Mit Vollgas durchs Regelwerk
Wie SIXT Integrität auf die Lernspur bringt

Pflichttrainings haben selten einen guten Ruf. Zu trocken, zu vorhersehbar, zu weit weg vom Arbeitsalltag – besonders, wenn es um Compliance geht. Doch hinter diesem Thema steckt weit mehr als Paragrafen und Pflichten: Es geht um Haltung, Verantwortung und ums richtige Handeln in komplexen Situationen. Genau hier setzt dieses Lernprojekt an, das Compliance auf überraschend lebendige Weise vermittelt. Statt Vorschriften zu wiederholen, erfahren die Teilnehmenden bei SIXT, was Regeln im Alltag wirklich bedeuten und warum sie die Grundlage für integres Handeln bilden. Ein Ansatz, der zeigt, dass selbst die trockensten Themen Fahrt aufnehmen können, wenn man Lernen nicht neu erfindet, sondern neu erlebt.

Compliance bildet das Rückgrat verantwortungsvollen Handelns, vor allem in international agierenden Unternehmen. Ob Datenschutz, Korruptionsprävention oder Kartellrecht: Mitarbeitende stehen täglich vor Entscheidungen, bei denen rechtliche und ethische Prinzipien eng miteinander verwoben sind. Verstöße gegen Regeln gefährden nicht nur das Vertrauen von Kund:innen und Partnern, sondern können auch wirtschaftliche und juristische Folgen haben. In vielen Organisationen gelten Compliance-Schulungen dennoch als notwendige Pflicht – doch selten als inspirierende Lernerfahrung.

Was in vielen Unternehmen eine Herausforderung ist, zeigt sich auch bei SIXT. Als Anbieter von Premium-Mobilitätsdienstleistungen bewegt sich das Unternehmen in einem dynamischen, regulierten Umfeld. Entsprechend groß ist die Verantwortung, Regeln nicht nur zu kennen, sondern sie im Arbeitsalltag anzuwenden.

Das Ziel war es, E-Learnings zu entwickeln, die einer heterogenen Zielgruppe individuell Wissen vermitteln. Stationsmitarbeitende, die täglich Kund:innen betreuen, benötigen andere Schwerpunkte als Kolleg:innen aus dem Headquarter oder den internationalen Märkten. Pflichttrainings verlieren schnell an Wirkung, wenn sie als reine Wissensabfrage wahrgenommen werden. Vor diesem Hintergrund suchte SIXT nach einem Ansatz, der Compliance verständlich, relevant und praxisnah vermittelt und so die Motivation der Lernenden stärkt.

Lernbedarfe

Compliance mit Fahrgefühl: Durch Kombination aus visuellen Ankerpunkten und klarer Sprache wird komplexes Wissen zugänglich – und der Weg zur Integrität zum Lernerlebnis.

Compliance war bei der SIXT längst Teil des Arbeitsalltags. Nun sollten die Lernangebote noch passgenauer auf die vielfältigen Zielgruppen zugeschnitten werden: vom neuen Teammitglied in der Fahrzeugvermietung bis hin zu juristisch geschulten Fachkräften im Headquarter. Jede dieser Gruppen brachte eigene Vorerfahrungen, Arbeitsrealitäten und Lernbedürfnisse mit.

Für ein global agierendes Unternehmen bedeutet das: Ein einheitliches Schulungskonzept kann nur funktionieren, wenn es flexibel bleibt. Während Stationsmitarbeitende täglich im Kundenkontakt stehen und für reibungslose Abläufe sorgen, müssen Kolleg:innen im Headquarter Richtlinien zu Datenschutz, Korruptionsprävention oder Kartellrecht sicher anwenden. Damit verknüpfte SIXT das Projekt direkt mit der eigenen Lernstrategie: Lernen sollte nicht isoliert stattfinden, sondern als Teil einer kontinuierlichen Entwicklungskultur.

Hinzu kam eine didaktische Chance: Das neue Konzept sollte einen Schritt weitergehen und Lernende noch aktiver einbinden. Ziel war es, Compliance nicht nur zu vermitteln, sondern erlebbar zu machen – durch mehr Interaktion, stärkeren Praxisbezug und direkte Verknüpfung mit dem Arbeitsalltag. Die Lösung: realistische Szenarien, die die Lernenden unmittelbar in ihrem Arbeitsumfeld abholen und zum Mitdenken einladen.

Als international tätiges Unternehmen unterliegt SIXT unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen, Sprachanforderungen und kulturellen Gepflogenheiten. Das Training sollte daher nicht nur korrekt, sondern auch international anschlussfähig sein – mit dem Ziel, ein gemeinsames Verständnis von Compliance zu fördern, unabhängig von Land, Position oder Erfahrung. Der Roll-Out erfolgt in der ersten Phase zunächst nur in den von SIXT selbst betriebenen Ländern. Langfristig soll es Compliance nicht als Kontrollmechanismus, sondern als gelebten Teil der Unternehmenskultur verankern.

Projektverlauf

Von Beginn an verfolgten SIXT und der E-Learning-Anbieter youknow einen klaren Fahrplan: Das neue Lernformat sollte nicht nur Wissen vermitteln, sondern Verhalten prägen – für alle Mitarbeitenden gleichermaßen. Auf dieser Grundlage entstand ein strukturierter Projektplan, der Konzeptions-, Produktions- und Testphasen eng verzahnte. Innerhalb weniger Monate entwickelte sich aus der Idee ein vollständiges Trainingskonzept, das alle relevanten Zielgruppen einbezog.

Der Auftakt bildete die inhaltliche Rahmung. In ausführlichen Briefing-Terminen wurde festgelegt, welche Themen unverzichtbar sind, welche Risiken adressiert werden müssen und wie sich abstrakte Regelwerke in konkrete Alltagssituationen übersetzen lassen. Schon früh stand fest: Compliance sollte nicht belehren, sondern begleiten: mit einem didaktischen Konzept, das Lernende aktiv einbindet. Entsprechend entstanden zwei Varianten des Grundlagentrainings: ein Das Storyboard nahm Schritt für Schritt Gestalt an – mit interaktiven Elementen, Fallbeispielen und Quizformaten.

Zentral war die an die Autovermietung angelehnte „Fahrt“-Metapher als Leitmotiv: Sie machte den Lernprozess greifbar, indem die Teilnehmenden an verschiedenen Stationen Prinzipien von Compliance entdeckten und in Entscheidungssituationen anwenden konnten. Der Projektablauf war geprägt von enger Abstimmung, strukturierten Feedbackschleifen und regelmäßigen Reviews. Testphasen dienten der Qualitätssicherung und Akzeptanz: ein entscheidender Faktor für die internationale Skalierung. So konnte das Training frühzeitig in die Lernlandschaft integriert und von Führungskräften aktiv unterstützt werden.

Eine besondere Herausforderung lag darin, innerhalb der bestehenden E-Learning-Landschaft ein Format zu schaffen, das hervorsticht. Durch gezielte Aktivierungselemente, wie Talking-Head-Videos, Entscheidungsszenarien und Pausenstopper, wurde sichergestellt, dass Lernende nicht bloß durchklicken, sondern sich mit den Inhalten auseinandersetzen. Mit jedem Zwischenschritt wuchs im Projektteam das gemeinsame Verständnis dafür, wie Compliance lebendig vermittelt werden kann und die Begeisterung, ein spürbar anderes Lernerlebnis zu schaffen.

Projektergebnis

Entscheiden, nicht nur klicken: Videos, Quizformate und Entscheidungssituationen schaffen einen unmittelbaren Praxisbezug – Lernen wird zum aktiven Prozess, nicht zur reinen Wissensabfrage.

Nach Abschluss der Konzept- und Entwicklungsphasen folgten der technische Feinschliff sowie die Vorbereitung des internationalen Rollouts. Parallel wurden Übersetzungen erstellt und die technische Integration in die Lernplattform umgesetzt. Damit war die Grundlage gelegt für ein Format, das Pflichtinhalte kompakt, praxisnah und international anschlussfähig vermittelt.

Entstanden ist ein szenariobasiertes E-Learning, das zentrale Compliance-Themen ebenso wie stationsnahe Fragestellungen (u. a. Verkehrssicherheit und Führerscheinkontrolle) abdeckt. Als roter Faden dient die „Fahrt“-Metapher: An Lernstationen wie „Blitzer“, „Fahrschule“ oder „Navi“ bearbeiten die Teilnehmenden typische Entscheidungssituationen aus ihrem Arbeitsalltag und übertragen Regeln auf konkretes Handeln. Orientierung geben dabei die ROAD-Prinzipien (Right, Open, Accountable, Decision-Ready), die wie ein Navigationssystem durch das Training führen. Mit dem ausdruckbaren ROAD-Würfel bleiben sie auch nach dem Modul als Entscheidungshilfe präsent. So bleibt Compliance nicht auf den Kurs begrenzt, sondern wird als konkrete Orientierung für tägliche Entscheidungen verankert.

Statt einer Einheitslösung wurden zwei Varianten des Grundlagentrainings umgesetzt: ein ppenspezifischen Schwerpunkten. Mit rund 30 Minuten Lernzeit ist das Format bewusst kurz gehalten; „Stopper“ wie personalisierte Talking-Head-Videos, interaktive Quizzes und Entscheidungsszenarien fördern aktive Auseinandersetzung statt passivem Durchklicken. Gleichzeitig bleiben kurze Durchlaufwege erhalten – die Balance aus Effizienz und Aktivierung ist gezielt auf hohe Akzeptanz ausgelegt.

Der Rollout startet in Deutschland und wird anschließend schrittweise international ausgedehnt; Sprachadaptionen (Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch) sind vorbereitet. Die Wirkung wird nach Abschluss des Rollouts über Teilnahme- und Abschlussquoten im LMS sowie regelmäßige Aktualitätschecks der Inhalte ausgewertet und weiterentwickelt. Das Konzept ist zudem so angelegt, dass es als Blaupause für weitere Pflichttrainings genutzt werden kann.

Fazit

Das Lernformat dient inzwischen als Blaupause für weitere Programme im Bereich Integrität und Unternehmenskultur. Regelmäßige Aktualisierungen stellen sicher, dass rechtliche Entwicklungen und neue Erfahrungen kontinuierlich einfließen; so bleibt das Angebot dauerhaft relevant. Damit stärkt SIXT nicht nur regelkonformes Handeln, sondern auch eine Kultur, in der Verantwortungsbewusstsein selbstverständlich gelebt wird.

Der Erfolg zeigt, wie wirkungsvoll ein Lernansatz sein kann, der Wissen, Haltung und Motivation gleichermaßen adressiert. Für L&D-Verantwortliche verdeutlicht das Projekt, wie selbst regulatorische Themen durch klare Didaktik und kreative Gestaltung zu motivierenden Lernerlebnissen werden können. Damit liefert SIXT ein Beispiel, das zeigt, wie auch andere Unternehmen komplexe Pflichtthemen in nachhaltige Lernprozesse überführen können.

Langfristig hat das Projekt mehr erreicht als die Einführung eines neuen Trainings: Es hat Bewusstsein geschaffen, das über den Kurs hinaus in den Arbeitsalltag hineinwirkt. Lernende verstehen warum Regeln existieren und tragen dieses Verständnis in ihre Teams weiter. So wird Compliance als Teil einer kontinuierlichen Learning Journey verstanden – nicht als Pflicht, sondern als Haltung.

SIXT zeigt damit, wie Lernen und Unternehmenskultur einander stärken können: Integrität wird nicht als Einschränkung gesehen, sondern als Ausdruck gelebter Verantwortung. Ein gelungenes Beispiel dafür, dass eine Learning Journey nicht mit dem letzten Klick endet, sondern dort beginnt, wo Lernen ins Handeln übergeht. Das Projekt zeigt auf prägnante Weise, wie sich Pflichtinhalte in inspirierende Lernerfahrungen verwandeln lassen, für den die Jury den eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Learning Journey“ mit dem Schwerpunkt „Compliance“ vergibt. Herzlichen Glückwunsch!


Keytakeaways

Ausgangssituation:

  • Pflichttrainings zu Compliance waren zu abstrakt und wenig praxisnah.
  • Unterschiedliche Zielgruppen wurden mit bestehenden Formaten nicht wirksam erreicht.

Projektziel:

  • Compliance verständlich, relevant und verhaltensorientiert vermitteln.
  • Ein gemeinsames Verständnis von Integrität im globalen Kontext fördern.

Umsetzung:

  • Entwicklung eines interaktiven, szenariobasierten Lernformats mit „Fahrt“-Metapher.
  • Zielgruppenspezifische Module und enge Abstimmung zwischen SIXT und youknow.

Messung:

  • Deutlich höhere Abschlussquoten und aktive Lernzeiten im LMS.
  • Positives Feedback aus internationalen Märkten zur Relevanz, kulturellen Passung und nachhaltige Wirkung.

Projektverantwortliche

SIXT SE
Dr. Ferdinand Oelschlegel
Chief Compliance Officer / Deputy Head of Legal
Zugspitzstr. 1
82049 Pullach
www.about.sixt.com

youknow GmbH
Daniela Hellwig
Projektleiterin
daniela.hellwig@you-know.de
St.-Martin-Str. 57
81669 München
www.you-know.de