Global einheitlich, lokal relevant
Durch Lernen Grenzen überwinden und Wirkung entfalten
Angetrieben durch die digitale Transformation, erlebt die Art, wie wir in Unternehmen lernen, einen disruptiven Wandel. Digitale Lernangebote werden zum entscheidenden strategischen Instrument, um Kompetenzlücken zu schließen und für die Zukunft notwendigen Fähigkeiten aufzubauen. Doch während viele Organisationen auf eine Vielzahl von Tools setzen, fehlt häufig ein gemeinsames Qualitätsverständnis, das Lernen messbar und wirksam macht. Genau diese Herausforderung stellt sich für ein globales Unternehmen wie Bosch in besonderem Maße: Wie befähigt man mehr als 5.000 L&D-Manager:innen in über 50 Ländern, einen gemeinsamen Qualitätsstandard zu leben und in spürbare Erfolge zu übersetzen? Mit dem Projekt „Smart Digital Learning Journey“, einem Rahmenwerk zur Erstellung modularer und smarter digitaler Lernreisen, gibt Bosch darauf eine klare Antwort. Das Projekt denkt Lernen neu – als integrativen Bestandteil der Arbeit. Ziel ist es, Orientierung zu geben, Qualität zu sichern und Erfolge transparent nachzuhalten. Damit entsteht eine übergreifende strategische Grundlage, die Didaktik, Technologie und Praxis für ein leistungsstarkes Lernökosystem verbindet. So wird Lernen dort verankert, wo es zählt: im Arbeitsalltag.
Die Art und Weise, wie Menschen in Unternehmen lernen, hat sich grundlegend verändert. Digitale Lernangebote sind heute ein strategisches Instrument zur Kompetenzentwicklung am Arbeitsplatz.
In vielen Unternehmen führte dieser Wandel jedoch zu einer ungesteuerten Vielfalt an Angeboten. Über Jahre entstanden unzählige Tools, Lernangebote und Qualitätsstandards parallel zueinander. Was für einzelne Teams noch funktionierte, wurde auf Konzernebene zur strategischen Sackgasse. Doppelarbeit, ineffiziente Ressourcennutzung und ein inkonsistentes Lernerlebnis für die Mitarbeitenden waren die Folge. So auch bei Bosch.
Für den globalen Konzern stellte sich daher die richtungsweisende Frage: Wie lässt sich diese organisch gewachsene Landschaft in ein kohärentes, weltweit wirksames System überführen? Es brauchte einen Rahmen, der sowohl als globale Leitplanke für Qualität dient, aber gleichzeitig als Ermöglicher für lokale Kreativität und Relevanz fungiert. „Der globale Bauplan der ‚Smart Digital Learning Journey‘ ist für uns in Lateinamerika ein entscheidender Schritt. Er gibt uns die nötige Struktur und Qualität, lässt uns aber gleichzeitig die Freiheit, die Lerninhalte passgenau auf unsere lokalen Bedarfe und kulturellen Gegebenheiten anzupassen. Damit sprechen wir eine gemeinsame Sprache des Lernens,“ erklärt Mariana Antonialli, Head of Bosch Training Center Latin America.
Lernbedarfe

Um dieser strategischen Herausforderung systematisch zu begegnen, initiierte ein Projektteam des Bosch Training Centers eine umfassende Bestandsaufnahme. Dabei wurden nicht nur bestehende interne Nutzungsdaten und Feedback-Kanäle ausgewertet, sondern auch gezielte Interviews mit Lernverantwortlichen und Mitarbeitenden in verschiedenen Regionen geführt. Parallel dazu wurden aktuelle Markttrends und Erfolgsmodelle untersucht, um zu lernen und die eigene Position zu schärfen.
Die Analyse offenbarte einen klaren Handlungsdruck aus zwei zentralen Perspektiven:
Einerseits standen die Lernverantwortlichen im Spannungsfeld zwischen dem Ruf nach globalen Qualitätsstandards und der Notwendigkeit, lokale Bedarfe kreativ und flexibel zu bedienen. Sie wünschten sich ein klares Modell, das Orientierung gibt, aber auch Freiräume lässt. Gleichzeitig waren die Konsolidierung und Digitalisierung bestehender Angebote überfällig, um Effizienz zu steigern und Inhalte nachhaltig verfügbar zu machen.
Andererseits hatten die Mitarbeitenden selbst neue, unmissverständliche Erwartungen. In einem immer dichteren Arbeitsalltag darf Lernen keine zusätzliche Belastung sein, sondern muss sich als wertstiftende Unterstützung anfühlen. Sie forderten relevante, auf den Punkt gebrachte Inhalte, die sich nahtlos in ihre Arbeit integrieren und individuell zugänglich sind – egal ob am Schreibtisch, in der Fertigung oder im Außendienst.
Das Ziel war klar: die Modernisierung der gesamten Lernstruktur, nicht nur die Definition eines neuen Standards. Dafür wurde eine Grundlage geschaffen, die Qualität und Relevanz vereint und den Transfer in die Praxis fördert. Auf diese Weise wird Lernen zum wirksamen Bestandteil der täglichen Arbeit.
Projektverlauf
Mit dem Start der Smart Digital Learning Journey wurde ein konzernweites Projekt initiiert, das Didaktik, Technologie und Organisation eng verzahnt. Ein interdisziplinäres Team aus Expert:innen für Learning & Development, IT, Kommunikation und unterschiedlichen Fachbereichen bildete den Kern. Dieser Ansatz war entscheidend, um Silodenken von Beginn an zu vermeiden und eine Lösung zu schaffen, die von allen relevanten Parteien getragen wird. So konnten strategische Steuerung und operative Umsetzung optimal verknüpft werden.
Das interdisziplinäre Team analysierte bestehende Lerninhalte, Formate und Prozesse, um Stärken und Lücken zu identifizieren und daraus eine nachhaltige Lernarchitektur abzuleiten. Dieser Prozess folgte einem modifizierten ADDIE-Modell (Analyse, Design, Development, Implementation und Evaluation) und verband klassische Didaktik mit agilen Methoden: kurze Entwicklungszyklen, regelmäßiges Feedback und iterative Optimierung sorgten für Transparenz und Qualität.
Parallel dazu entstand das Herzstück des Projektes. Ein übergreifender Bauplan für digitale Lernreisen in Form eines neu entwickelten Qualitätsframeworks. Er übersetzt die drei theoretischen Leitprinzipien – Unternehmerische Relevanz, Experience und Zukunftsfähigkeit – in konkrete, handhabbare Kriterien und Checklisten für jede Phase des Entwicklungsprozesses.
Nach dem Proof of Concept folgte die Befähigung der Organisation. Es ging nicht nur darum, ein Dokument bereitzustellen, sondern eine Bewegung zu starten. Gezielte Schulungen, Leitfäden und Best-Practice-Beispiele halfen dabei, das neue Qualitätsverständnis nachhaltig im Unternehmen zu verankern. Über interne Plattformen und Netzwerke konnten sich Lernverantwortliche austauschen, voneinander lernen und das Rahmenwerk für ihre eigenen Projekte nutzen, beispielweise als Werkzeug zur Selbstbewertung. So entstand ein lebendiges Ökosystem.
Projektergebnis

Das Projekt wurde schnell zum Impulsgeber für eine neue Lernkultur. Lernen wurde nicht mehr als separate Aufgabe, sondern als selbstverständlicher Teil der Problemlösung im Arbeitsalltag wahrgenommen. Der klar definierte Rahmen zur Erstellung einer smarten digitalen Lernreise schuf erstmals ein gemeinsames, globales Verständnis dafür, wie digitale Lernangebote gestaltet sein müssen, um wirksam zu sein.
Die Kombination aus standardisierten Prozessen und methodischer Flexibilität erwies sich als besonders wirksam. Innerhalb kurzer Zeit wurden zahlreiche bestehende Lernangebote digitalisiert und entlang der Smart-Kriterien neu ausgerichtet. Der modulare Aufbau erleichterte die Integration in bestehende Systeme und senkte den Pflegeaufwand deutlich, während die globale Verfügbarkeit und Mehrsprachigkeit die Reichweite spürbar erhöhten.
Dieser Erfolg wurde durch messbare Ziele untermauert: Bis Ende 2025 sollen 10 Prozent der neuen Lernangebote die Smart-Kriterien erfüllen, bis 2030 bereits 40 Prozent. Die Rückmeldungen aus Pilotprojekten bestätigen den Ansatz: Lernformate, die nach diesem Bauplan entwickelt wurden, erzielten im Customer Satisfaction Index Bestnoten und wurden als praxisnäher und relevanter beschrieben. Die Initiative stärkte zudem die Rolle der Lernverantwortlichen. Sie verfügen nun über konkrete Werkzeuge, um Lerninitiativen strategisch auszurichten und deren Wirksamkeit zu belegen. Das Rahmenwerk „Smart Digital Learning Journey“ setzt so neue Maßstäbe für digitales Lernen bei Bosch.
Fazit
Die Smart Digital Learning Journey der Robert Bosch GmbH zeigt eindrucksvoll, wie strategisch konzipierte Lernarchitekturen den Wandel zu einer modernen, wirksamen Lernkultur vorantreiben können. Das eLearning-Projekt verbindet klare Qualitätsstandards mit Flexibilität und Nutzerorientierung – eine Kombination, die Lernen planbar, messbar und zugleich inspirierend macht. Besonders hervorzuheben ist die konsequente Verknüpfung von Didaktik, Technologie und Organisation: Lernen wird nicht als isolierte Maßnahme verstanden, sondern als Teil der täglichen Arbeit und der Unternehmensentwicklung.
Für L&D-Manager:innen liefert das Projekt wertvolle Erkenntnisse darüber, wie sich Lernqualität skalieren lässt, ohne Kreativität und Kontextbezug zu verlieren. Durch messbare Zielgrößen, ein verbindliches Framework und die Einbindung der Lernverantwortlichen schafft Bosch ein System, das stetige Weiterentwicklung fördert und den Lernerfolg sichtbar macht. So wird aus dem Projekt „Smart Digital Learning Journey“ mehr als nur ein exzellentes L&D-Projekt. In einer Zeit, in der Unternehmen sich Zukunftsfeldern wie der Künstlichen Intelligenz und der digitalen Transformation stellen müssen, wird eine solche Lernarchitektur zur strategischen Notwendigkeit. Sie schafft die Grundlage, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schnell und skalierbar mit den entscheidenden Zukunftskompetenzen auszustatten, die für die Entwicklung und den Einsatz neuer Technologien erforderlich sind. Damit ist das Projekt ein fundamentaler Baustein, um die Innovationskraft des Unternehmens zu sichern und den Wandel zu begleiten.
Vor dem Hintergrund der didaktischen Exzellenz und des mutigen Anspruchs, Lernen global neu zu denken, freut sich die Jury daher, das Projekt “Smart Digital Learning Journey – Smart Learning smartly learned” mit dem eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Learning Journey“ und dem Schwerpunkt „Lernstrategie“ auszuzeichnen. Herzlichen Glückwunsch!
Keytakeaways
Ausgangssituation:
- Uneinheitliche Lernformate und fehlende Qualitätsstandards führten zu inkonsistenten Ergebnissen.
- Die wachsende Zahl an L&D-Manager:innen und die Digitalisierung erforderten ein skalierbares Lernsystem.
Projektziel:
- Aufbau eines globalen Qualitätsrahmens für digitales Lernen mit klaren Leitprinzipien.
- Modernisierung und Digitalisierung bestehender Lernangebote zur Stärkung einer gemeinsamen Lernkultur.
Umsetzung:
- Entwicklung eines modularen Frameworks auf Basis der Smart-Kriterien durch interdisziplinäre Teams.
- Agile Prozesse, klare Governance und aktive Einbindung der Lernverantwortlichen.
Messung:
- Zielvorgabe: 10 % der neuen Lernangebote bis 2025, 40 % des Portfolios bis 2030 nach Smart-Kriterien.
- Bestnoten im Customer Satisfaction Index und hohe Akzeptanz in Pilotbereichen.
Projektverantwortliche

Robert Bosch GmbH
Alexander Preiss
Digital Learning / Bosch Training Center Germany
alexander.preiss@de.bosch.com
Robert-Bosch-Platz 1
70839 Gerlingen-Schillerhöhe
www.bosch.com
Marianna Antonialli
Head of Bosch Training Center Latin America
Marianna.Antonialli@bosch.com
Rod Anhanguera Km 98
Campinas Sao Paulo 13065-900 – Brazil
www.bosch.com



