Wandel durch Lernen, Agilität als Haltung
Wie Mitarbeitende sicher in agile Arbeitsweisen starten
Die Schulaula ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Zwischen Plakaten, Modellen und Prototypen versammeln sich neugierige Eltern, Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler. Ein Team steht bereit, um Feedback zu den ersten Ideen des Bauabschnitts auf dem Weg zur „besten Schule“ einzuholen. Doch noch spannender als die ausgestellten Ergebnisse ist der Weg dorthin: Wie haben die Teammitglieder zusammengearbeitet? Welche Entscheidungen wurden getroffen? Und wie ist es gelungen, flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren? Was hier kaum jemand wahrnimmt: Hinter diesem Projekt steckt moderne Zusammenarbeit – agil, strukturiert und kreativ zugleich. Die Mitglieder des Teams haben neue Rollen eingenommen und unbekannte Methoden ausprobiert. Genau dieses Erlebnis macht die Sparkasse KölnBonn mit einem digitalen Lern-Tool für alle Mitarbeitenden zugänglich.
Agiles Arbeiten ist längst mehr als ein Methodenbaukasten – es ist eine Haltung, die Veränderung erleichtert, Orientierung schafft und moderne Zusammenarbeit stärkt. Für die Sparkasse KölnBonn war klar, dass dieser Wandel nur gelingt, wenn alle Mitarbeitenden ein einheitliches Verständnis und eine gemeinsame Sprache teilen.
Mit dem Web Based Training „Agile Projektarbeit & Scrum“ entstand ein interaktives, visuell ansprechendes Lernformat. Die Teilnehmenden begleiten darin ein Projektteam durch realistische Situationen, treffen Entscheidungen und erleben, wie sich Rollen, Methoden und Werte der Agilität im echten Projektkontext anfühlen.

Heterogene Lernbedarfe
Im Unternehmen zeigten sich sehr unterschiedliche Kenntnisse zu agilen Arbeitsweisen: Manche Mitarbeitende hatten bereits Erfahrungen in Scrum-Teams gesammelt, während Begriffe wie „Sprint“, „Backlog“ oder „Product Owner“ für andere völlig neu waren. Schnell wurde deutlich: Es mangelte nicht an der Bereitschaft, sondern manchmal an der Sicherheit im Umgang mit Rollen, Methoden und Tools – vor allem, wenn abstrakte Begriffe schwer auf den eigenen Arbeitsalltag übertragbar waren. Unterschiedliche Erfahrungsstände zwischen Fachbereichen und Projektteams machten sichtbar, dass klassische Trainingsformate an ihre Grenzen stoßen würden.
Für Frank Fleckenstein, Bereichsleiter Unternehmensentwicklung, war insbesondere eines entscheidend:
„Besonders wichtig war uns, dass auch Kolleginnen und Kollegen ohne Vorerfahrung sofort etwas mitnehmen können. Deshalb haben wir viel Wert auf Verständlichkeit und Praxisnähe gelegt.“
Für die Sparkasse KölnBonn stand eines fest. Agilität soll zukünftig als Haltung verstanden werden, die bereichsübergreifend wirkt und über Hierarchieebenen hinweg gelebt werden kann. Daraus ergab sich ein zentraler Bildungsbedarf: Es sollte kein weiteres Fachtraining entstehen, sondern ein Lerntool, das agiles Denken und Handeln vermittelt, Sicherheit schafft und Mitarbeitende befähigt, agile Ansätze in Projekten anzuwenden.
Das Lernangebot richtet sich gezielt an alle Mitarbeitenden, die mit agiler Projektarbeit in Berührung kommen. Es sollte praxisnah sein, realistische Beispiele und aktivierende Szenarien bieten, den Austausch fördern und eine gemeinsame Sprache schaffen. Ziel war ein Training, das nicht belehrt, sondern einlädt zum Mitdenken, Ausprobieren und Reflektieren – und so neue Arbeitsweisen erfahrbar macht.
Iterativer Entwicklungsprozess
Startpunkt unseres Projekts war die Erkenntnis, dass Agilität im Unternehmen zwar erfolgreich eingesetzt wurde, jedoch ein skalierbares Lernangebot fehlte, um dieses Wissen breit verfügbar zu machen. In einer gezielten Analyse wurden Führungskräfte, Mitarbeitende aus den agilen Projekten sowie relevante Schnittstellen befragt, um Erfahrungen, bestehende Lernhürden und den aktuellen Stand agiler Zusammenarbeit zu erfassen. Ergänzend wurden laufende Projekte ausgewertet, um herauszufinden, wo konkret Wissen zu agilen Prinzipien noch fehlt. Dabei wurde insbesondere der Onboarding-Prozess von neuen Mitarbeitenden im agilen Projektkontext intensiv betrachtet.
Darauf aufbauend entwickelten Fachexpertinnen und -experten sowie erfahrene eLearning-Designerinnen aus dem eigenen Haus iterativ ein digitales Lernkonzept. Ziel war es, agile Methoden, insbesondere Scrum, so zu vermitteln, dass sie für Projektmitarbeitende unmittelbar verständlich sind und Schnittstellen gleichzeitig einen praktischen Mehrwert für ihren Arbeitsalltag erhalten.
Das daraus entstandene Lern-Tool verknüpft Theorie mit Praxis: Jenseits des beruflichen Alltags arbeiten die Teilnehmenden gemeinsam mit ihrem virtuellen Team an einem Projekt, in dem es darum geht „Die BESTE Schule“ zu entwerfen. Dabei treffen sie Entscheidungen und erleben agile Prinzipien somit ganz praxisnah. Interaktive Elemente und realitätsnahe Szenarien machen Lernen zum Erfahrungsmoment.
In der Pilotphase zeigte sich die Wirkung des Lern-Tools besonders deutlich: Die Teilnehmenden lobten die authentischen Szenarien, die klare Struktur und die direkte Übertragbarkeit in den eigenen Arbeitsalltag. Auch der spielerische Ansatz wurde von den Teilnehmenden durchweg positiv bewertet. Viele berichteten, dass sie erstmals erlebten, wie Agilität praktisch funktioniert, und fühlten sich motiviert, die Methoden selbst anzuwenden. Kerstin Schramm, Abteilungsleiterin Personalentwicklung und Vertriebstraining, bringt es auf den Punkt:
„Die positive Resonanz zeigt uns, dass wir mit Storytelling und Gamification genau den Nerv getroffen haben – Lernen darf und soll auch Spaß machen.“
Nach der Pilotierung wurde das Feedback der Teilnehmenden gezielt aufgegriffen, um das Training weiter zu optimieren, interaktive Elemente wurden noch stärker ausgebaut, um den Lernerfolg langfristig zu sichern. Zum unternehmensweiten Rollout begann eine begleitende Kommunikationskampagne, welche das Thema Agilität im gesamten Haus sichtbar machte. Mitarbeitende wurden über Intranet, Newsletter und interne Veranstaltungen eingeladen, das neue digitale Lernangebot zu absolvieren und ihre Erfahrungen auszutauschen. So entstand eine Dynamik, die weit über das Lernformat hinausging.
Heute ist das Lern-Tool ein fester Bestandteil des Onboarding-Prozesses für agile Projektarbeit. Durch die strukturierte, visuell unterstützte und humorvoll erzählte Form gelingt es, auch Skeptiker für Agilität zu gewinnen – und das komplett ohne Präsenzpflicht.
Nachhaltig wirksames Projektergebnis

Die Wirkung des Lern-Tools „Agile Projektarbeit & Scrum“ zeigte sich unmittelbar nach dem Rollout: Viele Mitarbeitende nutzten das Training, um sich eigenständig und flexibel mit agilen Methoden vertraut zu machen. Besonders positiv hervorgehoben wurden die Szenario-basierten Elemente, das Storytelling und die spielerischen Interaktionen – sie machten abstrakte Inhalte greifbar und erleichterten den Transfer in die Praxis. Auch Mitarbeitende aus Schnittstellenbereichen profitierten, indem sie die Dynamik und Abläufe agiler Projekte besser nachvollziehen und gezielter unterstützen konnten.
Die Pilotphase erwies sich als zentraler Erfolgsfaktor: Rückmeldungen zu Navigation, Verständlichkeit und Interaktivität flossen direkt in die Optimierung ein, sodass das finale Lern-Tool die Bedürfnisse der Lernenden präzise abbildete. Die Kombination aus Comic-Story, Gamification-Elementen wie Drag-and-Drop-Übungen und praxisnahen Entscheidungen ermöglichte ein aktives, reflektiertes Lernen, das sowohl Einsteigende als auch erfahrene Projektmitarbeitende ansprach.
Interne Evaluationen bestätigten die positive Wirkung: Neue Projektmitarbeitende konnten schneller einsteigen und von Anfang an auf Augenhöhe mit erfahrenen Mitarbeitenden kommunizieren.
Für die Personalentwicklung zeigt das Projekt noch einmal, wie wirkungsvoll digitales Lernen ist, wenn Erleben, Reflexion und Anwendung konsequent verknüpft werden. Das Lern-Tool ist weit mehr als ein Schulungsinstrument: Es macht agile Prinzipien sichtbar, stärkt das bereichsübergreifende Verständnis, fördert den Dialog zwischen Teams und unterstützt den kulturellen Wandel hin zu einer agilen Lernkultur. Gleichzeitig liefert es ein besonderes Beispiel dafür, wie Learning & Development durch praxisnahe, interaktive Formate einen spürbaren Mehrwert für die Organisation und Mitarbeitenden schafft.
Fazit
Das Projekt der Sparkasse KölnBonn zeigt, wie digitales Lernen Kulturwandel wirklich unterstützen kann. Aus einem klaren Qualifizierungsbedarf entstand ein Lernangebot, das weit über reine Wissensvermittlung hinausgeht. Mitarbeitende bekommen ein gemeinsames Verständnis von Agilität – und erleben, dass Veränderung nicht nur in Prozessen, sondern vor allem im Denken beginnt. Sie haben die Möglichkeit, sicher zu starten, probieren selbst aus und lernen, wie Agilität in Projekten umgesetzt wird.
Besonders wertvoll ist, dass das Lern-Tool nicht als einmalige Schulung gedacht ist, sondern langfristig in die Lernstrategie der Sparkasse KölnBonn eingebunden wird. Durch die Kombination aus digitalem Training, Präsenzformaten und Reflexion bleibt das Thema lebendig und wirkt in Teams und Projekten spürbar.
Das agile Vorgehen wurde von den Projektbeteiligten voll und ganz im gesamten Projektverlauf gelebt. Durch die parallele Produktion und Weiterentwicklung des Drehbuchs, durch intensive Lessons-Learned-Phasen und durch die enge Einbindung unterschiedlichster Stakeholder wurde ein neuer Standard für bereichsübergreifende Zusammenarbeit etabliert – praxisnah, lösungsorientiert und iterativ – ganz agil eben. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse fließen bereits in neue Projekte ein, und das Lern-Tool dient inzwischen als Referenz für zukünftige digitale Lernformate.
Mit diesem Projekt ist es der Sparkasse KölnBonn gelungen, Agilität greifbar zu machen und stärker in der Unternehmenskultur zu verankern. Dafür erhält sie den eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Kompetenzentwicklung“ mit dem Schwerpunkt „Agiles Arbeiten“. Herzlichen Glückwunsch!
Keytakeaways
Ausgangssituation:
- Heterogene Wissensstände zwischen erfahrenen und unerfahrenen Mitarbeitenden sowie fehlendes Verständnis in Schnittstellenbereichen führten zu unterschiedlich verlaufenem Einstieg in agile Projekte.
- Besonders im Onboarding neuer Kolleginnen und Kollegen zeigte sich, grundlegendes Wissen zu Rollen, Abläufen und Begriffen fehlte häufig.
Projektziel:
- Ein gemeinsames Verständnis agiler Arbeitsweisen aufzubauen, Mitarbeitende gezielt zu befähigen, den Onboarding-Prozess deutlich zu verkürzen und Agilität nicht nur als Methode, sondern als Haltung im Unternehmen weiter zu verankern.
Umsetzung:
- In einem iterativen Entwicklungsprozess entstand ein Szenario-basiertes, niedrigschwelliges Lern-Tool, das reale Projektsituationen erlebbar macht und Lernende aktiv einbindet.
- Entwickelt wurde das Training in enger Zusammenarbeit des Fachbereichs und internen eLearning-Spezialistinnen.
Messung:
- Befragungen zeigen ein klar gestärktes Verständnis agiler Grundlagen, spürbar erleichterte Onboarding-Prozesse und eine effektivere Zusammenarbeit in den Teams – insbesondere beim Einstieg neuer Mitarbeitenden.
- Hohe Nutzungs- und Abschlussquoten sowie die Aufnahme in den offiziellen Lernpfad belegen den nachhaltigen Erfolg des Lern-Tools.
Projektverantwortliche

Sparkasse KölnBonn
Evelyn Steiner-Hamm
Senior Referentin, Digitales Lernen
evelyn.steiner-hamm@sparkasse-koelnbonn.de
Rudi-Conin-Straße 1
50829 Köln
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Julian Quenzer
Senior Scrum Master
julian.quenzer@sparkasse-koelnbonn.de
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Lara Grünewald
Scrum Master
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Anne Mindrup
Referentin Digitales Lernen
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Jörg Wehner
Projektbeteiligter
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