Wissenstransfer unter Hochdruck
Ein neues Batteriesystem – viele Rollen, drei Sprachen, wenig Zeit

Wenn Entwicklung, Vertrieb, Montage und Logistik über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten, wird Wissenstransfer schnell zu einer kritischen Aufgabe. Besonders dann, wenn zugleich sichere Lagerung, fachgerechter Transport und überzeugende Produktargumente vermittelt werden müssen. Unterschiedliche Rollen brauchen jeweils andere Informationen, internationale Standorte erfordern Mehrsprachigkeit, und der enge Zeitplan bei Produkteinführungen lässt kaum Raum für klassische Präsenzschulungen. Bredenoord reagierte auf diese Situation mit einem innovativen Ansatz: einem mehrsprachigen Schulungskonzept zur Produkteinführung. Es kombiniert KI-gestützte Voice-Overs, modulare Lektionen und die Integration ins Learning Management System. Das Ergebnis ist ein Lernformat, das international verfügbar ist, unterschiedliche Zielgruppen passgenau anspricht und eine konsistente Wissensbasis schafft – unabhängig von Standort, Funktion oder Sprache.

Die Einführung neuer Produkte ist in international agierenden Unternehmen stets eine komplexe Aufgabe. Unterschiedliche Rollen im Betrieb, verteilte Standorte und sprachliche Vielfalt machen es notwendig, Wissen strukturiert und einheitlich zu vermitteln. Bei Bredenoord, einem führenden Anbieter mobiler Energielösungen, zeigte sich diese Herausforderung besonders deutlich im Vorfeld der Markteinführung eines neuen Batteriesystems.

Bis dahin verliefen Produkteinführungen meist dezentral: Am Hauptsitz fanden gelegentlich Präsenzschulungen statt, während Beschäftigte in anderen Ländern häufig nur schriftliche Unterlagen oder Arbeitsanweisungen erhielten. Informationen lagen oft nur in einer Sprache vor und waren inhaltlich nicht für alle Zielgruppen gleichermaßen geeignet. Für Fahrer:innen, Monteur:innen oder Vertriebskräfte bedeutete dies, dass sie mit sehr unterschiedlichem Vorwissen starteten – mit spürbaren Auswirkungen auf Sicherheit, Effizienz und Kundendialog.

Die Kombination aus internationaler Belegschaft, heterogenen Informationswegen und fehlenden Standards machte deutlich, dass ein neues Vorgehen erforderlich war. Eine zentrale Frage rückte in den Fokus: Wie können alle Mitarbeitenden rechtzeitig, einheitlich und rollenspezifisch auf den gleichen Wissensstand gebracht werden, wenn es um ein komplexes Produkt geht?

Lernbedarfe

Digitale Tools bringen Produktdetails zum Leben: Mit Video, interaktiven Karten und KI-gestützten Voice-Overs wird komplexes Fachwissen multimedial und mehrsprachig erlebbar gemacht.

Die Einführung des neuen Batteriesystems zeigte, dass der Schulungsbedarf vielseitig war: Unterschiedliche Rollen, internationale Standorte und strenge Sicherheitsanforderungen erforderten ein Lernformat, das zugleich breit anwendbar und hochspezifisch ist. Jede Zielgruppe brauchte eigene Informationen – und zugleich ein gemeinsames Grundverständnis.

Für LKW- und Staplerfahrer:innen stand die sichere Lagerung und der fachgerechte Transport im Mittelpunkt. Fehler hätten hier nicht nur Verzögerungen, sondern auch sicherheitsrelevante Risiken verursacht. Vertriebsmitarbeitende benötigten fundierte Kenntnisse zu den Alleinstellungsmerkmalen, Vergleichen mit bestehenden Produkten und Argumentationshilfen für den Kundendialog. Monteur:innen mussten sich mit den technischen Komponenten und funktionalen Besonderheiten vertraut machen, um Installation, Wartung und Fehlersuche kompetent begleiten zu können.

Erschwerend kam die Mehrsprachigkeit hinzu: Niederländisch, Deutsch und Englisch mussten gleichermaßen berücksichtigt werden. Die bisherigen Formate (Arbeitsanweisungen oder vereinzelte Schulungen) reichten dafür alleine nicht aus. Internationale Teams erhielten oft nur fragmentierte Informationen, die den komplexen Produktstart kaum unterstützten.

Darüber hinaus bestand ein organisatorischer Bedarf: Es fehlte ein standardisiertes, skalierbares Format, um Produkteinführungen und Produktinformationen im Allgemeinen effizient und konsistent umzusetzen. Damit ging es nicht nur um das Batteriesystem selbst, sondern um die Etablierung eines Prozesses, der künftige Einführungen beschleunigt und qualitativ absichert, aber auch die Vermittlung von Wissen zu bestehenden Produkten unterstützt.

Die Lösung lag in einem digitalen, mehrsprachigen und modular aufgebauten eLearning, das Wissen vereinheitlicht, Rollen spezifisch adressiert und Sprach- sowie Standortgrenzen zuverlässig überwindet.

Projektverlauf

Der Startschuss für das Projekt fiel Anfang 2024 mit der Einführung des neuen Learning Management Systems. Während zu Beginn ausschließlich zugekaufte Inhalte genutzt wurden, zeigte sich schnell der Bedarf nach passgenauen Lernlösungen für die eigenen Produkte. Mit der Markteinführung eines neuen Batteriesystems bot sich die Gelegenheit, nach ersten einfach digitalisierten Lerninhalten ein strukturiertes, standortübergreifendes eLearning-Projekt zu entwickeln – und gleichzeitig die Basis für eine nachhaltige digitale Lernkultur zu schaffen.

Nach einem Kick-off, bei dem Ziele, Inhalte und Rollen klar definiert wurden, übernahm die Learning & Development-Abteilung die didaktische Konzeption und Projektleitung, während die Forschungs- und Entwicklungsabteilung die fachlichen Grundlagen lieferte. Unterstützt wurde das Kernteam durch einen technischen Trainer sowie das Marketing, das für die visuelle Umsetzung und Videoproduktion verantwortlich war. Von Beginn an setzte das Team auf ein agiles Vorgehen: Innerhalb von zwei Wochen entstand ein erster Prototyp in Articulate Rise, der Stakeholdern früh ein realistisches Bild vom Kursaufbau vermittelte.

Die Entwicklung verlief iterativ, geprägt von kurzen Feedbackzyklen und enger Abstimmung mit allen Beteiligten. Parallel wurden eigens produzierte Videos integriert und mithilfe von KI-gestützten Voice-Overs in Niederländisch, Englisch und Deutsch verfügbar gemacht. Damit ließen sich Sprachbarrieren überwinden und die internationale Belegschaft gleichzeitig erreichen. Selbst die anfangs unvollständige Arbeitsanweisung sollte kein Hindernis darstellen. Durch enge Kommunikation und flexible Anpassungen wurden die Inhalte rechtzeitig vervollständigt, ohne den Zeitplan zu gefährden.

Die finalisierte Version wurde Anfang 2025 über das LMS veröffentlicht und durch eine interne Kommunikationskampagne flankiert. Ein Countdown über die Netpresenter-Plattform, Newsletter, halbstündige Informationsmeetings und eine von der R&D-Abteilung organisierte Roadshow sorgten für hohe Sichtbarkeit und aktive Einbindung. Bei dieser Roadshow wurde das Batteriesystem persönlich an allen Standorten vorgestellt, Fragen beantwortet und das begleitende eLearning-Projekt beworben. Die Kombination aus digitalen Formaten und Präsenzkommunikation sicherte die Einführung fachlich ab, steigerte Akzeptanz und weckte Begeisterung für das neue Lernformat.

Projektergebnis

Praxisnahes Lernen mit realen Herausforderungen: Durch interaktive Fallbeispiele erleben Lernende, wie komplexe Anforderungen entstehen – und wie innovative Lösungen darauf antworten.

Das Schulungskonzept zur Einführung des neuen Batteriesystems erwies sich als voller Erfolg und setzte in mehrfacher Hinsicht neue Maßstäbe für die interne Weiterbildung bei Bredenoord. Innerhalb weniger Wochen nach Veröffentlichung hatten sich über 100 Mitarbeitende mit den Inhalten auseinandergesetzt, unabhängig von Standort, Sprache oder Funktion. Die Mehrsprachigkeit durch KI-gestützte Voice-Overs sorgte dafür, dass alle Zielgruppen gleichzeitig erreicht wurden und sprachliche Barrieren keine Hürde mehr darstellten. Im Learning Management System bewerteten die Teilnehmenden den Kurs im Durchschnitt mit 4,1 von 5 Sternen – ein klares Signal für die hohe Akzeptanz und die wahrgenommene Relevanz.

Neben diesen quantitativen Ergebnissen zeigten sich auch deutliche qualitative Effekte. Mitarbeitende berichteten, dass sie sich besser vorbereitet fühlten, sicherer im Umgang mit dem neuen Produkt agierten und die Möglichkeit schätzten, Inhalte jederzeit nach Bedarf wiederholen zu können. Besonders positiv hervorgehoben wurden die klare Struktur, die praxisnahe Darstellung der Inhalte sowie die gezielte Ansprache der unterschiedlichen Rollen. Auch die Integration von Videos trug spürbar dazu bei, dass das Wissen nicht nur theoretisch vermittelt, sondern im Arbeitsalltag unmittelbar anwendbar war.

Auf Unternehmensebene führte das Projekt zu einer deutlichen Verbesserung der internen Kommunikation bei Produkteinführungen. Wo früher fragmentierte Informationen und lokale Schulungen dominierten, steht nun ein standardisiertes, digitales Format zur Verfügung, das Skalierbarkeit, Geschwindigkeit und Konsistenz gewährleistet. Die Roadshow und begleitende Kommunikationsmaßnahmen verstärkten diesen Effekt und trugen dazu bei, dass das eLearning-Projekt nicht als Pflichtaufgabe, sondern als nützliches Werkzeug wahrgenommen wurde.

Die nachhaltige Wirkung des Projekts zeigt sich darin, dass die entwickelte Struktur nun als ersten Baustein für weitere Produkt- und Funktionsschulungen dient. Erste Folgeprojekte sind bereits in Planung und greifen auf die gemachten Erfahrungen zurück. Damit hat Bredenoord nicht nur die erfolgreiche Einführung eines neuen Batteriesystems abgesichert, sondern auch einen entscheidenden Schritt hin zu einer modernen, digital unterstützten Lernkultur gemacht, die langfristig zur Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens beiträgt.

Fazit

Mit dem eLearning-Projekt zur Einführung des neuen Batteriesystems hat Bredenoord gezeigt, wie digitale Lernformate gezielt eingesetzt werden können, um komplexe Produkteinführungen international, mehrsprachig und rollenorientiert abzusichern. Das Projekt verband moderne Technologien mit klarer Didaktik und agilem Vorgehen, das schnelle Prototypen, Feedbackschleifen und die aktive Einbindung von Stakeholdern ermöglichte. So wurde nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch eine Basis für nachhaltige Lernstrukturen geschaffen.

Bemerkenswert ist, dass das Schulungskonzept weit über die reine Wissensvermittlung hinaus wirkt: Es unterstützte die Kommunikation bei Produkteinführungen, erhöhte die Reichweite durch digitale Mehrsprachigkeit und etablierte ein Format, das als Blaupause für weitere eLearning-Initiativen dient. Die Rückmeldungen aus der Belegschaft waren durchweg positiv – hervorgehoben wurden Struktur, Mehrsprachigkeit und Praxisnähe.

Damit wird klar: Digitale Lernarchitekturen schaffen nicht nur Effizienz, sondern stoßen auch kulturellen Wandel an. Bredenoord hat den Grundstein gelegt, eLearning als strategisches Werkzeug zu verankern – ein Ansatz, der L&D-Manager:innen wertvolle Impulse für die Verbindung von Lernbedarfen, internationalen Zielgruppen und Technologie bietet.

Vor dem Hintergrund eines skalierbaren eLearning-Konzepts, das Sprachgrenzen überwindet und Wissen international verfügbar macht, zeichnet die Jury das Projekt „Multilinguales Schulungskonzept für Produkteinführung“ mit dem eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Web Based Training“ und dem Schwerpunkt „Mehrsprachige Produktschulung“ aus. Herzlichen Glückwunsch!


Keytakeaways

Ausgangssituation:

  • Produkteinführungen verliefen dezentral, Informationen waren fragmentiert und oft nur einsprachig.
  • Unterschiedliche Rollen erhielten unzureichende oder verspätete Schulungsinhalte.

Projektziel:

  • Einheitliche, mehrsprachige Wissensvermittlung für alle Zielgruppen.
  • Aufbau eines skalierbaren digitalen Formats als Pilot für zukünftige Produkteinführungen.

Umsetzung:

  • Entwicklung eines modularen eLearning-Konzepts mit Articulate Rise.
  • Integration von Videos und KI-gestützten Voice-Overs für Niederländisch, Englisch und Deutsch.

Messung:

  • Teilnahmequote und Feedback im LMS sowie Rückmeldungen aus Roadshow und Zielgruppen.
  • Positive Bewertungen zu Struktur, Mehrsprachigkeit und Praxisnähe bestätigten den Erfolg.

Projektverantwortliche

Bredenoord GmbH
Saskia Claussen
Learning & Development Managerin
s.claussen@bredenoord.com
Jacobsrade 29
22962 Siek
www.bredenoord.com

Bredenoord B.V.
Robbin Sanders
Productmanager New Business
r.sanders@bredenoord.com
Zutphensestraat
7325 Apeldoorn, Niederlande
www.bredenoord.com