots zur Antisemitismusprävention (B1).
  • Förderung von Wissen, Empathie und Dialogfähigkeit durch visuelle und interaktive Lernformen.

Umsetzung:

  • Agile Zusammenarbeit von Violence Prevention Network und edeos mit Pilotphase und User-Feedback.
  • KI-generierte Bilder und Avatare als peer-basierte Lernbegleiter für hohe Identifikation.

Messung:

  • Monitoring über Zugriffszahlen, Modulabschlüsse und qualitative Rückmeldungen.
  • Kombination aus quantitativen Daten und Feedback zur kontinuierlichen Optimierung.

Projektverantwortliche

Violence Prevention Network gGmbH
Ettina Zach
Projekt EAS
elearning@violence-prevention-network.de
Alt-Reinickendorf 25
13407 Berlin
www.violence-prevention-network.de

edeos – digital education GmbH
Jan Künzl
Geschäftsführer
kontakt@edeos.org
Schonensche Straße 3
10439 Berlin
www.Edeos.org

Das Angebot wird im Rahmen des Bundesprogramms „Gesellschaftlicher Zusammenhalt – Vor Ort. Vernetzt. Verbunden.“ mit Fördermitteln des Bundesministeriums des Innern gefördert.