Wo Hightech Wissen neu formt
Wie Fachkräfte weltweit mit digitalem Wissen Bewegung gestalten
Mit der Einführung eines neuen digitalen Systems zur Steuerung und zum Training von Armprothesen stand Ottobock vor einer doppelten Herausforderung: Fachkräfte weltweit sollten die neue Technologie verstehen und sicher in die Praxis übertragen können. Mit myosmart entstand dafür ein eLearning-Projekt, das Wissen global, konsistent und transferorientiert vermittelt, und zeigt, wie digitales Lernen in einem hochspezialisierten Umfeld neue Maßstäbe setzt, in dem Präzision, Vertrauen und patientenorientiertes Handeln untrennbar miteinander verbunden sind.
Ottobock entwickelte mit myosmart ein appbasiertes System für Steuerung und Training von Armprothesen. Es verbindet myoelektrische Technologie mit digitalen Trainingsfunktionen und eröffnet neue Möglichkeiten in der Rehabilitation. Damit verband sich ein technologischer und didaktischer Anspruch: Die neue Prothesengeneration erforderte eine neue Form der Wissensvermittlung.
Mit der Markteinführung entstand die Notwendigkeit, Fachkräfte weltweit schnell und konsistent vorzubereiten. Für den globalen Einsatz müssen Orthopädietechniker:innen und Therapeut:innen das System sicher verstehen und vermitteln. Die Integration digitaler Trainingsprozesse stellte eine neue Aufgabe dar, die technisches Wissen, praktische Erfahrung und didaktisches Verständnis erforderte.
Als globales Medizintechnikunternehmen musste Ottobock ein Lernangebot entwickeln, das regionale Voraussetzungen berücksichtigt und einheitliche Standards wahrt. Bisherige Schulungen setzten auf Präsenz und regionale Inhalte, was bei internationalen Produkteinführungen an Grenzen stieß. Unterschiedliche Konzepte und Übersetzungen erschwerten eine einheitliche Wissensvermittlung. Die Einführung von myosmart zeigte, dass Lernprozesse effizienter und skalierbarer sein müssen.
Lernbedarfe

Die Einführung des Systems stellte Ottobock vor die Aufgabe, komplexe technische Inhalte so aufzubereiten, dass sie weltweit verständlich und realitätsnah vermittelt werden können. Das Spannungsfeld bestand darin, technische Themen so zu gestalten, dass sie auch ohne Vorerfahrung nachvollziehbar bleiben. Neben Fachwissen war ein didaktisches Konzept gefragt, das Inhalte zugänglich, praxisnah und anwendungsorientiert vermittelt.
Innerhalb der Zielgruppen zeigte sich eine große Bandbreite an Vorkenntnissen. Erfahrene Fachkräfte arbeiteten bereits mit myoelektrischen Prothesen, Neueinsteiger:innen brauchten zunächst ein Grundverständnis der Systemfunktionsweise. Das Lernangebot musste Einsteiger:innen und erfahrene Anwender:innen gleichermaßen erreichen. Darüber hinaus galt es, auch interne Zielgruppen wie Trainer:innen, den Technischen Außendienst und Auszubildende in das neue Lernkonzept einzubeziehen.
Neben den unterschiedlichen Erfahrungsniveaus spielte auch die internationale Dimension eine Rolle. Unterschiedliche Lerngewohnheiten, Sprachniveaus und kulturelle Kontexte machten es notwendig, Inhalte so zu gestalten, dass sie global anschlussfähig und gleichzeitig lokal relevant blieben. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie ein einheitliches Wissensniveau entsteht, ohne regionale Unterschiede zu vernachlässigen.
Herausforderung war, Lernen in den Arbeitsalltag zu integrieren. Bei innovativen Produkten ist es keine Option, auf den nächsten Präsenztermin zu warten – insbesondere bei globalen Rollouts wäre das zu langsam, zu mühsam und zu ressourcenintensiv. Benötigt wurde daher ein Schulungsformat, das orts- und zeitunabhängig funktioniert, sich effizient skalieren lässt und sowohl Einsteigende als auch fortgeschrittene Anwendende abholt. Gleichzeitig sollte das Training nicht nur einmalig Wissen vermitteln, sondern als jederzeit verfügbares Nachschlagewerk im „Moment of Need“ dienen und so die Basis für ein nachhaltiges, wirksames Schulungskonzept schaffen.
Projektverlauf
Um das Lernprojekt erfolgreich umzusetzen, arbeitete Ottobock eng mit Fachexpert:innen aus Amerika, Deutschland und Österreich, dem Online Learning Team und dem externen Partner HI Factory aus Deutschland zusammen. Die Kombination aus fachlicher, didaktischer und technischer Expertise bildete die Grundlage für einen hochwertigen, arbeitsplatzorientierten Kurs.
Das Projekt begann mit einer detaillierten Bedarfsanalyse, in der die Anforderungen der Zielgruppen, regionale Marktbedingungen und technische Besonderheiten erfasst wurden. Sie legte die Ausrichtung fest und stimmte die Inhalte auf die Praxisbedürfnisse ab. Auf dieser Basis entstand ein inhaltliches Grundgerüst, das die Struktur und thematische Gliederung des eLearnings vorgab. Anschließend begann die Modulentwicklung in aufeinanderfolgenden Schritten.
Die Umsetzung folgte einem agilen Vorgehensmodell: In regelmäßigen Sprints wurden Inhalte konzipiert, visualisiert und fortlaufend überprüft. Jede Einheit durchlief dabei einen mehrstufigen Reviewprozess, in dem Fachexpert:innen aus unterschiedlichen Märkten Feedback gaben. Diese iterative Arbeitsweise sorgte dafür, dass das Lernangebot fachlich präzise, lerndidaktisch durchdacht und transferorientiert blieb. Aufgrund der Größe des Projektteams und der unterschiedlichen Zeitzonen musste ein Weg gefunden werden, um mit der Vielzahl an Kommentaren und dem zeitlichen Versatz konstruktiv umzugehen. Timeboxing für Feedback sowie klare Feedbackmarker erwiesen sich dabei als essenziell, um eine verlässliche Struktur und zügiges Vorankommen in den Abstimmungscalls zu gewährleisten.
Ein Meilenstein war die Pilotphase mit einer ausgewählten Gruppe von Fachkräften. Ihr Feedback floss unmittelbar in die Überarbeitung der Module ein, von sprachlichen Präzisierungen über die Anpassung der Navigationsstruktur bis hin zur Optimierung von Übungen und Medien. Im Projektverlauf entstand ein eingespieltes Team, das über Ländergrenzen hinweg effizient zusammenarbeitete und ein gemeinsames Qualitätsverständnis entwickelte.
Die internationale Zusammenarbeit brachte besondere Anforderungen mit sich. Unterschiedliche Zeitzonen, Arbeitsweisen und Qualitätsstandards verlangten klare Kommunikation und flexible Planung. Projektcalls, Dokumentation und digitale Reviewtools halfen, Abstimmungen effizient zu gestalten und Rückmeldungen gezielt umzusetzen. Eine kleinere, fokussierte Kernteamstruktur beschleunigte die Prozesse und erhöhte die Qualität der Ergebnisse.
Zur Vorbereitung der Übersetzungen und zur Vereinheitlichung der Texte kamen erstmals KI-gestützte Funktionen des Autorentools zum Einsatz. Sie unterstützten das Team bei der Terminologieprüfung und erleichterten die Mehrsprachigkeit des Kurses, erforderten jedoch zusätzliche Qualitätssicherung. Die Erprobung dieser neuen Technologie lieferte zudem wertvolle Erkenntnisse darüber, wie sich digitale Tools künftig in globale Lernprozesse integrieren lassen.
Die Kombination aus agiler Arbeitsweise, internationaler Zusammenarbeit und technologischem Einsatz prägte den Projektverlauf und legte das Fundament für die nächsten Entwicklungsschritte.
Projektergebnis

Das Ergebnis ist ein modular aufgebautes eLearning-Angebot, das Fachkräften weltweit den sicheren Umgang mit myosmart vermittelt. Der Kurs verbindet technische Grundlagen mit praxisorientierten Trainingsinhalten und überführt Theorie in die Praxis. Der Fokus liegt auf der myoelektrischen Steuerung, der Signalverarbeitung und der patientenorientierten Nutzung des Systems.
Über das unternehmenseigene Learning Management System steht der Kurs global orts- und zeitunabhängig zur Verfügung. Die Pilotphase bestätigte den hohen Praxisbezug. Nutzer:innen bewerteten die Qualität und Verständlichkeit der Lerninhalte mit durchschnittlich 8,95 von 9 Punkten. 95 % der Teilnehmenden gaben an, den Kurs weiterzuempfehlen. Die internationale Akzeptanz zeigte sich in der regional gemischten Befragung.
Besonders positiv hervorgehoben wurden die klare Struktur, anschauliche Visualisierungen und transferorientierte Übungsaufgaben. Ein mehrstufiges Qualitätssicherungsverfahren garantierte die didaktische Qualität der Inhalte. Die Rückmeldungen flossen in die finale Version des Kurses ein und verbesserten die Lernmodule langfristig.
Ziel war, ein einheitliches Wissensniveau über Länder- und Sprachgrenzen hinweg zu schaffen. Dieses Ziel wurde erreicht: Durch die enge Abstimmung mit internationalen Märkten steht das Training in mehreren Sprachen zur Verfügung und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Zudem stärkte das Projekt die Selbstlernkompetenz der Teilnehmenden, da Inhalte wiederholt und Trainings individuell vertieft werden können. Die hohe Akzeptanz zeigt, dass das digitale Lernformat den Praxistransfer unterstützt und Lernen als festen Bestandteil des Arbeitsalltags etabliert.
Das Projekt lieferte wertvolle Erkenntnisse für die Gestaltung zukünftiger Schulungen. Die eingesetzten Methoden und Tools bewährten sich im Arbeitsprozess und werden in weiteren Projekten genutzt, um internationale Lernprozesse noch effizienter zu gestalten.
Fazit
Das Projekt zu myosmart zeigt, wie digitale Lernformate technologische Innovationen in der Medizintechnik langfristig unterstützen können. Die Kombination aus fachlicher Präzision, didaktischer Qualität und globaler Skalierbarkeit ermöglichte ein Lernerlebnis, das über reine Wissensvermittlung hinausgeht. Das Training ist konsequent praxisnah, vermittelt Verständnis und stärkt das Vertrauen in die neue Technologie – entscheidend für die Patientenversorgung.
Zudem wirkt das Projekt weit über das initiale Lernziel hinaus. Die im Verlauf etablierten Strukturen, von der agilen Entwicklung über das Reviewverfahren bis hin zur Qualitätssicherung, haben die digitale Lernkultur im Unternehmen dauerhaft geprägt und bilden heute die Basis für weitere Trainingsinitiativen bei Ottobock. myosmart steht exemplarisch für eine Lernkultur, die Innovation und Weiterbildung verbindet.
Modularer Aufbau, ortsunabhängige Zugänglichkeit und kontinuierliche Erweiterung gewährleisten die dauerhafte Relevanz des Trainings. So hilft das Projekt, Wissen langfristig zu sichern und Lernprozesse effizient zu gestalten. Für die erfolgreiche Umsetzung eines globalen eLearning-Konzepts mit nachhaltiger Wirkung erhält Ottobock den eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Künstliche Intelligenz“ mit dem Schwerpunkt „Medizintechnische Produktschulung“. Herzlichen Glückwunsch!
Keytakeaways
Ausgangssituation:
- Einführung von myosmart erforderte weltweit einheitliche Schulung von Fachkräften.
Projektziel:
- Aufbau eines skalierbaren, praxisnahen und global konsistenten Lernformats.
- Sicherstellung eines einheitlichen Qualitäts- und Wissensniveaus über Ländergrenzen hinweg.
Umsetzung:
- Agile Entwicklung eines modularen eLearnings mit internationalen Fachexpert:innen und HI Factory.
- Nutzung KI-gestützter Tools für Übersetzung, Terminologieprüfung und Qualitätssicherung.
Messung:
- Nutzerbewertung: 8,95 von 9 Punkten und 95 % Weiterempfehlungsrate weltweit.
- Positive Rückmeldungen zu Praxisnähe, Verständlichkeit und nachhaltigem Lernerfolg.
Projektverantwortliche
Ottobock Healthcare Products GmbH
Katrin Riemann
Team coordination online learning | Academy Services & Online Learning
katrin.riemann@ottobock.com
Brehmstraße 16
1110 Wien, Österreich
www.ottobock.com
HI Factory eGbR
Patrick Walther
Geschäftsführung
patrick@hi-factory.de
Halbergstraße 4
66121 Saarbrücken
www.hi-factory.de




