360°-Simulation trifft Awareness-Training
Jungheinrich stärkt Sicherheitskultur mit „Silent Extraction 360°“
Physische Sicherheitsrisiken gehören zu den am meisten unterschätzten Gefahren im Unternehmensalltag. Eine offene Tür, ein liegengebliebener Mitarbeiterausweis, ein flüchtiger Moment der Routine: oft reichen Sekunden, damit Sicherheitsmechanismen ins Wanken geraten. Mit „Silent Extraction 360°“ hat die Jungheinrich AG ein Lernprojekt geschaffen, das genau dort ansetzt. Statt trockener Theorie erwartet die Teilnehmenden ein interaktives 360°-Training, das sie mitten in ein realitätsnahes Szenario mit Perspektivwechsel versetzt: in die Rolle des Angreifers, der Sicherheitslücken und Risiken sichtbar macht.
Die physische Sicherheit von Unternehmen ist ein Thema, das in Zeiten digitaler Transformation oft in den Hintergrund tritt. Während Firewalls, Passwortrichtlinien und Verschlüsselungsstandards längst fester Bestandteil jeder Sicherheitsstrategie sind, bleiben viele alltägliche Schwachstellen im analogen Umfeld oft unbeachtet. Türen, Betrug mit Besucher- und Mitarbeiterausweisen sowie unachtsame Routinen im Eingangsbereich sind potenzielle Einfallstore; ein Risiko, dem die Jungheinrich AG, einer der führenden Anbieter von Intralogistiklösungen, mit dem Projekt „Silent Extraction 360°“ begegnet.
Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass bestehende Awareness-Maßnahmen zu physischen Sicherheitsrisiken häufig zu theoretisch blieben. Die Mitarbeitenden waren sich der Regeln bewusst, konnten sie jedoch im Arbeitsalltag nicht immer vollumfänglich umsetzen. Hinzu kam die große Heterogenität der Zielgruppe, die täglich an den verschiedenen Standorten weltweit unterwegs ist. Klassische eLearnings konnten dieser Vielfalt und der sozialen Dynamik realer Entscheidungsmomente kaum gerecht werden. Daher entstand der Wunsch nach einem Format, das Sicherheitsbewusstsein praxisnäher vermittelt, unterschiedliche Lernvoraussetzungen berücksichtigt und Lernen zu einem emotionalen Erlebnis macht. Ziel war es, physische Sicherheit als gemeinsame Verantwortung zu verankern, um die Sicherheitskultur im Unternehmen weiter zu stärken.
Lernbedarfe

Es zeichnet sich ein Trend ab, dass Cyberkriminelle ihre Aktivitäten zunehmend vom rein Digitalen in den physischen Raum ausweiten. Um diesem Trend frühzeitig entgegenzuwirken, wurden gezielte Maßnahmen zur Mitarbeitersensibilisierung ergriffen.
Zudem betrachteten viele Mitarbeitende physische Sicherheit als Aufgabe von IT oder Werkschutz. Dieses Verständnis stand im Widerspruch zur strategischen Zielsetzung, Sicherheit als gemeinsamen Verantwortungsbereich zu etablieren. Die Lernmaßnahme sollte deshalb verdeutlichen, dass alle Mitarbeitenden, unabhängig von Funktion, Standort oder Hierarchieebene, Teil eines kollektiven Sicherheitsnetzwerks ist und durch umsichtiges Verhalten einen wesentlichen Beitrag leisten kann.
Da sich die Belegschaft durch eine starke Internationalität und vielfältige Arbeitskontexte auszeichnet, war ein Lernformat erforderlich, das sprachlich, technisch und didaktisch universell anschlussfähig ist. Ob in der Verwaltung, im Lager, in der Produktion oder im Außendienst – das Training sollte leicht zugänglich sein und ohne besondere Vorkenntnisse genutzt werden können.
Zudem sollte das Thema selbst an Attraktivität gewinnen. Physische Sicherheit wurde von vielen als statisch und nicht relevant empfunden. Das neue Format sollte genau das durchbrechen und Lernen zu einem interaktiven Erlebnis machen. Realistische Situationen, Entscheidungsfreiheit und unmittelbares Feedback sollten dafür sorgen, dass die Teilnehmenden nicht nur informiert, sondern emotional eingebunden werden.
Vor diesem Hintergrund wurde das Ziel des Projekts klar definiert: Es sollte ein Schulungsformat entwickelt werden, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern das Verhalten der Mitarbeitenden verändert und damit auf die konzernweite Strategie „Global Security Culture & Behavior Change“ einzahlt. Mitarbeitende sollten nicht nur wissen, was physische Sicherheit bedeutet, sondern auch, warum sie entscheidend ist – und wie leicht sie im Alltag unbewusst kompromittiert werden kann. Damit verfolgte Jungheinrich zwei miteinander verknüpfte Zielrichtungen: Im Vordergrund stand die Sensibilisierung für physische Sicherheitsrisiken und die nachhaltige Veränderung individuellen Verhaltens; ergänzend sollten innovative Lernmethoden etabliert, Motivation und Engagement gesteigert sowie die Skalierbarkeit des Formats sichergestellt werden, um das Konzept perspektivisch auf weitere Einsatzfelder zu übertragen.
Projektverlauf
Die Idee zu „Silent Extraction 360°“ entstand aus der engen Zusammenarbeit zwischen Corporate Information Security und dem Learning & Innovation Team von Jungheinrich. Ziel war es, herkömmliche eLearnings zur physischen Sicherheit durch ein Format zu ersetzen, das realistischer, interaktiver und emotional wirksamer ist. Nach einem strukturierten Kick-off wurden Rollen und Aufgaben klar verteilt: Sebastian Graeber verantwortete die sicherheitsfachlichen Inhalte, Viktor Anufrijenko die didaktisch-technische Umsetzung.
In der ersten Entwicklungsphase dokumentierte Sebastian Graeber mithilfe einer 360°-Kamera sämtliche relevanten Bereiche des Jungheinrich Headquarters – vom Parkplatz über den Empfang bis zu sensiblen Zonen im Inneren. Diese Aufnahmen bildeten die Grundlage für eine virtuelle Lernumgebung, die Viktor Anufrijenko in Articulate Storyline umsetzte. Schrittweise entstand daraus ein interaktives Szenario mit Navigationspfeilen, Hotspots und ersten Entscheidungsoptionen, das die Teilnehmenden mitten ins Geschehen versetzt.
In der anschließenden Phase entwickelten Sebastian Graeber und Viktor Anufrijenko gemeinsam die interaktiven und spielerischen Elemente, die den immersiven Charakter des Trainings prägten. Dazu gehörte insbesondere der „Suspicious-Meter“, der auffälliges Verhalten sichtbar macht und aufzeigt, wie riskante Entscheidungen die eigene Mission gefährden. Ergänzt wurde das System durch Dialogstrukturen und multiple Handlungsverläufe, die den Trainingsverlauf individuell beeinflussen.
Nach einer Beta-Testphase mit einer kleinen Testgruppe und einer didaktischen Evaluation durch das Team Learning & Innovation wurden die Dialoge, Nutzerführung und Storyline verfeinert. Die finale Version wurde zunächst auf Deutsch, anschließend auf Englisch veröffentlicht, um auch internationale Standorte einzubeziehen.
Der Rollout erfolgte schließlich über das unternehmenseigene LMS Jungheinrich CAMPUS, wo es als „Training des Monats“ prominent platziert wurde. Eine begleitende Kommunikationskampagne über Intranetbeiträge und individuell auf die Zielgruppen zugeschnittene E-Mail-Newsletter erhöhte die Teilnahmequote deutlich. Bereits kurz nach dem Launch folgte eine Anfrage aus dem Vereinigten Königreich, das Training dort verpflichtend einzuführen: ein frühes Zeichen für seine internationale Relevanz und Akzeptanz.
Projektergebnis

Die ersten Reaktionen nach dem Rollout zeigten, dass das Konzept den Nerv der Zielgruppe traf. Das interaktive Trainingserlebnis mit seinem realitätsnahen Szenario zog die Teilnehmenden unmittelbar in die Handlung hinein und machte physische Sicherheitsrisiken greifbar. Besonders der Perspektivwechsel – selbst in die Rolle eines Angreifers zu schlüpfen und Schwachstellen aus dieser Sicht zu erleben – erwies sich als wirkungsstarkes didaktisches Element.
Zentral für die Wirksamkeit war der dynamische Aufbau des Trainings. Jede Entscheidung, die die Lernenden treffen, beeinflusst den weiteren Verlauf und Ausgang des Szenarios. Wer unauffällig bleibt, gelangt tiefer in das Unternehmensgebäude; wer unvorsichtig agiert, scheitert frühzeitig. Diese Struktur verleiht dem Training eine besondere Spannung, weil das eigene Handeln Konsequenzen hat – und damit das Bewusstsein für sicherheitskritische Situationen unmittelbar geschärft wird. Durch diese Mechanik entsteht ein erfahrungsbasiertes Lernen, das Reflexion und Eigenverantwortung fördert, statt bloß Wissen abzufragen.
Auch im LMS selbst spiegelte sich die Akzeptanz der 360°-Simulation deutlich wider. Die durchschnittliche Bewertung lag zwischen 3,8 und 4,0 von fünf Sternen bei zugleich auffälliger Polarisierung zwischen sehr niedrigen und sehr hohen Bewertungen. Somit wird deutlich, dass das Format keine Gleichgültigkeit auslöste, sondern im Gegenteil dazu führte, dass sich die Teilnehmenden aktiv mit dem Thema auseinandersetzten.
Auch technisch erwies sich das Projekt als zukunftsweisend: Das Training ist vollständig in das unternehmenseigene LMS Jungheinrich Campus integriert und dadurch orts- und zeitunabhängig nutzbar. Die Architektur ist modular angelegt, sodass Updates und Erweiterungen für weitere Standorte und Szenarien problemlos integriert werden können. Die gewonnenen Erfahrungen aus Konzeption und Umsetzung fließen bereits in die Entwicklung neuer Formate ein, mit dem Ziel, immersive, skalierbare Awareness-Trainings langfristig im Unternehmen zu verankern.
Fazit
„Silent Extraction 360°“ markiert für Jungheinrich einen neuen Standard im Bereich Security Awareness. Das Projekt verbindet didaktische Innovation mit strategischem Zielbezug: Statt abstrakter Schulung vermittelt es Sicherheit als erlebbare Erfahrung – direkt verknüpft mit der konzernweiten Strategie „Global Security Culture & Behavior Change“. Die Kombination aus 360°-Technologie, interaktiven Entscheidungen und narrativem Storytelling macht das Training zu einem realitätsnahen Lernformat mit emotionalem Zugang. Der Perspektivwechsel in die Rolle eines Angreifers, die unmittelbaren Konsequenzen eigener Handlungen und das Feedback über den „Suspicious-Meter“ schaffen ein Bewusstsein, das weit über theoretisches Wissen hinausgeht.
Mit diesem Ansatz hat Jungheinrich nicht nur ein erfolgreiches Training umgesetzt, sondern ein Modell für zukünftige Lernprojekte geschaffen: skalierbar, immersiv und auf die Weiterentwicklung der Sicherheitskultur ausgerichtet. Für diese Leistung zeichnet die Jury die Jungheinrich AG mit dem eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Virtuelle Lernwelt“ mit dem Schwerpunkt „360°-Simulation“ aus. Herzlichen Glückwunsch!
Keytakeaways
Ausgangssituation:
- Physische Sicherheitsrisiken wurden erkannt, aber primär theoretisch adressiert; bestehende eLearnings erreichten die Zielgruppen nur begrenzt.
- Routine und fehlender Praxisbezug führten dazu, dass Sicherheitsregeln im Alltag oft unbewusst umgangen wurden.
Projektziel:
- Sicherheitsbewusstsein emotional und praxisnah vermitteln, um Verhalten nachhaltig zu verändern.
- Physische Sicherheit als gemeinsame Verantwortung aller Mitarbeitenden etablieren und Lernkultur innovativ weiterentwickeln.
Umsetzung:
- Entwicklung eines immersiven 360°-Trainings mit realen Szenen, Storytelling und interaktiven Entscheidungen.
- Einführung des „Suspicious-Meter“ als spielerisches Feedbackinstrument und Rollout über das LMS Jungheinrich CAMPUS.
Messung:
- Durchschnittliche Bewertung von 3,8–4,0 von 5 möglichen Sternen bei hoher Beteiligung und spürbarer Polarisierung der Rückmeldungen.
- Die internationale Nachfrage unterstreicht sowohl den bisherigen Erfolg als auch die Skalierbarkeit des Formats.
Projektverantwortliche

Jungheinrich AG
Viktor Anufrijenko
Referent Digitales Lernen
Viktor.Anufrijenko@jungheinrich.de
Lawaetzstraße 9-13
22844 Norderstedt
www.jungheinrich.de

Sebastian Graeber
Information Security Awareness Manager
FIS Corporate Information Security
Sebastian.Graeber@jungheinrich.de
Friedrich-Ebert-Damm 129
22047 Hamburg
www.jungheinrich.de




