Respekt als gelebter Unternehmenswert
Wie Siemens mit einem eLearning den respektvollen Umgang im Arbeitsalltag stärkt
Eine respektvolle Kommunikationskultur entsteht nicht von selbst. Sie braucht Bewusstsein, Reflexion und die Bereitschaft, Verantwortung für die eigene Kommunikation zu übernehmen. Doch wie lässt sich ein solches Verhalten in einem globalen Unternehmen mit Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Kulturen und Arbeitswelten fördern? Siemens AG und ICON Vernetzte Kommunikation GmbH geben darauf eine klare Antwort mit einem eLearning, das respektvolle Kommunikation erlebbar macht. In sieben praxisnahen Situationen erleben die Teilnehmenden, wie Worte wirken, wo Grenzen verlaufen und warum Respekt die Grundlage jeder Zusammenarbeit ist.
Als global agierendes Technologieunternehmen steht die Siemens AG vor der Aufgabe, eine gemeinsame Unternehmenskultur zu fördern, die über Länder, Sprachen und Hierarchieebenen hinweg von gegenseitigem Respekt, Offenheit und Toleranz geprägt ist. Respektvolle Kommunikation bildet dabei eine wesentliche Grundlage für ein wertschätzendes Miteinander und ein inklusives Arbeitsumfeld.
Im beruflichen Alltag kann es jedoch, auch ungewollt, passieren, dass Kommunikation als nicht respektvoll aufgefasst wird. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe, Kommunikationsstile und individuelle Wahrnehmungen können leicht zu Missverständnissen führen. Manchmal entscheiden kleine Details darüber, ob eine Botschaft als wertschätzend oder grenzüberschreitend empfunden wird. Gleichzeitig gilt: Es gibt eindeutige Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Siemens erkannte, dass eine gelebte Kultur des Respekts gefördert werden kann, wenn Mitarbeitende für die Wirkung ihres eigenen Kommunikationsverhaltens sensibilisiert werden und dieses reflektieren können. Wichtig ist dabei ein Rahmen, der weder belehrend wirkt noch sozial akzeptables Verhalten als richtig oder falsch einstuft.
Vor diesem Hintergrund entstand das Projekt „Respektvolle Kommunikation“, das von der Siemens AG in Zusammenarbeit mit der ICON Vernetzte Kommunikation GmbH umgesetzt wurde. Ziel war es, ein global einsetzbares eLearning zu entwickeln, das Mitarbeitende aller Ebenen für die Bedeutung respektvoller Interaktion sensibilisiert und sie dazu befähigt, Verantwortung für das eigene Kommunikationsverhalten zu übernehmen. Dabei sollte das Training nicht nur Wissen vermitteln, sondern zur Selbstreflexion anregen und gleichzeitig den hohen Anforderungen an Inklusion und digitale Barrierefreiheit für Webinhalte (gemäß Richtlinie WCAG 2.1, Stufe AA) gerecht werden.
Lernbedarfe

Das übergeordnete Ziel des Projekts war es, ein unternehmensweites Lernangebot zu entwickeln, das die Grundsätze respektvoller Kommunikation in den Mittelpunkt stellt und die Mitarbeitenden weltweit für deren Bedeutung sensibilisiert. Siemens verfolgte damit das Ziel, die Werte Respekt, Offenheit, Toleranz sowie Vielfalt zu fördern und das Bewusstsein für einen respektvollen Umgang miteinander zu stärken, das prägend für ein integratives und vertrauenswürdiges Umfeld ist, in dem sich Mitarbeitende sicher und willkommen fühlen
Im Zentrum stand die Frage, wie Mitarbeitende ihr eigenes Kommunikationsverhalten und dessen Wirkung auf andere spielerisch in verschiedenen Szenarien ausprobieren und reflektieren können. Das eLearning sollte dazu beitragen, ein gemeinsames Verständnis dafür zu schaffen, was respektvolle Kommunikation im beruflichen Alltag bedeutet und welchen Beitrag Einzelne dazu leisten können. Ebenso wurden anhand von Beispielen klare Grenzen aufgezeigt, die gegen Siemens-Werte verstoßen und nicht überschritten werden dürfen.
Ein weiterer Fokus lag darauf, die Mitarbeitenden zu ermutigen, in Situationen, in denen sie respektloses Verhalten beobachten, richtig zu reagieren und gegebenenfalls die internen Meldewege zu nutzen. Diese Verknüpfung von individueller Achtsamkeit und organisationaler Verantwortung war entscheidend für den nachhaltigen Lernerfolg. Zugleich legte Siemens großen Wert auf Barrierefreiheit und kulturelle Vielfalt. Das eLearning sollte weltweit anschlussfähig sein, alle Menschen einbeziehen und den Anspruch des Unternehmens an Inklusion in der Praxis umsetzen.
Die Zielgruppe umfasste insbesondere Führungskräfte und Büroangestellte in allen Regionen. Um auch allen Mitarbeitenden in Bereichen ohne Zugang zur firmeninternen digitalen Lernplattform das eLearning zugänglich zu machen, wurde ergänzend eine Videoversion produziert. Auf diese Weise entstand ein Lernangebot, das die gesamte Belegschaft anspricht und respektvolle Kommunikation als festen Bestandteil der Unternehmenskultur verankert.
Projektverlauf
Die Abteilungen Compliance, People & Organization, Government Affairs sowie Communications der Siemens AG stimmten sich zunächst intern eng zu den Zielen und Inhalten ab. Gemeinsam erarbeiteten sie sieben typische Kommunikationssituationen, die im Laufe des Projekts iterativ weiterentwickelt wurden, und in denen respektvoller Umgang besonders relevant ist; zudem wurden nicht tolerierbare Verhaltensweisen aufgezeigt. Ergänzt wurde dies durch Zusatzinformationen, wie zum Beispiel interne Meldewege. Anschließend kamen die Projektteams von Siemens und ICON in einem Kickoff-Termin zusammen, in dem sie die technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen definierten und den Ablaufplan mit klaren Meilensteinen festlegten.
In der ersten Projektphase entstand das didaktische Konzept, das die inhaltlichen Vorgaben von Siemens in ein motivierendes Lernformat überführte: ICON entwickelte ein didaktisch durchdachtes Format mit Storytelling und Gamification-Elementen, das die Lernenden in realitätsnahe Szenarien eintauchen lässt. Das Ziel war, einen sicheren Lernraum zu schaffen, in dem die Teilnehmenden verschiedene Verhaltensoptionen erproben und deren Wirkung unmittelbar erleben können. Dabei wurde großer Wert darauf gelegt, dass alle Situationen wertfrei gestaltet sind und keine Bewertung von richtig oder falsch erfolgt. Nach der Freigabe des Konzepts durch Siemens erstellte ICON das Drehbuch, das ebenfalls von Siemens geprüft und freigegeben wurde.
Parallel dazu entstand das grafische Konzept, das die Corporate-Design-Vorgaben von Siemens berücksichtigt und gleichzeitig die Vielfalt der globalen Zielgruppe sichtbar macht. Die Gestaltung berücksichtigte kulturelle, religiöse und geschlechtsspezifische Unterschiede und verzichtete bewusst auf potenziell missverständliche Symbole. Authentische Darstellungen sowie eine klare Farbgebung erhöhen die Identifikation der Teilnehmenden mit den Figuren und Situationen und fördern die Verständlichkeit. Besonderer Wert wurde zudem auf eine klare Benutzerführung mit intuitiver Navigation gelegt: Kontrastreiche Elemente, klar erkennbare Buttons sowie eine einheitliche Platzierung von Navigationselementen sorgen für ein barrierefreies Lernerlebnis. Rückmeldungen des Siemens-Teams flossen fortlaufend in das gestalterische Konzept ein, bevor es final freigegeben wurde.
Die Produktion des eLearnings erfolgte in Storyline 360. ICON übernahm die Erstellung der Illustrationen, Animationen und die Integration der gelieferten Text- und Bildmaterialien. Zudem wurden aussagekräftige Alternativtexte ergänzt, die die vollständige Bedienbarkeit mit Tastatur und Screenreader ermöglichen. Anschließend erfolgte ein ausführliches internes Testing bei ICON, gefolgt von einer umfassenden Reviewphase durch das Siemens-Projektteam. Nach der Einarbeitung aller Korrekturen wurde das Training von einer professionellen Sprecherin vertont und zur Endabnahme ausgeliefert. Hier wurde das eLearning auch vom Accessibility-Team von Siemens noch einmal geprüft. In konstruktiver Abstimmung wurden weitere Optimierungsmöglichkeiten identifiziert und – soweit im Projektrahmen möglich – durch ICON umgesetzt. Für nicht realisierbare Punkte wurden gemeinsam praktikable Lösungen gefunden. Anschließend erfolgte der Upload auf die interne Lernplattform von Siemens.
Im nächsten Schritt folgte die Übersetzung der englischen Masterversion in zehn weitere Sprachen. Die Übersetzungen wurden von ICON beauftragt, die Freigabe koordinierte Siemens in enger Abstimmung mit den jeweiligen Landesvertretungen. Anschließend produzierte ICON die Sprachversionen und lieferte sie nach Ausführung der Kundenkorrekturen final aus.
Das eLearning wurde sukzessive an die Mitarbeitenden ausgerollt, sodass inhaltliche und technische Feedbacks und Reaktionen kontinuierlich eingearbeitet und berücksichtigt werden konnten. Begleitet wurde der Rollout des optionalen Trainings von einer unternehmensweiten Kommunikationskampagne. Über interne Social-Media-Kanäle, globale Newsletter sowie digitale Informationsformate wurde die Belegschaft weltweit eingeladen, das Lernangebot zu nutzen. Ein emotional gestaltetes Teaservideo, das auf Informationsbildschirmen im Unternehmen präsentiert wurde, verstärkte die Aufmerksamkeit zusätzlich. Es transportierte die Botschaft „Respectful Communication. Always.“ und machte die Werte des Trainings visuell und musikalisch erlebbar.

Projektergebnis
Im Rahmen des Projekts entstand ein eLearning, das die Werte von Siemens auf anschauliche und praxisnahe Weise vermittelt. Zu Beginn erfahren die Lernenden ihre Mission: Sie sollen sieben Kommunikationssituationen meistern, um jeweils eine Kernbotschaft zur respektvollen Kommunikation zu entschlüsseln und zu sammeln. Die Lernenden navigieren über einen interaktiven Büroplan, über den sie die Situationen in beliebiger Reihenfolge ansteuern können. In jedem Szenario entscheiden sie, wie sie reagieren würden. Dazu wählen sie aus drei Optionen diejenige aus, mit der sie sich am meisten identifizieren können und erhalten ein individuelles Feedback, das nicht bewertet, sondern zur Reflexion anregt. Anschließend können sie weitere Optionen erkunden, ein Beispiel für grenzüberschreitendes Verhalten ansehen oder direkt die Kernbotschaft einsammeln. So erleben die Teilnehmenden unmittelbar, welche Wirkung ihr Kommunikationsverhalten haben kann und wo die Grenzen respektvollen Handelns verlaufen.
Nach dem Rollout zeigte sich, dass das Lernangebot eine außergewöhnlich hohe Akzeptanz erzielte. Innerhalb kurzer Zeit wurde das eLearning konzernweit geteilt und von zahlreichen Einheiten eigenständig weiterempfohlen. Insgesamt haben mehr als 100.000 Mitarbeitende weltweit das Training absolviert. Die Rückmeldungen fielen durchweg positiv aus. Besonders hervorgehoben wurden die Authentizität der Szenarien, der respektvolle Umgangston und die Möglichkeit, eigenes Verhalten ohne Druck zu reflektieren.
Fazit
Das Projekt „Respektvolle Kommunikation“ verdeutlicht, wie digitale Lernangebote einen Beitrag zur gelebten Unternehmenskultur leisten können. Im Mittelpunkt stand von Beginn an die Frage, wie sich die Werte Respekt, Offenheit, Toleranz und Vielfalt von Siemens in ein Lernformat überführen lassen, welches alle Mitarbeitenden erreicht. Mit dem gemeinsam entwickelten eLearning ist es gelungen, dieses Ziel inhaltlich wie technisch umzusetzen.
Das Ergebnis ist ein eLearning, das durch seine Klarheit und didaktische Struktur überzeugt. Die Teilnehmenden werden nicht belehrt, sondern dazu angeregt, das eigene Kommunikationsverhalten zu reflektieren und dessen Wirkung zu hinterfragen. Durch realitätsnahe Szenarien und wertfreie Rückmeldungen entsteht ein Raum, in dem respektvolles Handeln erfahrbar wird. Diese Verbindung aus inhaltlicher Sensibilität und technischer Umsetzung macht das Training zu einem gelungenen Beispiel für praxisorientiertes Corporate Learning.
Vor diesem Hintergrund verleiht die Jury des eLearning Journals den beiden Projektpartnern Siemens AG und ICON Vernetzte Kommunikation GmbH den eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Web Based Training“ mit dem Schwerpunkt „Werteorientierte Kommunikation“ aus. Herzlichen Glückwunsch!
Keytakeaways
Ausgangssituation:
- Globale Zusammenarbeit bei Siemens machte deutlich, dass respektvolle Kommunikation aktiv gefördert und reflektiert werden muss.
- Ziel war es, die Unternehmenswerte im Alltag erlebbar zu machen und klare Grenzen für respektvolles Verhalten zu definieren.
Projektziel:
- Sensibilisierung der Mitarbeitenden für respektvolles Verhalten und die Wirkung eigener Kommunikation.
- Aufbau einer gemeinsamen Haltung, die Offenheit, Toleranz und Empathie stärkt.
Umsetzung:
- Entwicklung eines barrierefreien, multisprachigen eLearnings mit sieben realistischen Kommunikationsszenarien.
- Kombination aus Storytelling, wertfreiem Feedback und klarer visueller Gestaltung zur Förderung von Reflexion und Haltung.
Messung:
- Über 100.000 Teilnehmende weltweit und durchweg positives Feedback aus allen Unternehmensbereichen.
- Das Training verbreitete sich konzernweit eigenständig und gilt heute als internes Referenzprojekt für barrierefreies Corporate Learning.
Projektverantwortliche

Siemens AG
Utta Köhler
Head of Siemens Professional Education International (vormals Head of Legal and Compliance Training)
utta.koehler@siemens.com
Werner-von-Siemens-Str. 1
80333 München
www.siemens.com
Andreas Baumgärtel
Compliance Professional
andreas.baumgaertel@siemens.com
Werner-von-Siemens-Str. 1
80333 München
www.siemens.com
ICON Vernetzte Kommunikation GmbH
Beatrix Weber
E-Learning-Autorin
info@iconnewmedia.de
Wilhelmitorwall 25
38118 Braunschweig
www.iconnewmedia.de
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Angelika Chamier
Head of Design
info@iconnewmedia.de
Wilhelmitorwall 25
38118 Braunschweig
www.iconnewmedia.de




