Einheit schaffen, Vielfalt erhalten
Von Wissensinseln zu einem lernenden Netzwerk
Wenn Lerninhalte über Jahre hinweg in verschiedenen Regionen, Formaten und Plattformen entstehen, fehlt oft der rote Faden: Wissen ist vorhanden, aber kaum greifbar. Das eLearning-Projekt „Lernen neu gedacht mit Workflow Learning“ von Fresenius Kabi in Zusammenarbeit mit der Know How! AG schließt genau diese Lücke. Es verbindet bestehende Materialien aus der globalen Organisation zu einer einheitlichen, rollenbasierten Lernarchitektur und macht sie weltweit zugänglich. Durch klare Strukturen, abgestimmte Terminologien und den direkten Bezug zum Arbeitskontext entsteht ein System, das Lernen im Arbeitsfluss ermöglicht und regionale Besonderheiten integriert. So wird aus verstreutem Wissen eine verlässliche Grundlage für wirksames, global konsistentes Lernen und bedarfsgerechte Unterstützung im Arbeitsfluss.
Die Digitalisierung von Lern- und Entwicklungsprozessen hat eine neue Reife erreicht. Unternehmen müssen Wissen heute nicht nur bereitstellen, sondern gezielt in den Arbeitsfluss ihrer Mitarbeitenden einbetten. Der klassische Schulungsraum mit festen Lernzeiten weicht flexiblen, kontextbezogenen Formaten. Lernende erwarten Informationen genau dann, wenn sie diese im Arbeitsalltag brauchen: kurz, präzise, auf ihre Rolle zugeschnitten und je nach Bedarf skalierbar.
Gleichzeitig stehen L&D-Abteilungen vor strukturellen Herausforderungen: Inhalte stammen aus unterschiedlichen Quellen, sind heterogen und schwer auffindbar. Viele Lernplattformen speichern Wissen, integrieren es aber kaum in reale Arbeitsprozesse. Führungskräfte fordern daher zunehmend messbare Ergebnisse, wie etwa kürzere Einarbeitungszeiten, höhere Produktivität oder bessere Kundenerlebnisse.
Vor diesem Hintergrund gewinnt Workflow Learning an Bedeutung: Lernen wird nicht als separate Aktivität verstanden, sondern als Teil der Arbeit. Ziel ist es, Wissen genau dort zu vermitteln, wo es gebraucht wird – rollenbasiert, fundiert und praxisnah. Damit verschmelzen Lernen und Performance Support zu einem verzahnten Informationsangebot.
Das Projekt „Lernen neu gedacht mit Workflow Learning“ entstand in Kooperation zwischen der Fresenius Kabi Deutschland GmbH und der Know How! AG. Fresenius Kabi ist ein international tätiges Gesundheitsunternehmen mit Sitz in Bad Homburg, das sich auf klinische Ernährung, Arzneimittel und Medizintechnik spezialisiert hat. Die Know How! AG wiederum zählt zu den führenden Anbietern für digitale Lernlösungen und ist Teil der Carl Remigius Fresenius Education Group. Gemeinsam zeigen sie, wie Lernangebote strategisch in den Arbeitskontext integriert werden können, ohne bestehende Systeme zu überfrachten. Der Anspruch ist, Lernen effizienter, individueller und messbar wirksamer zu gestalten.
Lernbedarfe

Die Ausgangsanalyse zeigte deutlich, dass Lernmaterialien und Informationen bisher über die zentrale globale Organisation an die Regionen verteilt wurden, jedoch fragmentiert über verschiedene Kanäle, Plattformen und Formate. Unterschiedliche Zugänge, Nutzergruppen und Verantwortlichkeiten führten dazu, dass Inhalte zwar vorhanden, aber weder konsistent noch systematisch auffindbar waren.
Diese Zersplitterung erschwerte den Wissensaustausch erheblich. Mitarbeitende griffen aufgrund der dezentralisierten Organisation auf unterschiedliche Quellen zurück, wodurch Inhalte mehrfach erstellt, uneinheitlich gepflegt und nur begrenzt wiederverwendet werden konnten. Die Folge war ein wachsender Pflegeaufwand bei gleichzeitig sinkender Transparenz darüber, welche Lernressourcen aktuell und wirksam waren.
Während einige Regionen bereits gut ausgebaute Plattformen nutzten, verfügten andere lediglich über verstreute Einzellösungen oder lokale Initiativen. Dadurch entstand eine Lernlandschaft, die inhaltlich und technisch kaum vergleichbar war und keine übergreifende Steuerung zuließ.
Daraus ergab sich ein klarer Handlungsbedarf für ein ganzheitliches digitales Lern- und Performance Support-Konzept, das bestehende Ressourcen zentral erfasst, strukturiert und für alle Regionen zugänglich macht. Ziel war es, globale Inhalte und lokale Bedürfnisse in Einklang zu bringen und eine nachhaltige Grundlage für ein weltweit konsistentes Lernökosystem zu etablieren, welches fachspezifische Lern- und Informationsinhalte anbietet, die nicht im globalen Lernmanagementsystem zentral zur Verfügung und nachverfolgt werden. So sollte die Lücke zwischen verpflichtendem Lernen und Performance Support geschlossen werden.
Projektverlauf
Nach der Analysephase begann das Projekt mit dem Ziel, vorhandene Lern- und Informationsinhalte zu bündeln, zu strukturieren und weltweit über eine einheitliche Systematik zugänglich zu machen. Grundlage war ein globales Rollenkonzept, das Inhalte klar mit Aufgaben und Verantwortlichkeiten verknüpft und so eine gezielte, konsistente und bedarfsgerechte Bereitstellung ermöglicht.
Ein zentraler Erfolgsfaktor war die enge Zusammenarbeit zwischen der globalen Organisation und den regionalen L&D-Verantwortlichen. In Workshops und Abstimmungen wurden Anforderungen, Terminologien und Prioritäten definiert. Während die globale Steuerung für Governance und technische Integration sorgte, brachten die Regionen ihre inhaltlichen Erfahrungen und kulturellen Perspektiven ein. So entstand eine Struktur, die international anschlussfähig blieb und zugleich lokale Besonderheiten berücksichtigte.
Besonderes Augenmerk lag auf der Harmonisierung von Begrifflichkeiten, Prozessen und Themenclustern, um eine gemeinsame Informationsbasis zu schaffen. Klare Metadaten- und Filterstrukturen verbesserten die Auffindbarkeit und Pflege der Inhalte und förderten ein gemeinsames Verständnis darüber, wie Wissen organisationsweit vermittelt wird.
Die neue Lernarchitektur wurde anschließend in ausgewählten Regionen pilotiert. Dabei standen Nutzerfreundlichkeit, Navigation und Relevanz der Inhalte im Fokus. Das Feedback der Teilnehmenden wurde ausgewertet und floss direkt in die Anpassungen der Struktur, Sprache und Ausspielungslogik ein. So entstand ein praxisnahes, skalierbares System, das den globalen Standard definiert und zugleich Raum für regionale Anpassungen lässt.
Auf organisatorischer Ebene führte das Projekt zu mehr Transparenz in Verwaltung und Pflege. Die globale Organisation gewährleistet Steuerung und Qualität. Damit entstand eine belastbare Grundlage für die schrittweise Integration weiterer Inhalte und Rollen – ein nachhaltiger Baustein für die Weiterentwicklung des globalen Lernökosystems.
Projektergebnis

Nach Abschluss der Pilotphase bestätigten die Ergebnisse den Erfolg des neuen eLearning-Konzepts. Die beteiligten Regionen berichteten von einer deutlich verbesserten Auffindbarkeit und Zugänglichkeit der Lerninhalte. Durch die einheitliche Struktur und die rollenbasierte Zuordnung konnten Lernende schneller auf relevante Informationen zugreifen und diese gezielt in ihrem Arbeitskontext anwenden. Besonders positiv hervorgehoben wurde die klare Navigation, die logische Strukturierung der Themen sowie die Möglichkeit, Inhalte flexibel zu aktualisieren und zu erweitern.
Das Feedback der Nutzenden aus den Pilotregionen zeigte, dass die neue Lernarchitektur intuitiv bedienbar ist und den Arbeitsalltag erleichtert. Das Feedback der Teilnehmenden wurde systematisch ausgewertet und floss direkt in die Optimierung der Struktur, Sprache und Benutzerführung ein. Dadurch entstand ein Format, das die Bedürfnisse der Lernenden noch besser abbildet und sich nahtlos in den Arbeitsalltag integrieren lässt. Diese kontinuierliche Verbesserung stärkte Akzeptanz und Vertrauen in die Relevanz der bereitgestellten Lernressourcen.
Auch auf organisatorischer Ebene brachte das Projekt messbare Fortschritte. Der Aufwand für die Pflege und Aktualisierung von Lerninhalten konnte erheblich reduziert werden, da Redundanzen vermieden und Verantwortlichkeiten klar definiert wurden. Die globale Organisation profitiert nun von einer höheren Transparenz über verfügbare Lernressourcen, während die Regionen mehr Eigenständigkeit in der inhaltlichen Gestaltung gewonnen haben.
Darüber hinaus kann die konsolidierte Datenstruktur erstmals mithilfe von Umfragen eine systematische Auswertung der Nutzung und Wirksamkeit von Lerninhalten ermöglichen. Damit besteht die Möglichkeit der L&D-Steuerung Kennzahlen zur Verfügung zu stellen, um künftige Entwicklungen gezielt auszurichten und den Beitrag des Lernens zur Unternehmensleistung nachvollziehbar zu machen.
Das Projekt hat gezeigt, wie eine enge Verzahnung von globaler Governance und regionaler Verantwortung ein nachhaltiges Lern- und Informationsökosystem schaffen kann. Es bildet damit den Ausgangspunkt für den weiteren Ausbau von rollenbasierten Lernpfaden und die Integration zusätzlicher Themenbereiche in die globale Lernarchitektur.
Fazit
Das Projekt „Lernen neu gedacht mit Workflow Learning“ zeigt eindrucksvoll, wie Lernen und Performance Support als integraler Bestandteil des Arbeitsalltags gestaltet werden kann. Durch die systematische Konsolidierung bestehender Inhalte, die enge Abstimmung zwischen globaler Steuerung und regionaler Umsetzung sowie den konsequenten Fokus auf Rollen, Aufgaben und Relevanz entstand eine Architektur, die Wissen dort verfügbar macht, wo es gebraucht wird.
Besonders hervorzuheben ist der methodische Ansatz, der technologische, organisatorische und didaktische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Statt ein neues System zu schaffen, nutzte das Projekt bestehende Strukturen und führte sie zu einem konsistenten, skalierbaren Ganzen zusammen. Dieses Vorgehen ermöglichte eine effiziente Nutzung vorhandener Ressourcen und legte den Grundstein für eine nachhaltige Lern- und Performance-Strategie mit messbarem Mehrwert.
Das Zusammenspiel aus Governance, regionaler Verantwortung und kontinuierlichem Feedback hat eine neue Qualität der Zusammenarbeit in der Lernorganisation geschaffen. Lernen wird nicht länger als einmalige Maßnahme verstanden, sondern als fortlaufender Prozess, der sich an den tatsächlichen Anforderungen der Mitarbeitenden orientiert.
Für L&D-Manager:innen liefert das Projekt wertvolle Erkenntnisse darüber, wie globale Lerninitiativen erfolgreich umgesetzt werden können: durch klare Strukturen, partizipative Entwicklung und die konsequente Ausrichtung auf den Arbeitskontext.
Vor dem Hintergrund des Ansatzes, Lernen in bestehende Arbeitsprozesse zu integrieren und nachhaltig global zu verankern, freut sich die Jury, das Projekt „Lernen neu gedacht mit Workflow Learning“ mit dem eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Kompetenzentwicklung“ mit dem Schwerpunkt „Workflow Learning“ auszuzeichnen. Herzlichen Glückwunsch!
Keytakeaways
Ausgangssituation:
- Lerninhalte waren über verschiedene Kanäle verteilt, uneinheitlich gepflegt und schwer auffindbar.
- Regionale Unterschiede führten zu Redundanzen und inkonsistenten Lernangeboten.
Projektziel:
- Aufbau einer global einheitlichen Lernarchitektur auf Basis eines Rollenkonzepts.
- Sicherstellung von Struktur, Konsistenz und Relevanz im Lernprozess.
Umsetzung:
- Enge Abstimmung zwischen globaler Organisation und regionalen L&D-Teams.
- Pilotierung in ausgewählten Regionen mit gezielter Optimierung durch Nutzerfeedback.
Messung:
- Evaluation über Feedback, Zugriffszahlen und qualitative Rückmeldungen.
- Nachweislich bessere Auffindbarkeit, Akzeptanz und Pflegeeffizienz.
Projektverantwortliche

Fresenius Kabi Deutschland GmbH
Anje Meertens
Senior Education Training Manager
anje.meertens@fresenius-kabi.com
Else-Kröner-Str. 1
61352 Homburg
www.fresenius-kabi.com

Know How! AG
Nadine Westgate
Workflow Learning Expert
nadine.westgate@knowhow.de
Magellanstraße 1
70771 Leinfelden-Echterdingen
www.knowhow.de




