Lernen am Puls des Klinikalltags
Wie das SwissPOD Training Fachpersonen im Umgang mit kritischen Daten unterstützt 

Die Erfassung medizinischer Daten gilt oft als komplex und stolpersteinig, insbesondere in einem sensiblen Umfeld wie der Organ- und Gewebespende, wo höchste Präzision und Konsistenz über Qualität und Sicherheit entscheiden. Genau hier setzt das SwissPOD-Training an, das in enger Zusammenarbeit zwischen Swisstransplant und der Swiss Learning Hub AG entwickelt wurde: Swisstransplant brachte die fachliche Expertise und inhaltliche Grundlage ein, während Swiss Learning Hub die didaktische Konzeption, Gestaltung und technische Umsetzung verantwortete. Rund 160 Fachpersonen aus der ganzen Schweiz lernen nun über ein zweisprachiges, modular aufgebautes E-Learning, wie sie die Software SwissPOD effizient, einheitlich und sicher anwenden. Screenrecordings, interaktive Flip-Cards und Avatar-videos schaffen dabei ein praxisnahes Lernerlebnis, unabhängig von Zeit und Ort und heben die Qualität der Datenerfassung auf ein neues Niveau.

Swisstransplant ist die nationale Stiftung für Organspende und Transplantation in der Schweiz. Sie koordiniert die Zuteilung von Spenderorganen, fördert die Qualitätssicherung und engagiert sich für die Weiterbildung von Fachpersonen im Bereich der Organ- und Gewebespende. Mit dem digitalen Tool SwissPOD, dem „Swiss Monitoring of Potential Donors“, werden sämtliche Todesfälle auf Intensiv- und Notfallstationen systematisch erfasst. Neben Basisdaten wie Demographie oder Diagnosen werden auch Kontraindikationen, Ursachen, Gespräche mit Angehörigen sowie weitere relevante Faktoren dokumentiert. Entscheidend ist die Einheitlichkeit und Qualität der Eingaben, da nur konsistente Datensätze valide Vergleiche und Optimierungen im Transplantationsprozess ermöglichen.

In der Praxis zeigte sich jedoch ein deutlicher Qualifizierungsbedarf. Bis zur Einführung des digitalen Trainings stand den Fachpersonen lediglich ein schriftliches Handbuch zur Verfügung, neue Kolleginnen und Kollegen wurden durch ihre Teams direkt im klinischen Alltag eingearbeitet. Diese Peer-to-Peer-Schulung erwies sich angesichts hoher Arbeitsbelastung und personeller Fluktuation als unzureichend, was zu uneinheitlichen Eingabemustern führte. Die Folge waren inkonsistente Daten, die die Vergleichbarkeit und Aussagekraft der SwissPOD-Erhebungen deutlich einschränkten.

Vor diesem Hintergrund stand Swisstransplant vor einer doppelten Herausforderung. Auf der einen Seite mussten neue Mitarbeitende zügig und zuverlässig mit SwissPOD vertraut gemacht werden, um eine sichere Dateneingabe zu gewährleisten. Andererseits benötigten erfahrene Fachpersonen Anregungen, um bestehende Routinen kritisch zu reflektieren und weiter zu präzisieren. Ohne ein strukturiertes und skalierbares Schulungskonzept bestand die Gefahr, dass Datenqualität und Prozesssicherheit nachhaltig beeinträchtigt würden.

Um diese Ausgangslage zu bewältigen und die Grundlage für konsistente sowie qualitativ hochwertige Datenerfassung zu schaffen, entwickelte Swisstransplant gemeinsam mit dem Swiss Learning Hub das Projekt „SwissPOD Training“. Im Rahmen des Projekts sollte ein digitales Lernangebot entstehen, dass neue Fachpersonen systematisch an die Software heranführt und ihnen einen klaren, strukturierten Einstieg ermöglicht. Gleichzeitig sollten erfahrene Anwender:innen gezielt angesprochen werden mit Inhalten, die zur Reflexion bestehender Routinen anregen, typische Stolpersteine aufzeigen und Wege zur kontinuierlichen Verbesserung eröffnen. Das Training verbindet damit Wissensvermittlung, Prozessverständnis und Qualitätsbewusstsein zu einem ganzheitlichen Lernkonzept.

Lernbedarfe

Wenn kleine Fehler große Auswirkungen haben: Im SwissPOD Training werden typische Stolpersteine bei der Datenerfassung sichtbar gemacht, damit Fachpersonen verstehen, wie schon kleine Ungenauigkeiten die gesamte Auswertung beeinflussen können.

Ziel des Projekts war es, mit dem SwissPOD Training ein modernes und flexibel einsetzbares Lernangebot zu schaffen, das die unterschiedlichen Nutzergruppen der SwissPOD Software gleichermaßen anspricht und eine einheitlich hohe Qualität der Datenerfassung sicherstellt. Im Mittelpunkt stand der Anspruch, sowohl die Einarbeitung neuer Mitarbeitender zu unterstützen als auch erfahrenen Fachpersonen Impulse für eine noch präzisere und reflektierte Nutzung zu geben. Damit leistet das Training einen direkten Beitrag zur Verbesserung der Datenqualität, einer zentralen Voraussetzung für Transparenz, Prozesssicherheit und fundierte gesundheitspolitische Entscheidungen im Bereich der Organ- und Gewebespende.

Darüber hinaus wurden drei zentrale Projektziele formuliert. Erstens sollte die Einführung neuer Fachpersonen durch ein klar strukturiertes, praxisnahes Training erleichtert werden, sodass ein schneller und sicherer Einstieg in die Nutzung der Software möglich ist. Zweitens war es das Ziel, die Datenqualität nachhaltig zu erhöhen, indem Standards konsequent vermittelt, typische Stolpersteine aufgezeigt und deren Auswirkungen verdeutlicht werden. Drittens sollte das Training ein stärkeres Bewusstsein für die Verantwortung der Datenerfassung schaffen, um den gesundheitspolitischen und organisatorischen Nutzen der erhobenen Informationen sichtbar zu machen. Damit verknüpft das Training Wissen, Handlung und Reflexion zu einem in sich geschlossenen Lernprozess.

Ergänzend zu diesen Kernzielen wurden weitere, eher langfristig angelegte Teilziele verfolgt. Dazu gehörten die Förderung einer gemeinsamen Qualitätskultur, die über reine Regelkenntnis hinausgeht, sowie die Unterstützung strategischer Fragestellungen wie Ressourcensteuerung und Wirkungsmessung. Ebenso sollte das Training einen Beitrag zum Aufbau einer lernenden Organisation leisten, in der Wissen nicht nur vermittelt, sondern kontinuierlich geteilt, reflektiert und erneuert wird.

Projektverlauf

Das Projekt startete mit einer gemeinsamen Klärung von Ziele, Zielgruppen und visuellen Leitlinien. Von Beginn an war die Zusammenarbeit zwischen Swisstransplant und Swiss Learning Hub von Vertrauen, Offenheit und einer klaren Rollenverteilung geprägt. Die Projektleitung übernahm die Koordination von Zeit, Ressourcen und Qualität, während der Senior Multimedia Designer als didaktische Schnittstelle das Drehbuch entwickelte und eng mit der Kundenseite abstimmte. Ein mehrstufiger Review-Prozess mit Feedback- und Freigabeschleifen stellte sicher, dass Inhalt, Didaktik und Tonalität präzise auf den klinischen Kontext abgestimmt waren. So entstand ein Arbeitsprozess, der Effizienz, Kreativität und Qualität auf ideale Weise verband.

Darauf folgte die Produktion des eLearning Moduls in deutscher Sprache im hauseigenen Autorentool „Content Creator“. Der Prozess war von iterativen Previews und kurzen Feedbackschleifen geprägt, sodass Anpassungen laufend und zielgerichtet umgesetzt werden konnten, bis hin zur SCORM-Abnahme und Auslieferung der finalen Version. Parallel wurde die französische Fassung aufgebaut. Dafür entstanden in enger Zusammenarbeit mit Fachexpertinnen und Fachexperten von Swisstransplant neue Screenrecordings, die didaktisch angepasst, getestet und als SCORM Paket finalisiert wurden. Diese parallele Entwicklung beider Sprachversionen stellte hohe Anforderungen an Koordination und Präzision, die durch das eingespielte Team erfolgreich gemeistert wurden.

Die Zusammenarbeit blieb dabei eng verzahnt. Die Projektleitung steuerte Zeit und Ressourcen, der Senior Multimedia Designer verantwortete Drehbuch, Medien und die didaktische Schnittstelle zur Kundenseite, die Medienproduktion setzte technisch um und übernahm das SCORM Packaging. Wo nötig, wurden Meilensteine flexibel angepasst, um späte redaktionelle Details effizient zu integrieren.

Feinschliff erhielt das Modul durch die Weiterentwicklung der Ansprache. In enger Abstimmung mit Swisstransplant wurde die Ansprache von einer eher belehrenden zu einer empathischen, adressatengerechten Sprache transformiert, vom erhobenen Zeigefinger zur unterstützenden Begleitung. Der Avatar wurde dabei bewusst als sympathische Figur positioniert, die Nähe schafft, ohne den professionellen Kontext zu unterlaufen. Diese Erkenntnisse wurden unmittelbar in die finalen Sprachfassungen überführt und steigerten die Nutzererfahrung spürbar. Eine operative Herausforderung war die Abstimmung zu Umfang und Dauer der Avatar Videos und Screenrecordings. Hier galt es, eine Balance zwischen didaktischer Tiefe und technischer Effizienz zu finden. Durch die enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Projektteam und Kundenseite entstand eine Lösung, die beide Perspektiven optimal vereinte und letztlich massgeblich zur inhaltlichen Klarheit und Lernwirkung des Trainings beitrug.

Nach der Übergabe der fertigen SCORM-Pakete in Deutsch und Französisch startete der Rollout bewusst pragmatisch und zielgerichtet. Anstatt auf umfangreiche Marketingkampagnen zu setzen, nutzte Swisstransplant bestehende interne Kommunikationskanäle, um die relevanten Fachpersonen direkt im Arbeitsfluss zu erreichen. Ein Hinweis im Newsfeed der SwissPOD-Software sorgte für hohe Sichtbarkeit, ein quartalsweiser Fach-Newsletter stellte Kontext und Verfügbarkeit her, und die Medical Advisors stärkten das Thema zusätzlich im direkten Austausch mit den Netzwerkleitenden. Durch diese gezielte, praxisnahe Kommunikation wurde das Training schnell in den klinischen Alltag integriert. Die zweisprachige Bereitstellung sicherte gleichzeitig den gleichwertigen Zugang in allen Sprachregionen, ein entscheidender Faktor für Akzeptanz und Reichweite.

Projektergebnis

Vom Lernschritt zur sicheren Routine: Anhand realistischer Eingabemasken lernen die Teilnehmenden, typische Missverständnisse zu vermeiden und SwissPOD konsistent zu nutzen.

Das Ergebnis des Projekts ist ein interaktives, zweisprachiges eLearning, das sich passgenau in die bestehende Weiterbildung von Swisstransplant einfügt und spezialisierte Inhalte zur Datenerfassung in SwissPOD adressatengerecht aufbereitet. Screenrecordings führen Schritt für Schritt durch komplexe Abläufe, Flip Cards verankern korrekte Vorgehensweisen und machen typische Stolpersteine und deren Lösungen sichtbar, der Avatar schafft eine persönliche Ansprache und unterstützt die Gliederung der Kapitel. So entsteht ein motivierendes Lernerlebnis, das über eine reine Dokumentation hinausgeht und die Zielgruppe im klinischen Alltag wirksam unterstützt. Gleichzeitig trägt das Training zur Professionalisierung der medizinischen Weiterbildung bei, indem es Wissen, Reflexion und Qualitätsbewusstsein miteinander verbindet.

Die frühe Nutzung unterstreicht die Akzeptanz. Von 177 zugewiesenen Personen schlossen in den ersten drei Monaten 53 das Learning ab, während sich weitere 13 sich in Bearbeitung befanden. Formale Einwände gab es bisher nicht und das informelles Feedback war bisher positiv oder neutral. Besonders geschätzt wird der unmittelbare Mehrwert im Betrieb, denn das Angebot schafft Zeit, sichert Qualität und reduziert internen Aufwand für Einarbeitung und Korrekturen. Entsprechend wird es nicht als Zusatzlast, sondern als konkrete Unterstützung wahrgenommen.

Wirkung und Lernerfolg werden dort gemessen, wo es zählt. Statt klassischer Tests stehen veränderte Eingabemuster in SwissPOD im Fokus, sichtbar über mehrere Reportingzyklen. Das nächste Qualitätsreporting ist für Herbst 2025 geplant, belastbare Wirksamkeitsdaten werden im Frühjahr 2026 erwartet. Parallel zeigt sich der organisatorische Nutzen: Die Verantwortung für Einarbeitung wird zentral unterstützt, Schulungsqualität wird vereinheitlicht und alle Fachpersonen erhalten unabhängig von Standort und Vorerfahrung Zugang zu denselben hochwertigen Inhalten. Die zweisprachige Bereitstellung in Deutsch und Französisch stellt gleichwertigen Zugang in allen Sprachregionen sicher.

Nachhaltig wirkt das Projekt auch über die Einführung hinaus. Das Training ist als dauerhafte Ressource angelegt und wird gezielt weiterentwickelt, in einigen Jahren inhaltlich und technisch überarbeitet und als Referenz für weitere Module genutzt. Elemente wie der Avatar, die interaktiven Lernformate sowie die enge, agile Zusammenarbeit zwischen Swisstransplant und Swiss Learning Hub werden bereits heute als Best Practice angesehen. Im Ergebnis stärkt es die Datenqualität, professionalisiert die digitale Weiterbildung im sensiblen Gesundheitskontext und leistet einen Beitrag zur Versorgungssicherheit in der Schweiz.

Fazit

Wie können Fachpersonen in einem hochsensiblen Umfeld wie der Organspende nachhaltig für standardisierte Datenerfassung sensibilisiert werden? Die Antwort von Swisstransplant und dem Swiss Learning Hub ist das SwissPOD Training, ein digitales Lernmodul, das komplexe Inhalte klar strukturiert vermittelt und zugleich praxisnah in den Alltag integriert. Der Einsatz von Screenrecordings, Flip Cards und Avataren hebt das Projekt weit über eine reine Dokumentation hinaus und zeigt, dass selbst vermeintlich „trockene“ Themen durch kreative Didaktik zu einem interaktiven Lernerlebnis werden können. Zugleich prägt das Projekt die Lernkultur im Gesundheitswesen, indem es Lernprozesse professionalisiert, Qualität sichtbar macht und den Austausch zwischen Fachpersonen stärkt.

Das SwissPOD-Training hat eindrucksvoll gezeigt, dass wirkungsvolles E-Learning weit über reine Wissensvermittlung hinausgeht. Erst im Zusammenspiel von Text, Bild, Audio, Interaktivität und didaktischem Feingefühl entsteht ein Lernerlebnis, das Fachpersonen wirklich erreicht und Verhaltensänderungen auslöst. Besonders überzeugend ist die Wirkung im operativen Alltag. Das Training entlastet Spitäler bei der Einarbeitung neuer Kolleginnen und Kollegen, schafft Konsistenz in der Datenerfassung und trägt dazu bei, die Qualität schweizweit zu sichern. Zugleich profitieren erfahrene Fachpersonen, indem sie ihre Routinen reflektieren und aktualisieren können.

Vor diesem Hintergrund zeichnet die Jury des eLearning Journals die Swiss Learning Hub AG mit dem eLearning Kategorie „eLearning Innovation“ und dem Schwerpunkt „Wissensstandardisierung“ aus. Herzlichen Glückwunsch!


Keytakeaways

Ausgangssituation:

  • Uneinheitliche und stolpersteinige Dateneingaben durch rein lokale Einarbeitung und Handbuchnutzung.
  • Hohe Arbeitsbelastung und fehlende Standardisierung führten zu Qualitätsrisiken in den SwissPOD-Daten.

Projektziel:

  • Einheitliche Schulungsbasis schaffen, um Datenqualität und Transparenz schweizweit zu sichern.
  • Neue Fachpersonen effizient einführen und erfahrene Anwender:innen für Stolpersteine sensibilisieren.

Umsetzung:

  • Entwicklung eines zweisprachigen eLearnings mit Screenrecordings, Flip Cards und Avatar-Begleitung.
  • Einführung über interne Kanäle (News-Feed, Newsletter, Medical Advisors) direkt im Arbeitsfluss.

Messung:

  • Erfolgsmessung über verbesserte Eingabemuster und Datenqualität statt klassischer Tests.
  • Erste positive Akzeptanz sichtbar in Form einer 35 % Abschlussquote in den ersten Monaten sowie einem positivem Nutzerfeedback.

Projektverantwortliche

Swiss Learning Hub AG           

Projektleitung      
Sandra Adank & Oksana Noorlander

Multimedia Design
Marco Trevissoi & Leila Sapina

eLearning Developers
Tihana Milosavljevic & Milijana Mitic

Marketing
Enikö Pal

Head of Learning Media
Anca Alius

Maneggstrasse 17
8041 Zürich, Schweiz
www.swisslearninghub.com