Moderne Ausbildung in einem sensiblen Arbeitsfeld
Ahorn Gruppe digitalisiert die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft
Die Digitalisierung der beruflichen Bildung ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit. Besonders in Branchen mit dezentralen Strukturen und hohem Fachkräftemangel sind skalierbare, digitale Lernlösungen gefragt. Die Ahorn Gruppe, die zu den traditionsreichsten und führenden Bestattungsunternehmen Deutschlands gehört, hat diesen Wandel frühzeitig erkannt und ein umfassendes eLearning-Projekt initiiert, das Ausbildungsqualität verbessert und die Grundlage für nachhaltige Fachkräftesicherung legt.
Die deutsche Bestattungsbranche ist traditionell geprägt von kleinen, familiengeführten Betrieben und regionalen Strukturen. In diesem Umfeld hebt sich die Ahorn Gruppe deutlich hervor: Mit über 330 Filialen, 100 Marken und mehr als 1.300 Mitarbeitenden ist sie eine der führenden Anbieterinnen von Bestattungsdienstleistungen bundesweit. Angesichts des demografischen Wandels steht das Unternehmen vor einer zentralen Herausforderung: In den kommenden Jahren werden zahlreiche erfahrene Fachkräfte in den Ruhestand gehen. Die Sicherung von Know-how und die gezielte Nachwuchsförderung sind daher strategisch essenziell.
Der Beruf der Bestattungsfachkraft ist noch vergleichsweise jung – erst 2003 wurde er als anerkannter Ausbildungsberuf eingeführt. Seit 2022 bildet die Ahorn Gruppe wieder gezielt junge Mitarbeitende aus. Im ersten Jahr waren es 13 Auszubildende, heute sind es insgesamt 30, die die dreijährige Lehrzeit durchlaufen. Um den zukünftigen Bedarf an Mitarbeitenden abdecken zu können und optimale Bedingungen für die Ausbildung des eigenen Nachwuchses zu ermöglichen, wurde im Jahr 2023 die Funktion einer zentralen Ausbildungskoordination geschaffen. Ziel war es, eine zentrale Anlaufstelle für Auszubildende sowie deren Ausbilderinnen und Ausbilder zu etablieren und ein ergänzendes internes Ausbildungsprogramm aufzubauen, und damit die Grundlage für eine einheitliche und zukunftsfähige Ausbildung zu legen.
Lernbedarfe

Die Ausbildung in der Bestattungsbranche war lange Zeit von dezentralen Strukturen geprägt. Unterschiedliche Ausbildungsansätze an den mittlerweile mehr als 300 Standorten der Ahorn Gruppe führten zu variierenden Qualitätsstandards und erschwerten den Vergleich von Lernfortschritten. Hinzu kam, dass Best Practices nur selten geteilt wurden und die Transparenz über Inhalte und Ausbildungsstationen begrenzt blieb. Für ein Unternehmen, das mit dem Ruhestand vieler erfahrener Fachkräfte konfrontiert ist, stellte diese Situation ein erhebliches Risiko dar: Ohne systematische Nachwuchsförderung drohte wertvolles Know-how verloren zu gehen.
Damit wurde deutlich, dass eine zentrale digitale Lernplattform unverzichtbar war. Sie sollte einheitliche Qualitätsstandards sicherstellen, Lerninhalte transparent machen und allen Beteiligten einen orts- und zeitunabhängigen Zugriff ermöglichen. Darüber hinaus bestand der Bedarf, die Ausbildungsordnung digital abzubilden und Lernziele systematisch zu überprüfen, um eine verlässliche Vergleichbarkeit zwischen den Standorten zu erreichen. Besonders wichtig war auch eine praxisnahe Gestaltung: Virtuelle Klassenräume, interaktive Webinare und digitale Tools für Aufgaben und Feedback sollten fester Bestandteil sein, um Austausch und gemeinsames Lernen zu fördern.
Aus der Perspektive der Zielgruppen zeigte sich der Bedarf noch deutlicher: Auszubildende wünschten sich klare Strukturen, einen verlässlichen Überblick über ihren Lernstand und die Möglichkeit, Lernfortschritte zu dokumentieren. Ausbildende forderten hingegen Werkzeuge, um die Ausbildung besser begleiten und den Austausch zwischen den Standorten stärken zu können.
Damit war der Handlungsdruck eindeutig: Ohne eine digitale Plattform ließen sich Transparenz, Vergleichbarkeit und nachhaltige Fachkräftesicherung nicht erreichen. Die Einführung einer solchen Lösung war daher nicht optional, sondern eine strategische Notwendigkeit, um die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft zukunftsfähig zu machen.
Durch diese enge Verzahnung von Analyse, Pilotierung, technischer Umsetzung und begleitender Qualifizierung entstand in kurzer Zeit eine digitale Ausbildungsarchitektur, die nicht nur verbindliche Standards schafft, sondern auch die Eigeninitiative aller Beteiligten stärkt.
Projektverlauf
Die Umsetzung des Projekts orientierte sich an einer klaren Meilensteinlogik und griff das Modell der „5 Moments of Need“ auf, um Lerninhalte praxisnah und bedarfsgerecht zu gestalten – ein entscheidender Faktor in der Bestattungsbranche.
Zu Beginn 2023 startete das Projektteam mit einer umfassenden Analyse aller Zielgruppen. Auszubildende, Ausbildende und Betriebsleitende wurden systematisch befragt, um Erwartungen, Herausforderungen und bestehende Ausbildungsprozesse zu erfassen. Dabei zeigte sich nicht nur der Mangel an Standardisierung, sondern auch, dass innovative Ansätze an einzelnen Standorten vorhanden waren, bislang aber kaum übergreifend genutzt wurden. Die Geschäftsführung brachte die strategische Perspektive ein und stellte sicher, dass die Ausbildung als zentrales Unternehmensziel verankert wurde.
Auf dieser Basis bildete sich ein interdisziplinäres Team, das pädagogische und technische Expertise vereinte. Gemeinsam entwickelten sie eine modulare Struktur der Lerninhalte, die sich konsequent an den „5 Moments of Need“ orientierte. Ab September 2023 begann die Pilotphase: Erste Module wurden mit einem neuen Ausbildungsjahrgang in ausgewählten Regionen getestet. Feedbackschleifen führten zu gezielten Anpassungen noch während der Testphase – ein Vorgehen, das die Akzeptanz deutlich erhöhte. Ergänzend dazu wurde der Entwicklungsprozess bewusst iterativ angelegt: Durch regelmäßige Feedbackrunden mit den Zielgruppen blieb die Plattform praxisnah und gewann schon früh hohe Akzeptanz.
Mit dem Jahreswechsel 2024 startete die technische Implementierung. Der „Ahorn Ausbildungs-Campus“ wurde unternehmensweit für die Zielgruppen Auszubildende und Ausbildende freigeschaltet und machte Ausbildungspläne transparent, die mit Microsoft Planner digital abgebildet wurden. Ab Juli erleichterte ein digitales Berichtsheft die Dokumentation, im August kamen Werkzeuge zur Lernzielkontrolle und für Feedback hinzu.
Zur Unterstützung der Einführung wurden praxisnahe Schulungen für Auszubildende durchgeführt. Für Ausbildende gab es gezielte Coachings und Webinare, in denen konkrete Anwendungsszenarien erarbeitet wurden. Ergänzt durch virtuelle Treffen entstand so ein standortübergreifendes Netzwerk, das den Wissenstransfer förderte und die Lernkultur nachhaltig veränderte.
Durch diese enge Verzahnung von Analyse, Pilotierung, technischer Umsetzung und begleitender Qualifizierung entstand in kurzer Zeit eine digitale Ausbildungsarchitektur, die nicht nur verbindliche Standards schafft, sondern auch die Eigeninitiative aller Beteiligten stärkt.
Projektergebnis

Die Digitalisierung der Ausbildungsinhalte führte in der Ahorn Gruppe zu messbaren Verbesserungen in Qualität und Einheitlichkeit. Durch die zentrale Bereitstellung von Lernmaterialien und die Möglichkeit, jederzeit darauf zuzugreifen, stieg die Ausbildungsqualität spürbar. Gleichzeitig erreichten alle Auszubildenden denselben Wissensstand, da Inhalte und Standards vereinheitlicht wurden – ein entscheidender Fortschritt gegenüber der früheren dezentralen Praxis.
Die neue digitale Struktur brachte zudem Flexibilität und Transparenz: Ausbildungspläne im Microsoft Planner machten Fortschritte sichtbar, während das digitale Berichtsheft die Dokumentation vereinfachte und den administrativen Aufwand reduzierte. Virtuelle Klassenräume und Webinare förderten den Austausch zwischen den Standorten und stärkten die Zusammenarbeit von Auszubildenden und Ausbildenden.
Auch die Akzeptanz im Unternehmen entwickelte sich positiv. Anfangs vorhandene Skepsis, vor allem bei erfahrenen Ausbildenden, konnte durch praxisnahe Schulungen, persönliche Coachings und die spürbare Entlastung im Alltag abgebaut werden. Insbesondere neue Jahrgänge nahmen die digitalen Werkzeuge selbstverständlich an, was die Dynamik zusätzlich verstärkte.
Der Erfolg zeigt sich auch in den ersten Zahlen: 2024 schlossen drei Auszubildende ihre Ausbildung erfolgreich ab und wurden übernommen. Im Jahr 2025 bestanden von 15 Auszubildenden 13 ihre Prüfung, zehn von ihnen fanden direkt als Bestattungsfachkräfte ihren Platz im Unternehmen. Künftig sollen diese Ergebnisse noch systematischer durch Feedbackinstrumente und Kennzahlen zu Prüfungserfolgen, Übernahmequoten und Zufriedenheit erfasst werden. Ein weiterer Vorteil ist die modulare Architektur des Systems: Inhalte lassen sich unkompliziert erweitern oder anpassen, sodass die Plattform langfristig mit den Anforderungen der Branche mitwächst.
Fazit
Das Projekt zur Digitalisierung der Ausbildung hat innerhalb kurzer Zeit klare und verbindliche Strukturen geschaffen, die heute den Rahmen für eine moderne, transparente und praxisnahe Ausbildungslandschaft in der Ahorn Gruppe bilden. Digitale Abbildungen der Ausbildungsordnung sowie die zentrale Bereitstellung von Lerninhalten über den Ahorn Campus und die mobile Nutzbarkeit aller Werkzeuge im Ausbildungsalltag stießen auf große Akzeptanz bei Ausbildenden und Auszubildenden.
Als ein entscheidender Erfolgsfaktor hat sich die Rolle der zentralen Ausbildungskoordination erwiesen: Ausbildung wird heute sichtbar organisiert, begleitet und fachlich gestützt – mit klaren Ansprechpersonen, einheitlichen Abläufen und einem hohen Maß an Verlässlichkeit. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die neuen Strukturen greifen und sich die Ausbildungsqualität spürbar verbessert hat. Künftig soll dieser Erfolg noch systematischer erfasst werden – mit Kennzahlen zu Prüfungsergebnissen, Übernahmequoten und Ausbildungszufriedenheit.
Darüber hinaus entfaltet das Projekt Signalwirkung über die Ahorn Gruppe hinaus. In einem Berufsfeld, das bislang kaum digitale Standards kennt, wurde mit dem Ahorn Campus eine innovative Ausbildungsarchitektur geschaffen, die Lernen, Dokumentation und Begleitung in einer Gesamtlösung vereint. Zugleich liefert das Projekt Impulse für die interne Weiterbildung: Viele Module werden bereits genutzt, um auch bestehende Mitarbeitende gezielt zu qualifizieren. Damit leistet die Ahorn Gruppe Pionierarbeit in der Bestattungsbranche und zeigt, wie digitale Strukturen nicht nur Fachkräfte sichern, sondern auch die Attraktivität eines sensiblen Berufsbildes steigern können. Für diese Leistung vergibt die Jury den eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Lernplattform“ mit dem Schwerpunkt „Ausbildung“. Herzlichen Glückwunsch!
Keytakeaways
Ausgangssituation:
- Keine einheitliche Ausbildungsstruktur, variierende Qualitätsstandards und geringe Transparenz gefährdeten die Fachkräftesicherung.
Projektziel:
- Aufbau einer digitalen Plattform, die die Ausbildung vereinheitlicht, Transparenz schafft und den Beruf sowie die Unternehmensentwicklung nachhaltig sichert.
Umsetzung:
- Systematische Einbindung aller Zielgruppen, modulare Entwicklung des Ahorn Campus sowie Schulungen und Coachings für Akzeptanz.
Messung:
- Erste Erfolge anhand von Abschluss- und Übernahmequoten; künftig systematische Auswertung über Kennzahlen.
Projektverantwortliche

Ahorn Gruppe
Michelle Slawinski
Human Resources / Ausbildungskoordinatorin
michelle.slawinski@ahorn-gruppe.de
Fürstenbrunner Weg 10/12
14059 Berlin
www.ahorn-gruppe.de




