Strategisches Lernen neu gedacht
Wie die CS Universe-ity bei E.ON das Lernen weiterentwickelt

Noch vor wenigen Jahren galt Lernen in vielen großen Organisationen als formale Pflicht: ein Punkt auf der To-do-Liste, kaum verknüpft mit den Zielen des Geschäfts. Doch was passiert, wenn Lernen plötzlich strategisch wird? E.ON SE hat diesen Schritt gewagt und ein Programm geschaffen, das Lernen neu verankert – als festen Bestandteil einer Kultur, die sich stetig weiterentwickelt.

Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, Wissen in einer Welt zu vermitteln, die sich schneller verändert als je zuvor. Die Energiebranche befindet sich dabei in einem Spannungsfeld aus regulatorischen Vorgaben, technologischem Fortschritt und steigenden Kundenerwartungen.

In diesem Umfeld stoßen klassische Weiterbildungsformate zunehmend an ihre Grenzen: Inhalte veralten rasch, Lernprozesse sind oft dezentral organisiert, und der Transfer in den Arbeitsalltag bleibt begrenzt. Die Zusammenarbeit über Länder und Technologien hinweg macht ein gemeinsames Lernverständnis erforderlich und Lernen selbst zum strategischen Erfolgsfaktor.

Genau an diesem Punkt setzte die „CS Universe-ity“ an, mit dem Ziel, strategisches Wissen und Unternehmenskultur enger zu verbinden und Lernen als gemeinsame Stärke im Unternehmen zu verankern.

Lernen im Fluss der Transformation: Über MyGenius greifen Mitarbeitende auf Lernkanäle, Kurse und Austauschformate zu.

Lernbedarfe

Die Ausgangsanalyse bei E.ON zeigte, wie vielfältig die Lernbedarfe in einem internationalen Konzern dieser Größe waren. Im Segment Customer Solutions arbeitete das Unternehmen mit über 20.000 Mitarbeitenden in elf Ländern und drei Geschäftsbereichen. Zwar existierten in einigen Regionen bereits etablierte Personalentwicklungsmaßnahmen, doch es fehlte ein Lernangebot, das die strategischen Ziele des Geschäftsbereichs direkt unterstützte und für alle Zielgruppen gleichermaßen relevant war. Der Vorstand erkannte früh die Bedeutung von Lernen als strategischem Erfolgsfaktor und initiierte den Aufbau eines gemeinsamen Fundaments, das den Wandel im gesamten Unternehmen tragen sollte.

Der dynamische Energiemarkt stellte zusätzlich neue Anforderungen an Wissen und Kompetenzen: Kenntnisse über Marktmechanismen, regulatorische Anforderungen und kundenorientierte Lösungen wurden zunehmend wichtiger. Zwar verfügten viele über tiefes Fachwissen, doch ein gemeinsames Verständnis über Märkte und Strategien fehlte. Dadurch blieb wertvolles Wissen fragmentiert, und Synergiepotenziale ungenutzt.

Die Herausforderung bestand also nicht nur darin, neues Wissen zu vermitteln, sondern es strategisch zu verankern, zugänglich zu machen und mit der Unternehmensstrategie zu verbinden. Gefragt war ein Lernansatz, der über Länder- und Funktionsgrenzen hinweg Orientierung bietet, strategisches Grundlagenwissen vermittelt und gleichzeitig die Selbstverantwortung der Lernenden stärkt. Eine zentrale Rolle kam dabei den Führungskräften zu: Sie sollten als Multiplikatoren wirken, den Wissenstransfer fördern und das neue Lernverständnis in ihren Teams verankern als Schlüsselfaktor einer Lernkultur, die den Kulturwandel langfristig trägt.

Projektverlauf

Aus den identifizierten Lernbedarfen entwickelte E.ON im Geschäftsbereich Customer Solutions das Lernprogramm CS Universe-ity: ein Bildungsangebot, das strategisches Wissen und kulturellen Wandel verbindet und die Grundlage für zukunftsfähiges Lernen im Konzern schaffen sollte. Der Projektstart erfolgte 2023/24 mit dem klaren Ziel, Lernen neu zu positionieren: weg von isolierten Trainingsformaten hin zu einem Lernökosystem.

Das Projekt verband Top-down-Strategie und Bottom-up-Lernen: Die Strategie gab die Richtung vor, die Zielgruppen entwickelten Inhalte und Formate mit. Dafür arbeitete E.ON in einem Co-Creation-Ansatz mit Vertreter:innen aus den Landesgesellschaften, Fachbereichen und HR-Teams eng zusammen. Ein zentrales Projektteam koordinierte das Vorhaben, förderte den Austausch und verband Strategie, HR und Landesgesellschaften.

Für die inhaltliche und technische Umsetzung arbeitete E.ON mit Scheer IMC zusammen. Das Unternehmen unterstützte den Aufbau der Lernarchitektur sowie die Entwicklung digitaler Lernformate, die den strategischen Zielen von Customer Solutions entsprechen.

Ziel war es, komplexe strategische Themen in ein verständliches, motivierendes Lernformat zu übersetzen. Parallel dazu startete eine interne Kommunikationskampagne, die den kulturellen Wandel sichtbar machte und Mitarbeitende europaweit für das neue Lernverständnis begeisterte. Unter dem programmatischen Namen „CS Universe-ity“ entstand so eine starke Identität, die Lernen als gemeinsames Erlebnis und verbindendes Element der Unternehmenskultur positionierte.

Die technische Umsetzung erfolgte über eine digitale Lernplattform, die modular aufgebaut und mehrsprachig zugänglich ist. Sie ermöglicht es, Lerninhalte flexibel zu kombinieren und individuelle Lernpfade zu gestalten. Neben E-Learnings und Videos nutzte E.ON interaktive Formate wie Live-Sessions und Communities of Practice, um Wissen europaweit zu teilen. Begleitende Evaluationen stellten sicher, dass Inhalte kontinuierlich verbessert und an die Bedürfnisse der Zielgruppen angepasst wurden.

Nach einer rund einjährigen Pilotphase in mehreren europäischen Ländern wurde das Programm schrittweise ausgerollt und fortlaufend weiterentwickelt. Regelmäßiges Feedback der Teilnehmenden floss direkt in die Optimierung ein, sodass das Angebot stetig wuchs und sich an neue strategische Anforderungen anpasste. Der Fokus blieb unverändert: Lernen als strategischen Hebel zu verstehen – ein Instrument, das Menschen befähigt, Transformation aktiv mitzugestalten und den Unternehmenserfolg langfristig zu sichern.

Abheben mit Wissen: Das Modul CS Retail Strategy steht sinnbildlich für den neuen Lernansatz: dynamisch, interaktiv und auf gemeinsames Verständnis ausgerichtet.

Projektergebnis

Der Ansatz der CS Universe-ity zeigte rasch Wirkung und veränderte nachhaltig, wie Lernen bei E.ON verstanden und gelebt wird. Das Interesse an der Verankerung von strategischem Wissen und relevanten Lerninhalten im Arbeitsalltag wurde von Mitarbeitenden aus verschiedenen Ländern und Geschäftsbereichen bestätigt.

Die Beteiligung erreichte dabei ein beeindruckendes Niveau. Auf der Lernplattform MyGenius sind rund 43.000 Mitarbeitende aktiv, darunter 12.000 aus der CS Universe-ity-Zielgruppe mit insgesamt 20.000 Mitarbeitenden in elf Ländern. Trotz freiwilliger Teilnahme verzeichnete das Programm eine außergewöhnlich hohe Beteiligung. Der Zielwert von 60 Prozent bis 2025 ist laut Reporting erreicht. Dies ist ein klarer Beleg für die Wirksamkeit.

Über 6.000 Lernende bewerteten das Programm mit durchschnittlich 4,2 von 5 Punkten – deutlich über dem Zielwert von 3,5. Besonders positiv hervorgehoben wurden die Praxisnähe der Inhalte, die Verständlichkeit komplexer Themen und die Möglichkeit, das Gelernte direkt in den Arbeitskontext zu übertragen. Neben den messbaren Erfolgen zeigte sich auch eine nachhaltige kulturelle Wirkung. Führungskräfte agieren inzwischen als Lernbotschafter:innen, fördern aktiv den Wissenstransfer und schaffen Freiräume für Lernzeit in ihren Teams. In mehreren Ländern entstanden Communities of Practice, die das Prinzip ‚Lernen im Dialog‘ lebendig halten

Das Management nutzt die Erkenntnisse, um Lernstrategien weiterzuentwickeln. In enger Zusammenarbeit mit Scheer IMC entstanden relevante Lerninhalte, welche die Basis für eine nachhaltige Lernkultur bilden.

Das Projektteam sieht darin einen entscheidenden Beitrag zum kulturellen Wandel: Mit der CS Universe-ity wurde Lernen als Teil des Arbeitsalltags verankert. Die Ergebnisse bilden die Basis für die Weiterentwicklung des Lernökosystems – ein Prozess, der Lernen fest in der Unternehmenskultur verankert. Damit hat E.ON Lernen als Motor für Zusammenarbeit, Transformation und nachhaltigen Unternehmenserfolg etabliert.

Fazit

Das Beispiel von E.ON zeigt, wie strategisches Lernen neu gedacht und nachhaltig verankert werden kann. Lernen wurde nicht als isoliertes HR-Thema, sondern als Teil der Unternehmensentwicklung verstanden, getragen von Führungskräften, dem Management und den Mitarbeitenden.

Besonders bemerkenswert ist die Nachhaltigkeit: E.ON hat ein Lernökosystem etabliert, das sich kontinuierlich weiterentwickelt und mit den Unternehmenszielen mitwächst. Die CS Universe-ity bildet damit nicht nur eine Plattform für Wissen, sondern zugleich ein Fundament für kulturellen Wandel – ein Raum, in dem Lernen zu einem selbstverständlichen Teil des Arbeitsalltags wird.

Das Projekt liefert Impulse für andere Organisationen: Transformation gelingt, wenn Lernen als gemeinschaftlicher Prozess verstanden wird, getragen von Offenheit, Dialog und Mut zur Veränderung. Dass die Mitarbeitenden dieses Lernverständnis aktiv mitgestalten, zählt zu den größten Erfolgen des Projekts. Wer Lernen strategisch steuert und kulturell verankert, schafft die Basis für eine Organisation, die sich dauerhaft selbst erneuern kann.

So zeigt die CS Universe-ity, dass eine lebendige Lernkultur nicht aus Strukturen entsteht, sondern aus gemeinsamem Engagement. Als Beispiel für nachhaltige Lernkultur in der Praxis würdigt die Jury das Projekt mit dem eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Learning Journey“ mit Schwerpunkt „Kundenservice“. Herzlichen Glückwunsch!


Keytakeaways

Ausgangssituation:

  • Lernangebote bei E.ON sind dezentral, uneinheitlich und strategisch nicht verknüpft.
  • Es fehlte ein gemeinsames Lernverständnis über Länder, Ebenen und Geschäftsbereiche hinweg.

Projektziel:

  • Aufbau eines konzernweiten Lernökosystems, das Strategie, Kultur und Menschen verbindet.
  • Verankerung von Lernen als strategischem Erfolgsfaktor und kultureller Bestandteil.

Umsetzung:

  • Entwicklung der CS Universe-ity mit Scheer IMC als Partner im Co-Creation-Ansatz.
  • Kombination aus strategischer Ausrichtung, digitaler Lernplattform (MyGenius) und internationaler Rollout.

Messung:

  • Über 6 000 Bewertungen mit Ø 4,2 / 5 Punkten und Beteiligungsquote nahe 60 %.
  • Führungskräfte agieren als Lernbotschafter:innen, Lernen fest in der Unternehmenskultur verankert.

Projektverantwortliche

E.ON SE
Tim Göbel
Product Owner
tim.goebel@eon.com
Brüsseler Platz 1
45131 Essen
www.eon.com

Scheer IMC
Michael Müskens
Head of Account Management
michael.mueskens@scheer-imc.de
Scheer Tower, Uni Campus Nord
66123 Saarbrücken
www.scheer-imc.com/de/