Wenn Lernen Wellen schlägt
Vom Nichtschwimmer zum KI-Ass: Eintauchen ins Meer der Digitalisierung
Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunftsthema mehr. Sie verändert bereits heute den Arbeitsalltag vieler Beschäftigter, auch im Hilfs- und Sozialwesen. Doch wie lässt sich der verantwortungsvolle Umgang mit KI in einer Organisation mit fast 100.000 haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden vermitteln? Die SoCura gGmbH, der interne IT-Dienstleister der Malteser, hat darauf eine praxisnahe und spielerische Antwort gefunden: Das eLearning-Projekt „KI-Seepferdchen“ zeigt, wie regulatorische Vorgaben der europäischen KI-Verordnung in motivierende Lernformate übersetzt werden können – mit greifbaren Beispielen, modularen Microlearning-Einheiten und einem kreativen Gamification-Ansatz, der auch skeptische Zielgruppen erreicht. Es ist ein Lernkonzept, das Pflicht und Motivation, Regelkonformität und Begeisterung auf einzigartige Weise verbindet und damit neue Maßstäbe für digitales Lernen im Non-Profit-Bereich setzt.
Die digitale Transformation stellt auch Hilfsorganisationen vor neue Herausforderungen: Technologien wie Künstliche Intelligenz verändern nicht nur Prozesse, sondern auch Verantwortlichkeiten. Für die Malteser bedeutet das, Mitarbeitende in ganz unterschiedlichen Rollen (vom Rettungsdienst bis zur Verwaltung) auf diesen Wandel vorzubereiten.
Mit dem eLearning Konzept des KI-Seepferdchens hat die SoCura gGmbH ein innovatives Schulungskonzept entwickelt, das praxisnah, modular und motivierend vermittelt, wie KI verantwortungsvoll eingesetzt wird. Ziel war es, nicht nur Wissen über Chancen und Risiken zu vermitteln, sondern die Teilnehmenden zu befähigen, KI aktiv und reflektiert in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Das Training verbindet rechtliche Anforderungen der neuen EU-KI-Verordnung mit didaktischer Kreativität: Storytelling, Gamification und interaktive Szenarien machen komplexe Themen greifbar und verwandeln eine Pflichtschulung in ein Lernerlebnis, das Wissen verankert, Motivation stärkt und nachhaltigen Kompetenzaufbau ermöglicht.
Lernbedarfe

Der Bedarf an einer strukturierten und zugleich praxisnahen Schulung zum Thema Künstliche Intelligenz entstand im Malteser Hilfsdienst aus einem klaren Spannungsfeld: Einerseits fordert die europäische KI-Verordnung von Organisationen den Nachweis, dass Mitarbeitende verantwortungsvoll mit KI-Systemen umgehen können. Andererseits fehlte es bislang an geeigneten Lernangeboten, die diese regulatorischen Anforderungen mit der gelebten Praxis einer Hilfsorganisation verbinden. Hinzu kam die enorme Heterogenität der Zielgruppen: Während IT-affine Fachkräfte bereits im Umgang mit KI-Anwendungen wie Microsoft Copilot vertraut waren, verfügten viele Ehrenamtliche und Pflegekräfte nur über geringe digitale Vorkenntnisse.
Das eLearning-Projekt „KI-Seepferdchen“ setzte genau hier an. Es sollte alle Mitarbeitenden unabhängig von technischer Expertise, Funktion oder Einsatzbereich abholen und ihnen Sicherheit im Umgang mit KI vermitteln. Neben der Wissensvermittlung standen deshalb auch Haltung und Reflexion im Fokus: Welche Chancen eröffnet KI für die eigene Arbeit? Wo liegen ethische und datenschutzrechtliche Grenzen? Wie lassen sich Risiken vermeiden, ohne Innovationspotenziale zu blockieren? Der Lernbedarf war somit nicht nur gesetzlich motiviert, sondern Ausdruck eines kulturellen Wandels hin zu mehr digitaler Mündigkeit, Vertrauen und Lernfreude im Umgang mit neuen Technologien.
Projektverlauf
Der Startschuss für das Projekt fiel mit einem interdisziplinären Kick-off, bei dem Vertreter:innen aus IT-Compliance, und Redaktion und E-Learning der SoCura gemeinsam die Grundlagen legten. Von Beginn an stand fest: Das Projekt sollte kein reines Pflichtmodul werden, sondern ein motivierendes Lernformat, das die Lernkultur im Malteser Hilfsdienst stärkt und den verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz praxisnah vermittelt. Grundlage der Umsetzung war das bewährte ADDIE-Modell (Analyse, Design, Development, Implementation und Evaluation), das iterativ angewendet wurde, um maximale Passgenauigkeit, Akzeptanz und Qualität sicherzustellen.
In der Analysephase wurden Lernziele, Zielgruppenprofile und konkrete Anwendungsfälle detailliert erhoben. Dabei stützte sich das Projektteam auf Erfahrungswerte aus dem Support der Lernplattform Malteser Campus, Feedback aus dem internen sozialen Netzwerk Viva Engage sowie Erkenntnisse aus früheren Trainings. Besonders wichtig war, die Heterogenität der Zielgruppe zu verstehen: vom digital erfahrenen IT-Mitarbeitenden bis hin zur Pflegekraft mit geringen technischen Vorkenntnissen. Diese Bedarfsanalyse bildete das Fundament für ein Training, das alle Teilnehmenden abholt, unabhängig von ihrer digitalen Routine oder Funktion.
In der Designphase wurde die inhaltliche Struktur des Trainings entwickelt. Der modulare Aufbau sah kurze, thematisch fokussierte Microlearning-Einheiten vor, die flexibel in den Arbeitsalltag integriert werden können. Jedes Modul beleuchtet zentrale Themen wie Chancen und Risiken von KI, ethische Fragen, Datenschutz und praxisnahe Anwendungsszenarien, beispielsweise den Einsatz von Microsoft Copilot im Büroalltag. Ergänzt wurde das Konzept durch interaktive Elemente, Storytelling und Gamification, um Lernen erlebbar zu machen.
Die Umsetzungsphase erfolgte mit dem Autorentool Knowledgeworker Create, das bereits in anderen SoCura-Projekten erfolgreich eingesetzt wurde. Die Inhalte wurden durch gezeichnete Illustrationen, animierte GIFs und kurze Wissensabfragen aufgelockert. Ein besonderes Highlight war der Abschlusstest, entwickelt mit Knowledgeworker Coach: In einem interaktiven Gesprächsszenario schlüpfen Lernende in die Rolle eines KI-Experten aus dem Malteser KI-Kompetenzzentrum und beraten eine Kollegin beim Einsatz von KI im Arbeitsalltag – ein lebendiger Wissenstransfer statt eines klassischen Multiple-Choice-Tests.
Vor dem Rollout wurde eine Pilotphase mit einer repräsentativen Testgruppe durchgeführt. Die Teilnehmenden prüften Usability, Verständlichkeit und Praxisnähe und gaben wertvolles Feedback, das direkt in die Optimierung einfloss. Erst danach startete der Rollout über den Malteser Campus, begleitet von einer gezielten Kommunikationskampagne in Viva Engage und per E-Mail. Diese interne Promotion, kombiniert mit dem spielerischen Element des KI-Seepferdchen-Abzeichens als Zertifikatssymbol, sorgte für hohe Sichtbarkeit, Begeisterung und eine außergewöhnlich hohe Teilnahmequote.
Projektergebnis

Das eLearning-Projekt „KI-Seepferdchen“ übertraf bereits kurz nach dem Rollout alle Erwartungen, sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht. Innerhalb der ersten acht Wochen erreichte die Schulung eine Abschlussquote von 60 %, was deutlich über dem Plattformdurchschnitt von 49 % liegt. Besonders bemerkenswert: Neben den rund 700 verpflichtend eingeschriebenen Teilnehmenden meldeten sich zusätzlich über 900 Mitarbeitende freiwillig an. Dieses außergewöhnliche Engagement zeigt, dass das Trainingskonzept über reine Pflichtteilnahme hinaus Anziehungskraft entfaltet und als relevantes, praxisnahes Lernangebot wahrgenommen wird.
Die hohe Zufriedenheit der Lernenden belegt den Erfolg ebenso deutlich: Mit einer Bewertung von 4,71 von 5 Sternen bei 146 Rückmeldungen zählt das „KI-Seepferdchen“ zu den bestbewerteten Schulungen auf dem Malteser Campus, dessen Gesamtdurchschnitt bei 3,89 Sternen liegt. In Kommentaren auf Viva Engage lobten die Teilnehmenden insbesondere den lebendigen Aufbau, die realitätsnahen Beispiele und das sympathische Storytelling. Viele betonten, dass das Lernformat nicht nur Spaß mache, sondern auch nachhaltig im Gedächtnis bleibe. Das symbolische KI-Seepferdchen entwickelte sich rasch zu einem Sinnbild für gelungenen Wissenstransfer – verbindend, motivierend und identitätsstiftend zugleich.
Darüber hinaus erzielte das Projekt nachhaltige Wirkung auf die Lernkultur innerhalb der Organisation. Die praxisnahe Umsetzung, kombiniert mit spielerischen Elementen und Microlearning-Strukturen, senkte Hemmschwellen gegenüber digitalen Schulungen und machte Lernen im Arbeitsalltag selbstverständlich. Besonders positiv wirkte sich der modulare Aufbau auf den Lerntransfer aus: Mitarbeitende berichteten, dass sie ihr neues Wissen direkt in der täglichen Arbeit anwenden konnten, sei es im Umgang mit Tools wie Microsoft Copilot oder in der kritischen Bewertung von KI-Anwendungen.
Ein weiterer Erfolg liegt in der institutionellen Verankerung: Das Projekt ebnete den Weg für zukünftige Trainingsinitiativen. Aufbauend auf den Erfahrungen mit dem KI-Seepferdchen arbeitet die SoCura bereits an der nächsten Stufe: dem „KI-Bronzeabzeichen“, das Mitarbeitende in der ethischen, rechtssicheren und produktiven Anwendung von KI weiter qualifiziert. Damit wurde ein skalierbares Lernkonzept geschaffen, das nicht nur regulatorische Anforderungen erfüllt, sondern aktiv zur digitalen Mündigkeit beiträgt und langfristig die Innovationsfähigkeit der Organisation stärkt.
Fazit
Mit dem eLearning-Projekt „KI-Seepferdchen“ ist der SoCura gGmbH ein herausragendes Beispiel dafür gelungen, wie Pflichtschulungen zu innovativen Lernformaten werden können. Statt trockener Theorie setzt das Konzept auf Storytelling, Gamification und reale Anwendungsszenarien – Elemente, die Lernfreude wecken und nachhaltige Kompetenzentwicklung fördern. Das Training verbindet regulatorische Anforderungen der europäischen KI-Verordnung mit praxisnahen Lerneinheiten, die Mitarbeitende aus allen Bereichen der Malteser von Pflege und Verwaltung bis zum Rettungsdienst abholen und befähigen, KI verantwortungsvoll zu nutzen.
Das Projekt beweist eindrucksvoll, dass auch komplexe Themen wie Datenschutz, Ethik und künstliche Intelligenz durch eine durchdachte Didaktik motivierend vermittelt werden können. Besonders die spielerische Komponente (das symbolische Abzeichen) machte aus einer Pflichtschulung ein identitätsstiftendes Lernerlebnis, das die Lernkultur nachhaltig prägte. Mit der Verbindung aus fachlicher Tiefe, kreativer Umsetzung und messbarem Lernerfolg setzt das Projekt neue Maßstäbe für digitales Lernen im Non-Profit-Bereich und darüber hinaus.
Für die beispielhafte Förderung von KI-Kompetenz durch praxisorientiertes, didaktisch überzeugendes E-Learning zeichnet die Jury das Projekt „KI-Seepferdchen: Praxisnahes E-Learning für den verantwortungsvollen Umgang mit KI im Malteser Hilfsdienst“ mit dem eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Kompetenzentwicklung“ und dem Schwerpunkt „KI-Kompetenz“ aus. Herzlichen Glückwunsch!
Keytakeaways
Ausgangssituation:
- Neue EU-KI-Verordnung erforderte Schulung zum verantwortungsvollen KI-Einsatz.
- Sehr unterschiedliche digitale Vorkenntnisse in einer heterogenen Zielgruppe.
Projektziel:
- Aufbau von KI-Kompetenz und Förderung eines sicheren, verantwortungsvollen Umgangs.
- Pflichtschulung motivierend und praxisnah gestalten, um Akzeptanz und Lernkultur zu stärken.
Umsetzung:
- Iterative Entwicklung nach ADDIE mit Microlearning, Storytelling und Gamification.
- Technische Umsetzung mit Knowledgeworker Create und Coach, Rollout über den Malteser Campus.
Messung:
- Abschlussquote 60 % (über Durchschnitt) und Bewertung 4,71 / 5 Sterne.
- Hohe freiwillige Teilnahme (+900) und gestärkte digitale Lernkultur.
Projektverantwortliche
SoCura gGmbH
My-Ly Tran
Service Ownerin E-Learning
my-ly.tran@socura.de
Kaltenbornweg 3
50679 Köln
www.socura.de
Philip Huefnagels
Abteilungsleiter IT-Compliance & Datenschutz
philip.huefnagels@socura.de
Kaltenbornweg 3
50679 Köln
www.socura.de




