Wo Führung zuhört
Zwischen Kompass und Kontakt: vertrauensvolle Führung
Zwischen Fachkräftemangel, neuen Lerngewohnheiten und veränderten Werten stehen Ausbilder:innen heute mehr denn je im Fokus. Sie sollen motivieren, Orientierung geben und junge Menschen in einer Arbeitswelt begleiten, die sich rasant verändert. Doch wie gelingt das in einer Branche, in der Vertrauen und Verlässlichkeit zählen? Gemeinsam mit der LeWe GmbH hat die DEVK ein Trainingsprogramm im Blended-Learning-Format entwickelt, das über Fachwissen hinausgeht und Haltung, Werte und persönliche Entwicklung in den Mittelpunkt stellt: ein Lernraum, in dem Ausbildung zur gemeinsamen Erfahrung wird.
Die duale Berufsausbildung ist Fundament der deutschen Wirtschaft – steht aber unter Druck. Fachkräftemangel, sinkende Bewerberzahlen und neue Erwartungen an Arbeit und Bildung verändern Betriebe und Lernorte. Die junge Generation wünscht sich Mitgestaltung, Feedback und Raum zur Entwicklung.
In vielen Betrieben spüren Ausbilder:innen diesen Wandel unmittelbar. Sie sollen Orientierung geben, Sicherheit vermitteln und zugleich offen für neue Lernformen und Wertevorstellungen bleiben – eine anspruchsvolle Balance, die viel Fingerspitzengefühl erfordert. Denn Ausbildung bedeutet längst mehr, als Wissen zu vermitteln: Sie ist ein zentraler Ort erlebbarer Unternehmenskultur.
Gerade in Branchen, die auf Vertrauen und langfristige Beziehungen bauen, entscheidet das Engagement der Ausbilder:innen oft darüber, ob Nachwuchskräfte bleiben und wachsen. Auch die Versicherungswirtschaft steht vor besonderen Herausforderungen: Sie muss junge Talente gewinnen, sie an ein komplexes Berufsfeld heranführen und eine moderne Ausbildungskultur fördern.
Vor diesem Hintergrund entwickelt die DEVK ihre Qualifizierungsangebote stetig weiter. Gemeinsam mit erfahrenen Partnern entstand die Idee, die Rolle der Ausbilder:innen neu zu denken und sie auf die Anforderungen einer sich wandelnden Lernkultur vorzubereiten. Daraus ergab sich die klare Frage: Welche Kompetenzen, Haltungen und Werkzeuge brauchen diejenigen, die junge Menschen heute durch ihre Ausbildung begleiten?
Lernbedarfe

Schnell wurde deutlich, dass die Anforderungen in den vergangenen Jahren spürbar gewachsen sind und mit ihnen die Komplexität der Aufgaben. Ausbilder:innen tragen heute Verantwortung weit über das klassische Verständnis hinaus: Sie fördern Selbstorganisation, begleiten Lernprozesse, moderieren Konflikte und gestalten Lernumgebungen zur Entfaltung. Diese Rolle ist anspruchsvoll, und sie verlangt mehr als Routine.
Um den tatsächlichen Qualifizierungsbedarf sichtbar zu machen, wertete die DEVK Rückmeldungen aus internen Gesprächen, Schulungen und Feedbackrunden aus. Dabei zeigte sich ein klares Muster: Viele Ausbilder:innen bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen wachsenden Erwartungen, steigendem Tempo und neuen Lernformaten. Während die fachliche Kompetenz meist hoch ist, fehlen häufig Strukturen und Methoden, um individuelle Lernbedürfnisse zu erkennen und gezielt darauf zu reagieren.
Gleichzeitig verändern sich die Ansprüche junger Menschen an Lernen und Führung. Die Generation Z sucht Sinn, Mitgestaltung und Feedback auf Augenhöhe. Sie will nicht nur wissen, sondern verstehen, warum etwas Bedeutung hat. Viele Ausbilder:innen wünschten sich, ihr Selbstverständnis zu schärfen und sich stärker als Lernbegleiter:innen statt als reine Fachvorgesetzte zu verstehen.
Auch frühere Schulungskonzepte haben den Wandel der Ausbildungswelt bereits aufgegriffen und wichtige Impulse gesetzt. Gleichzeitig wurde in der DEVK erkennbar, dass sich die Anforderungen an Ausbildung stetig weiterentwickeln – insbesondere, wenn es um die Reflexion der eigenen Haltung und die Anforderungen der zukünftigen Arbeitswelt geht. Modern gedachte Ausbildung bedeutet heute, Ausbilder:innen nicht nur fachlich und methodisch, sondern ebenso persönlich zu stärken. Denn die Kommunikation mit Auszubildenden verändert sich: Junge Menschen wünschen sich Orientierung, Vertrauen und eine Lernkultur, die auf Wertschätzung basiert.
Um diesen Entwicklungen nachhaltig gerecht zu werden, braucht es praxisnahe Lernangebote. Gefragt ist ein Konzept, das die persönliche Entwicklung der Ausbilder:innen genauso in den Mittelpunkt stellt wie ihre fachliche Rolle. So entstand die Motivation, Ausbildung zeitgemäß weiterzudenken: als lebendigen Prozess, in dem Wissen, Werte und praktische Erfahrung zusammenwachsen.
Projektverlauf
Die Erkenntnisse aus der Analysephase zeigten klar: Wer Ausbildung verändern will, beginnt bei den Ausbilder:innen. Darauf aufbauend entwickelte die DEVK mit der LeWe GmbH ein Trainingsprogramm im Blended-Learning-Format, das Ausbilder:innen, ob neu in der Rolle oder mit langjähriger Erfahrung, gezielt stärkt: fachlich, kommunikativ wie persönlich. Im Mittelpunkt stand dabei weniger die reine Wissensvermittlung als die Entwicklung eines Bewusstseins für Haltung, Wirkung und Selbstreflexion.
Zu Beginn stand eine Analysephase, in der typische Herausforderungen und Alltagssituationen sichtbar wurden. In Workshops, Interviews und Gruppendiskussionen schilderten Teilnehmende Fragen aus ihrem Alltag. Diese Einblicke bildeten die Grundlage für ein modulares Programm, das Theorie und Praxis verbindet.
Die Inhalte sollten kein starres Schulungsformat sein, sondern ein Prozess, der individuelle Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle ermöglicht. In der Konzeptionsphase wurden daher praxisnahe Methoden entwickelt, die Austausch fördern und Reflexion anregen – von kollegialen Fallbesprechungen bis zu geleiteten Selbstreflexionen. Dadurch entstand eine Lernarchitektur, die klassische Weiterbildung mit persönlicher Entwicklung verknüpft und nachhaltige Lernprozesse fördert.
Nach der Entwicklung folgte die Pilotphase. In kleinen, heterogenen Gruppen arbeiteten Ausbilder:innen an realen Fällen, reflektierten ihr Handeln und erprobten neue Kommunikationsformen. Methodisch setzte das Programm auf eine Mischung aus Input, Erfahrungsaustausch und Selbstreflexion. Dieser Dreiklang sorgte dafür, dass Wissen nicht nur aufgenommen, sondern unmittelbar im Ausbildungsalltag angewendet wurde. Viele Teilnehmende berichteten bereits während der Pilotphase, dass sich Gespräche mit Auszubildenden offener gestalteten und Lernprozesse spürbar an Dynamik gewannen.
Besonderes Augenmerk lag auf der persönlichen Haltung: Wie mit Unsicherheit oder Konflikten umgehen? Wie Vertrauen schaffen? Wie Orientierung geben, ohne autoritär zu wirken? Die Lernarchitektur des Programms zielte darauf ab, diese Fragen nicht theoretisch zu beantworten, sondern sie in einem geschützten Lernraum erlebbar zu machen.
Durch den engen Austausch zwischen DEVK, LeWe GmbH und Teilnehmenden entwickelte sich das Programm kontinuierlich weiter. Rückmeldungen aus den Pilotgruppen flossen fortlaufend in die Überarbeitung ein – ein iterativer Prozess, der Praxisnähe sicherstellt. Heute bildet das Programm einen festen Bestandteil der internen Weiterentwicklung und wird nun kontinuierlich fortgeführt. So wuchs aus einer Idee ein lebendiger Lernprozess, der Ausbilder:innen befähigt, ihre Rolle mit Klarheit und Zuversicht zu gestalten.
Projektergebnis

Was als internes Qualifizierungsprojekt begann, entwickelte bald eine eigene Dynamik. Ausbilder:innen erlebten das Programm nicht nur als Weiterbildung, sondern als persönlichen Entwicklungsprozess. Viele berichteten, ihre Rolle neu definiert zu haben: weg von der Wissensvermittlung, hin zur Begleitung eigenverantwortlichen Lernens. Dieser Perspektivwechsel veränderte spürbar, wie Ausbildung im Unternehmen wahrgenommen und gestaltet wird.
Im Verlauf des Programms veränderten sich Kommunikations- und Lernkultur deutlich. Gespräche wurden offener, Feedback häufiger auf Augenhöhe gegeben, gemeinsame Reflexion selbstverständlich. Ausbilder:innen fühlten sich sicherer, schwierige Situationen anzusprechen und Lernende stärker in die Verantwortung zu nehmen. Auch die Auszubildenden profitierten: mehr Eigeninitiative, aktiver Austausch, bewusstere Reflexion des eigenen Lernens.
Die Resonanz fiel durchweg positiv aus, sowohl unter den Teilnehmenden als auch in den Fachbereichen. Viele gaben an, dass sich die Inhalte unmittelbar in den Alltag übertragen ließen und die Methoden dauerhaft wirkten. Führungskräfte bestätigten eine spürbar verbesserte Zusammenarbeit: klarere Lernziele, konstruktiver gelöste Konflikte, mehr Wertschätzung. Besonders hervorgehoben wurde die Atmosphäre der Offenheit, die den kollegialen Austausch stärkte.
Zugleich entstand ein gemeinsames Verständnis von guter Ausbildung. Durch regelmäßige Austauschrunden und ein übergreifendes Netzwerk entwickelte sich ein kollegiales Lernsystem, das über das eigentliche Programm hinauswirkt. So stärkte das Projekt individuelle Kompetenzen und etablierte zugleich eine Lernkultur, die auf Vertrauen, Offenheit und gegenseitiger Unterstützung beruht.
Fazit
Heute gilt das Programm als fester Bestandteil der internen Qualifizierung und wird fortlaufend weiterentwickelt. Durch die Kombination aus Reflexion, Praxisbezug und kontinuierlichem Austausch ist es gelungen, Lernen fest im Arbeitsalltag zu verankern. Damit hat das Projekt die Ausbildungskultur der DEVK nachhaltig gestärkt und gezeigt, dass Lernen ein Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens ist. Zugleich zeigt es, wie gezielte Qualifizierung und Reflexionsräume nachhaltige Lernkultur fördern – auch über die DEVK hinaus.
Das Beispiel verdeutlicht eindrucksvoll, wie systematisch angelegte Ausbilder:innen-Qualifizierung nicht nur Kompetenzen stärkt, sondern Unternehmenskultur gestaltet. Entscheidend ist, Lernen nicht als einmaliges Training zu verstehen, sondern als kontinuierlichen Prozess, der Haltung und Bewusstsein formt. Darin liegt die Stärke dieses Projekts: Es verbindet fachliche Professionalität mit persönlicher Entwicklung und etabliert Ausbildung als lebendigen, dialogischen Lernraum.
Die DEVK zeigt mit diesem Projekt, dass nachhaltige Personalentwicklung dort beginnt, wo Menschen Verantwortung für ihr eigenes und gemeinsames Lernen übernehmen. Dieses Prinzip macht das Trainingsprogramm zu einem zukunftsweisenden Beispiel moderner Aus- und Weiterbildungspraxis. Die Jury vergibt für die nachhaltige Stärkung einer modernen Lern- und Ausbildungskultur den eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Kompetenzentwicklung“ mit dem Schwerpunkt „Ausbilderqualifizierung“. Herzlichen Glückwunsch!
Keytakeaways
Ausgangssituation:
- Steigende Anforderungen an Ausbilder:innen durch Fachkräftemangel und veränderte Lernkultur.
- Fehlende Strukturen für Reflexion und persönliche Weiterentwicklung im Ausbildungsalltag.
Projektziel:
- Förderung von Haltung, Selbstreflexion und Kommunikationskompetenz.
- Aufbau einer modernen, wertschätzenden Lern- und Ausbildungskultur.
Umsetzung:
- Entwicklung eines modularen Trainingsprogramms auf Basis realer Herausforderungen.
- Kombination aus Workshops, Erfahrungsaustausch und kontinuierlicher Anpassung.
Messung:
- Deutlich verbesserte Kommunikation und Lernbeziehung zwischen Ausbilder:innen und Azubis.
- Positive Feedbacks und dauerhafte Integration in die Qualifizierungsstrategie der DEVK.
Projektverantwortliche
DEVK Sach- und HUK Versicherungsverein a.G.
Stephan Stemmer
Leiter Gruppe Aus- und Weiterbildung
stephan.stemmer@devk.de
Riehler Straße 190
50735 Köln
www.devk.de
LeWe – Gesellschaft für Lernimpulse und Weiterbildung mbH
Martin Levas
Geschäftsführer
martin@lewe-impulse.de
Rücksgasse 30
53332 Bornheim
www.lewe-impulse.de




