Wenn Lernen zum Hauptgewinn wird
Wenn aus einem einzigen Schulungstag ein ganzes Lernsystem entsteht

Wenn bewährte Wege plötzlich nicht mehr funktionieren, braucht es neue Ansätze – auch beim Lernen. Als Präsenztrainings von einem Tag auf den anderen nicht mehr möglich waren, stand ein Unternehmen vor einer zentralen Frage: Wie lässt sich Wissen so vermitteln, dass es nah an der Praxis bleibt und zugleich flexibel, modern und nachhaltig ist? Die Antwort führte zu einem grundlegenden Wandel der Lernkultur. Aus der kurzfristigen Notwendigkeit wurde eine langfristige Strategie, die Lernen neu denkt; nicht als einmaliges Ereignis, sondern als lebendigen Bestandteil des Arbeitsalltags.

Ob in Unternehmen, Verwaltungen oder im Handel: Lernen ist längst Teil des Alltags geworden. Doch die Art und Weise, wie Menschen Wissen aufnehmen, hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Steigende Anforderungen, Fachkräftemangel und der rasante technologische Wandel verlangen, Lernprozesse flexibler und zugleich nachhaltiger zu gestalten.

Klassische Schulungsformate geraten dabei zunehmend an ihre Grenzen. Sie sind ortsgebunden, zeitaufwendig und lassen sich nur schwer mit den individuellen Bedürfnissen der Beschäftigten vereinbaren. Gerade in dezentralen Strukturen ist es eine Herausforderung, Lerninhalte praxisnah, effizient und flächendeckend zu vermitteln. Hier entscheidet sich, ob Wissen lebendig bleibt, und ob Qualität, Sicherheit und Service im Alltag wirklich ankommen.

Auch bei Lotto Baden-Württemberg wurde diese Entwicklung spürbar. Das Unternehmen ist mit über 3.100 Annahmestellen im ganzen Land präsent, von Kiosken über Tankstellen bis hin zu Supermärkten. Schulungen rund um Produkte, Verkaufsterminal und Kundenberatung gehörten schon immer zum Pflichtprogramm. Doch die Corona-Pandemie machte sichtbar, wie abhängig diese Formate von Präsenzschulungen waren und wie verletzlich damit ein zentrales Element der Qualitäts- und Wissenssicherung wurde. Was als kurzfristige Notwendigkeit begann, entwickelte sich bald zu einer grundlegenden Frage: Wie lässt sich Lernen in einem weit verzweigten Vertriebsnetz so gestalten, dass es nicht nur funktioniert, sondern echten Mehrwert schafft – für alle Beteiligten?

Lernbedarfe

Wenn Beratung zum Lernanlass wird: Das neue Lernsystem greift echte Gespräche aus dem Verkaufsalltag auf und übersetzt sie in praxisnahe Trainings.

Veränderte Rahmenbedingungen machten deutlich, dass Lotto Baden-Württemberg seine Schulungslandschaft neu denken musste: nicht aus Trendgründen, sondern aus echter Notwendigkeit. Das Unternehmen stand vor der Aufgabe, ein Weiterbildungssystem zu schaffen, das der Vielfalt seiner Vertriebspartner:innen gerecht wird und zugleich die hohe Qualität in Beratung und Service sichert. Besonders die Lotto-Annahmestellen, die über das gesamte Bundesland verteilt sind, stellten dabei eine besondere Herausforderung dar: Sie arbeiten eigenständig, stehen aber gleichzeitig in engem Austausch mit den Regionaldirektionen und der Zentrale.

Bislang fanden die verpflichtenden Produkt- und Terminalschulungen ausschließlich in Präsenz statt. Die Seminare dauerten ein bis zwei Tage und vermittelten Fachwissen zu Produkten und dem Geschäftsbetrieb. Dieses Format funktionierte über viele Jahre zuverlässig. Reisezeiten, unterschiedliche technische Voraussetzungen und variierende Lernniveaus führten jedoch immer wieder zu Herausforderungen – sowohl in der Planung als auch in der Qualitätssicherung. In den Annahmestellen blieb im hektischen Tagesgeschäft zudem oft kaum Zeit für längere Schulungstage, und doch wuchs der Anspruch, Kund:innen sicher und kompetent zu beraten. Die Pandemie legte diese Schwachstellen offen: Als physische Treffen zeitweise nur eingeschränkt möglich waren, fehlte plötzlich die zentrale Plattform für Wissenstransfer und Qualitätssicherung, auf die sich das Vertriebsnetz bislang stützen konnte.

Gleichzeitig veränderte sich das Lernverhalten der Teilnehmenden. Mitarbeitende in den Annahmestellen wünschen sich Lernangebote, die sich mit ihrem Arbeitsrhythmus vereinbaren lassen – kompakt, praxisnah und jederzeit verfügbar. Auch die Regionaldirektionen sahen den Bedarf, Lernen moderner zu gestalten und gleichzeitig neue digitale Lernformate anzubieten. Aus diesen Beobachtungen ergab sich ein klarer Lernbedarf: weg von isolierten Präsenzformaten hin zu flexiblen, modularen und digital unterstützten Lernwegen, die Lernen dort ermöglichen, wo es entsteht: im direkten Arbeitsumfeld. Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für ein Lernkonzept, das Bewährtes mit Neuem verbindet und Lernen zu einem kontinuierlichen Bestandteil des Arbeitsalltags macht.

Projektverlauf

Der Weg zu einem neuen Lernsystem begann bei Lotto Baden-Württemberg mit einer klaren strategischen Entscheidung. Die bisherigen Schulungen sollten nicht einfach digitalisiert, sondern grundlegend neu gedacht werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde ein interdisziplinäres Projektteam gebildet, das Fachwissen, Didaktik und Organisationskompetenz vereinte. Neben Vertreter:innen aus Bildungsmanagement, Vertrieb und Schulungsorganisation waren auch Regionaldirektionen sowie externe Expert:innen eingebunden. Die FCT Akademie wurde ins Team geholt, um den Prozess methodisch und beratend zu begleiten.

In intensiven Workshops unter der Leitung der FCT Akademie arbeiteten Vertreter:innen aller Bereiche zusammen, um Lernziele, Inhalte und Strukturen zu definieren. Schnell wurde deutlich, wie viel Fachwissen und Erfahrung in den Teams steckt und wie wichtig es war, diese Perspektiven zusammenzuführen. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage für eine systematische Neuordnung der Lerninhalte.

Auf Basis dieser Analysen entstand ein didaktisches Gesamtkonzept mit drei aufeinander aufbauenden Stufen: Grundlagen, Anwendung und Vertiefung. Dieses Stufenkonzept sorgte für Orientierung und erlaubte es, Lernangebote gezielt an den unterschiedlichen Kenntnisstand der Zielgruppen anzupassen.

Nachdem die konzeptionellen Grundlagen gelegt waren, ging es darum, das neue System in der Praxis zu testen und zu verfeinern. Ein zentrales Element war die Entwicklung von Inputdokumenten, die Lernziele, Inhalte und Medienideen detailliert beschrieben. Sie fungierten als verbindliche Grundlage für die didaktische und mediale Umsetzung der E-Learnings. Parallel dazu entstand ein Rollenmodell, das Verantwortlichkeiten im Projekt klar definierte – von der Steuerung über die Freigabe bis hin zur Qualitätssicherung. Regelmäßige Abstimmungen und kurze Kommunikationswege sorgten dafür, dass alle Beteiligten jederzeit über den Stand informiert waren und Feedback unmittelbar in die Weiterentwicklung einfließen konnte.

Bevor das neue Lernsystem in die Fläche getragen wurde, erfolgte eine Pilotphase in ausgewählten Annahmestellen. Dabei wurden die Module auf Verständlichkeit, Bedienbarkeit und Praxisnähe geprüft. Die Rückmeldungen aus diesen Tests flossen direkt in die Optimierung der Lerninhalte ein.

Projektergebnis

Wo das Schaufenster zur Lernwelt wird: Bekannte Umgebungen werden Teil des Lernsystems – anschaulich, intuitiv und praxisnah vermittelt.

Gleichzeitig werden Train-the-Trainer-Maßnahmen initiiert, um die neuen Formate in den Regionaldirektionen nachhaltig zu verankern. Damit wird sichergestellt, dass das neue Lernsystem nicht nur zentral gesteuert, sondern auch dezentral gelebt werden kann. So entsteht Schritt für Schritt ein Lernsystem, das nicht nur geplant, sondern gemeinsam entwickelt wurde, getragen von klaren Prozessen, offener Kommunikation und hoher Beteiligung.

Heute wird sichtbar, wie stark sich die Neuausrichtung auf das Lernen in den Annahmestellen auswirkt. Schulungen, die früher ausschließlich in Präsenz stattfanden, werden künftig flexibel verfügbar sein und können zeit- sowie ortsunabhängig absolviert werden. Mitarbeitende können Lernmodule beispielsweise am Tablet bearbeiten, während sie auf die nächste Kundenberatung warten – ganz ohne festen Schulungstermin. Für die Annahmestellen bedeutet das: Lerninhalte lassen sich dann absolvieren, wenn es der Arbeitsalltag erlaubt. Das neue System unterstützt damit nicht nur den Wissenstransfer, sondern auch die Selbstorganisation und Eigenverantwortung der Lernenden.

Während die Lernenden von mehr Selbstbestimmung profitieren, zeigt sich auch auf organisatorischer Ebene ein klarer Mehrwert. Die klar strukturierte Gliederung in drei Lernstufen ermöglicht es, Wissen gezielt aufzubauen und zu vertiefen. Gleichzeitig sorgt die enge Verzahnung von E-Learning, Praxisübungen und begleitenden Präsenzanteilen für einen hohen Transfer in den Alltag. In Feedbackrunden gaben Teilnehmende an, dass die neuen Lernformate als praxisnäher, motivierender und effizienter wahrgenommen werden. Zu erwarten ist zudem eine deutliche Entlastung in der Organisation: Schulungszeiten lassen sich besser planen, und Wissen bleibt über längere Zeiträume abrufbar.

Neben diesen didaktischen und organisatorischen Vorteilen zeigt sich auch auf Prozessebene ein klarer Gewinn. Lotto Baden-Württemberg kann durch das neue Lernsystem interne Abläufe vereinheitlichen und die Qualitätssicherung stärken. Lernfortschritte werden nun nachvollziehbar dokumentiert, Schulungsstände jederzeit einsehbar. Das ermöglicht eine gezielte Weiterentwicklung sowohl einzelner Mitarbeitender als auch ganzer Annahmestellen.

Fazit

Das neue Lernsystem von Lotto Baden-Württemberg zeigt eindrucksvoll, wie sich digitale Bildung strategisch, praxisnah und nachhaltig verankern lässt. Mit der Einführung des Lernsystems gelingt es dem Unternehmen Wissen, Erfahrung und Verantwortung miteinander zu verbinden und zugleich den Lernalltag praxisnäher und flexibler zu gestalten. Was als Modernisierung bestehender Schulungsstrukturen begann, hat sich zu einem unternehmensweiten Lernökosystem entwickelt, das Lernen dort ermöglicht, wo Wissen entsteht: im Arbeitsalltag.

Damit ist ein System entstanden, das Lernen nicht als einmaliges Ereignis versteht, sondern als fortlaufenden Prozess – abgestimmt auf Menschen, Aufgaben und Unternehmensziele. Die enge Einbindung aller Beteiligten und die kontinuierliche Weiterentwicklung sichern den langfristigen Erfolg. Gleichzeitig profitiert Lotto Baden-Württemberg von einer neuen Weiterbildungskultur, in der kontinuierliches Lernen selbstverständlich geworden ist und Wissen als gemeinschaftliche Ressource verstanden wird. So ist ein tragfähiges Fundament geschaffen, auf dem künftige Lerninitiativen aufbauen und die digitale Lernkultur weiterentwickelt werden können.

Lotto Baden-Württemberg hat das Lernen als nachhaltigen, systemischen Prozess etabliert und dadurch eine neue Qualität in der Unternehmensbildung geschaffen; und dafür vergibt unsere Jury den eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Blended Learning“ mit dem Schwerpunkt „Lernkultur“. Herzlichen Glückwunsch!


Keytakeaways

Ausgangssituation:

  • Präsenzschulungen dominierten die Weiterbildung.
  • Die Pandemie machte die Abhängigkeit von Präsenzformaten deutlich – Wissenstransfer und Qualitätssicherung wurden stark beeinträchtigt.

Projektziel:

  • Aufbau eines flexiblen, skalierbaren Lernsystems für ein dezentrales Vertriebsnetz.
  • Sicherstellung von Qualität, Praxisnähe und nachhaltigem Wissenstransfer.

Umsetzung:

  • Entwicklung eines dreistufigen Lernkonzepts (Grundlagen – Anwendung – Vertiefung).
  • Interdisziplinäre Projektarbeit mit Pilotphase, Train-the-Trainer-Programm und digitaler Lernplattform.

Messung:

  • Feedback aus Pilotstandorten und Lernenden → höhere Motivation und Praxisnähe.
  • Nachvollziehbare Lernfortschritte, vereinheitlichte Abläufe und verbesserte Qualitätssicherung.

Projektverantwortliche

Staatl. Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg
Sylvia Baust
Bildungsmanagement
sylvia.baust@lotto-bw.de
Nordbahnhofstraße 201
70191 Stuttgart
www.lotto-bw.de

Katica Oberst
Bildungsmanagement
katica.oberst@lotto-bw.de
Nordbahnhofstraße 201
70191 Stuttgart
www.lotto-bw.de

FCT Akademie GmbH
Konrad Fassnacht
Geschäftsführer
konrad.fassnacht@fct-akademie.com
Annastraße 3
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