Wenn Wissen zur wichtigsten Exportware wird
Exportkontrolle mit Spannung: Lernen, das zum Mitdenken anregt
Exportkontrolle – allein das Wort lässt viele an Paragrafen, Vorschriften und trockene Schulungen denken. Dabei gehört sie für ein global agierendes Technologieunternehmen wie Rohde & Schwarz zum Alltag – und ist zugleich entscheidend für den Unternehmenserfolg. Doch selten weckt das Thema Neugier oder Begeisterung. Umso größer war die Herausforderung, ein Lernformat zu entwickeln, das Wissen verankert, Verantwortung fördert und im Gedächtnis bleibt. Die Lösung: ein eLearning im Stil einer Kriminalgeschichte, in dem die Lernenden den Protagonisten bei ihren Ermittlungen über die Schulter schauen und selbst aktiv werden, um den Fortgang der Ermittlungen zu erfahren – Lernen mit Spannung statt Pflichtgefühl.
Exportkontrolle legt fest, welche Güter und Technologien ein Land verlassen dürfen und unter welchen Voraussetzungen Exporte zulässig sind. Ihr Ziel ist es, sensible Informationen zu schützen und die Sicherheitsinteressen Deutschlands zu wahren und zur internationalen Friedenssicherung beizutragen. Damit bewegt sich das Thema im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Interessen und politischer Verantwortung – ein Bereich, der zentral ist, im Alltag vieler Unternehmen jedoch abstrakt bleibt.
Auch bei Rohde & Schwarz, einem international tätigen Technologiekonzern, spielt Exportkontrolle eine Schlüsselrolle. Das Unternehmen entwickelt Lösungen für Messtechnik, Kommunikation und Sicherheit – hier sind Präzision und Verantwortung untrennbar. Exportkontrolle endet nicht an der Werkstorgrenze – sie betrifft alle Unternehmensbereiche angefangen von der Entwicklung über die Produktion bis zum Service gleichermaßen. Jede Lieferung, Datenweitergabe oder Kooperation kann rechtliche Konsequenzen haben, wenn sie gegen geltendes Recht verstößt. Die Regelungen sind umfangreich und vielschichtig – und oft ist den Mitarbeitenden unklar, welche Handlung unter die Vorschriften fällt.
Diese Unschärfe macht das Thema anspruchsvoll für Schulung und interne Kommunikation. Denn Wissen allein reicht nicht: Mitarbeitende müssen verstehen, welche Folgen ihre Entscheidungen haben und wie sie Risiken einschätzen können. Genau hier setzte das Projektteam von Rohde & Schwarz an – mit dem Ziel, ein Lernformat zu schaffen, das Fakten, Verständnis und Verantwortung verbindet und die Lernenden aktiv einbindet.
Lernbedarfe

Exportkontrolle zählt zu den Themen, die unverzichtbar sind, aber selten Begeisterung auslösen. Die rechtlichen Grundlagen sind komplex, die Konsequenzen bei Verstößen gravierend – doch das Bewusstsein wie es die eigene Rolle im Arbeitsalltag betrifft, bleibt oft gering. In vielen Bereichen fehlt das Wissen, welche Handlungen tatsächlich unter die Vorschriften fallen und welche Folgen fehlerhafte Entscheidungen nach sich ziehen können.
Deswegen entschied sich Rohde & Schwarz für eine eigenständige verpflichtende Grundlagenschulung zur Sensibilisierung aller Mitarbeitenden im Konzernverbund.
Aus diesem Ansatz ergaben sich klare Lernziele: Die Teilnehmenden sollten nicht nur die grundlegenden Prinzipien der Exportkontrolle kennen, sondern auch verstehen, wie sich deren Anforderungen auf ihre tägliche Arbeit übertragen lassen. Ebenso wichtig war es, eine Haltung zu fördern, die Regelkonformität nicht als äußeren Zwang, sondern als selbstverständlichen Teil professionellen Handelns begreift – und dieses Bewusstsein durch aktives Erleben zu festigen.
Schnell wurde deutlich, dass es nicht nur um die Vermittlung von Fakten gehen konnte, sondern um die Frage, wie Lernen Begeisterung und Verantwortung zugleich fördern kann. Der Weg zu mehr Motivation führte über einen Ansatz, der Spannung und Wissen verbindet. Das Projektteam entschied sich daher, die Lerninhalte in eine fallbasierte Fortsetzungsgeschichte einzubetten – ein Lernansatz, der Exportkontrolle nicht nur erklärt, sondern erlebbar macht.
Projektverlauf
Ausgehend von den identifizierten Lernbedarfen entwickelte Rohde & Schwarz ein Konzept, das klassische Wissensvermittlung mit erlebnisorientierten Lernelementen verbindet. Ziel war es, Exportkontrolle als relevantes Thema des Arbeitsalltags begreifbar zu machen – nicht als trockene Vorschrift. Damit verlagerte sich der Fokus vom reinen Wissenserwerb hin zu einer aktiven Auseinandersetzung mit realen Entscheidungssituationen.
Im ersten Schritt analysierte das Projektteam die typischen Szenarien, in denen Mitarbeitende der verschiedenen Unternehmensbereiche mit exportrelevanten Fragestellungen konfrontiert sind. Sie stammten direkt aus dem Unternehmenskontext und spiegelten Situationen wider, in denen Aspekte der Exportkontrolle aktiv berücksichtig werden müssen. Aus dieser Analyse wurden, die für alle Mitarbeitenden relevanten Grundlagen identifiziert, die das Training vermitteln muss. Es wurde ein exemplarischer Fall identifiziert, anhand dessen diese Grundlagen leicht verständlich veranschaulicht werden können.
Um das Lernen greifbarer und motivierender zu gestalten, entschied sich das Projektteam für einen außergewöhnlichen Ansatz: Die Inhalte werden entlang des Falls in Form einer Kriminalgeschichte vermittelt, die sich über mehrere Kapitel entfaltet. Eine fiktive Geschichte rund um eine verdächtige Lieferung macht die Lernenden zu Ermittelnden. Jede Episode endet mit einer Wendung, deren Auflösung erst dann sichtbar wird, wenn die Teilnehmenden zuvor aktiv am Fall mitgearbeitet haben. Dieses Fortsetzungskonzept erzeugt Neugier, die zum Weiterlernen anregt – Wissen entsteht im Prozess des Mitdenkens.
Um den Fall spannungsvoll aufzubereiten, wurden verschiedene Story-Ansätze für den Krimi entwickelt und letztendlich jener ausgewählt, der am besten auf die Lernziele zur Exportkontrolle einzahlt. In enger Kooperation mit dem hausinternen Videostudio von Rohde & Schwarz entwickelten Regisseur und Drehbuchautor auf Basis des ausgewählten Story-Ansatzes ein mitreißendes und visuell abwechslungsreiches Drehbuch für die drei Videosequenzen des Fortsetzungskrimis. Der zweitägige Dreh mit professionellen Darstellern und Kamerateam wurde in eigenen Räumen am Unternehmenssitz in München durchgeführt.
Aufbau und Didaktik des Trainings

Die inhaltliche Struktur des Trainings folgt der Logik: vom Allgemeinen zum Konkreten: Dabei nutzt das Training ab der ersten Sekunde den Fall, um die Aufmerksamkeit zu lenken: von der Einführung in zentrale Begriffe, über die schrittweise Analyse des Falls bis zur Auflösung. Am Ende folgt Auseinandersetzung mit konkreten thematischen Ansatzpunkten für jeden einzelnen Unternehmensbereich.
Didaktisch kombiniert das Format narrative Elemente mit klar strukturierten Wissensbausteinen, die komplexe Regelwerke Schritt für Schritt verständlich machen. Nach jeder erzählerischen Sequenz folgen interaktive Aufgaben, die Faktenwissen mit der Handlung verknüpfen. Auf diese Weise wird Lernen zu einem interaktiven Prozess, in dem sich Wissen, Emotion und Handlungskompetenz gegenseitig verstärken.
Bei der Umsetzung legte das Projektteam großen Wert auf Realitätsnähe und Verständlichkeit. Die Geschichte wurde gemeinsam mit Fachexpert:innen für Exportkontrolle entwickelt, um authentische Szenarien zu gewährleisten. In mehreren Interaktionsschleifen wurde, das die Story tragende Fallbeispiel und das Training verbessert, so dass das finale Produkt Mitarbeitende aus allen Unternehmensbereichen anspricht und begeistert. Besonders gelobt wurde die Mischung aus Spannung und Relevanz, die komplexe Zusammenhänge intuitiv begreifbar macht.
Projektergebnis
Nach der Entwicklungsphase wurde das eLearning unternehmensweit ausgerollt – mit bemerkenswert hoher Akzeptanz und außergewöhnlich positivem Feedback. Struktur und Erzählweise motivierten viele, sich über die Pflichtteilnahme hinaus intensiver mit Exportkontrolle zu beschäftigen. Viele beschrieben das Training als fesselnd, relevant und überraschend lebendig – ein Lernformat, das durch seinen Krimi-Charakter Spannung erzeugte und zum Mitdenken anregte.
Der Erfolgsfaktor lag in der Verbindung von Storytelling und Interaktivität. Durch die fortlaufende Fallgeschichte, die erst nach aktiver Mitarbeit weitergeführt wird, entstand eine Anziehungskraft, die das Lernen mit echter Spannung verband. Statt passivem Konsum erlebten die Teilnehmenden Exportkontrolle als dynamischen Prozess, in dem sie selbst Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen mussten. Die aktive Einbindung sorgte dafür, dass die Lernenden Inhalte nachhaltig verinnerlichten.
Die Evaluation bestätigte den Erfolg: hohe Abschlussquoten, durchweg positives Feedback und zahlreiche Rückmeldungen, die den erzählerischen Aufbau als „überraschend motivierend“ und „endlich anders“ hervorhoben. Die Kombination aus Erzählstruktur und Interaktion prägte Wissen nachhaltiger ein als frühere Formate. Die Nachfrage nach weiteren Inhalten der Exportkontrolle auf den Intranetseiten des Unternehmens nahm spürbar zu, die Exportkontrollabteilung merkt im direkten Kontakt mit den Fachabteilungen die gestiegene Sensibilisierung und wird häufiger um Rat gefragt.
Auch technisch und didaktisch überzeugte das eLearning. Die klare Dramaturgie, die intuitive Navigation sorgen für eine äußerst niedrige Anzahl an Support-Anfragen von Lernenden. Die Umsetzung in einem in-house etablierten Autorentool sichert leicht umsetzbare und kostengünstige Updates, sowie die einfache Erstellung von Sprachversionen. Das Format zeigt, wie erzählerische Spannung und Interaktivität mit Standard-Systemen ungesetzt werden können und das Lernen langfristig wirksam machen.
Fazit
Mit dem eLearning zur Exportkontrolle zeigt Rohde & Schwarz, dass selbst komplexe und sensible Themen verständlich, praxisnah und motivierend vermittelt werden können. Das Projekt zeigt, wie wirkungsvoll Storytelling ist, wenn Wissen mit Spannung und Eigenverantwortung verschmilzt. Statt auf reine Informationsvermittlung zu setzen, verknüpft das Training rechtliche Inhalte mit einer fortlaufenden Kriminalgeschichte – und schafft damit ein Lernerlebnis, das überrascht, aktiviert und im Gedächtnis bleibt.
Das Projekt verbindet Emotion und Fachwissen: Die Lernenden werden Teil der Handlung, treffen Entscheidungen und erleben, wie komplexe Regeln in reale Situationen übersetzt werden. So wird aus der Pflichtschulung ein aktives Lernerlebnis, das Verständnis, Haltung und Handlungskompetenz gleichermaßen stärkt. Nachhaltig ist das Projekt zusätzlich, weil es langfristig das Bewusstsein für Verantwortung und Compliance im Unternehmen fördert. Klare Dramaturgie und der Einsatz bewehrter Produktionstools halten die Kosten für Support und Wartung des eLearning gering.
Gleichzeitig hat die Entwicklung des Projekts gezeigt, dass Lernen besonders effektiv wird, wenn es Spannung mit Praxisrelevanz verbindet. Für andere Unternehmen ergibt sich eine Erkenntnis: Wenn Lernformate Fakten in Geschichten übersetzen, entsteht nachhaltiges Verständnis – und eine Kultur, in der Wissen erlebbar wird. Damit setzt Rohde & Schwarz ein Zeichen dafür, wie modernes Lernen heute aussehen kann: interaktiv, erzählerisch und wirksam. Die Jury zeichnet das Projekt für die gelungene Verbindung von Fachwissen, Verantwortungsbewusstsein und erzählerischer Didaktik mit den eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Storytelling“ mit dem Schwerpunkt „Szenariobasiertes Lernen“ aus. Herzlichen Glückwunsch!
Keytakeaways
Ausgangssituation:
- Exportkontrolle galt als komplex und trocken; Mitarbeitende erkannten die Risiken und ihren Beitrag in der täglichen Arbeit oft nicht.
- Das Thema hatte eine zu geringe Präsenz im Bewusstsein der Mitarbeitenden.
Projektziel:
- Verständnis und Bewusstsein für Exportkontrolle stärken – weg vom Pflichtwissen, hin zu verantwortlichem Handeln.
- Ein Lernformat schaffen, das Wissen erlebbar macht und dauerhaft im Arbeitsalltag verankert.
Umsetzung:
- Entwicklung eines storybasierten eLearnings in Anlehnung an einen Fortsetzungskrimi mit einem fiktiven Fall und realen Anknüpfungspunkten für die Unternehmensbereiche.
- Enge Zusammenarbeit mit dem Fachbereich und der internen Videoabteilung für hohen Praxisnähe, Verständlichkeit und eine mitreißende Inszenierung.
Messung:
- Hohe Akzeptanz und Abschlussraten, positives Feedback in internen Evaluationen.
- Spürbar gestiegenes Bewusstsein und mehr Handlungssicherheit im Umgang mit exportrelevanten Prozessen.
Projektverantwortliche
Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG
Kati Weiß
Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin
kati.weiss@rohde-schwarz.com
Mühldorfstraße 15
81671 München
www.rohde-schwarz.com




