Vom starren Kurs zum beweglichen Lernen
Warum das IBB Bildung nicht neu erfindet, sondern menschlicher macht

Digitalisierung und Fachkräftemangel verändern die berufliche Weiterbildung: Sie verlangen neue Konzepte, die mit dem Wandel Schritt halten. Das Institut für Berufliche Bildung (IBB) und seine Partnermarke Viona zeigen mit adaptiven Lernformaten, wie Wissen gezielt, flexibel und wirksam vermittelt werden kann. Statt starrer Vorgaben entstehen Lernpfade, die sich an Vorwissen, Tempo und Bedarf der Teilnehmenden orientieren. Technologie ergänzt dabei pädagogische Expertise: Künstliche Intelligenz liefert Daten, die persönliche Begleitung gezielt unterstützen. So entsteht ein Lernumfeld, das Menschen befähigt, selbstbestimmt und nachhaltig zu lernen – und zugleich den Weg ebnet für ein neues Verständnis moderner Weiterbildung.

Berufliche Weiterbildung steht heute stärker unter Druck denn je. Digitalisierung, Automatisierung und Fachkräftemangel verlangen neue Kompetenzen in immer kürzeren Zyklen. Für viele Beschäftigte bedeutet das, sich laufend auf neue Aufgaben einzustellen und dabei den Überblick zu behalten. Bildungsträger stehen damit im Spannungsfeld, Qualifizierungen effizient zu gestalten und zugleich auf individuelle Lernvoraussetzungen einzugehen.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass viele klassische Lernkonzepte an ihre Grenzen stoßen. Lernende unterscheiden sich stark in ihren Vorerfahrungen, ihrem Tempo und ihrem Wissensstand. Gleichzeitig ermöglichen digitale Lernangebote zwar orts- und zeitunabhängiges Lernen, doch wirklich personalisierte Ansätze sind nach wie vor selten. Das Risiko: Teilnehmende fühlen sich über- oder unterfordert, Motivation und Lernerfolg bleiben hinter den Erwartungen zurück.

Mit genau dieser Frage beschäftigte sich das Institut für Berufliche Bildung (IBB) und entwickelte einen Ansatz, der digitale Technologie und pädagogisches Denken auf neue Weise verbindet. Ziel war es, Lernprozesse so zu gestalten, dass sie sich fortlaufend an Kenntnisse und Fortschritt der Teilnehmenden anpassen – eine Form der Weiterbildung, die digitale Technologien nicht als Selbstzweck nutzt, sondern als Werkzeug für eine Bildung, die flexibel, wirksam und menschlich bleibt.

Lernbedarfe

Von starren Aufgaben zu dynamischen Lernpfaden: Lerninhalte können fortlaufend optimiert werden. Dabei beziehen Learning Engineers die Rückmeldungen von Fachexperten und Lernenden ein.

Beim IBB treffen Lernende mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Lernbiografien aufeinander. Das Spektrum reicht von Fachkräften in beruflicher Neuorientierung bis zu Teilnehmenden in Umschulungen oder geförderten Weiterbildungen. Einige kehren nach längerer Pause ins Lernen zurück, andere bringen aktuelle Kenntnisse mit, aber wenig Routine im begleiteten Lernprozess. Diese Heterogenität zeigt eine zentrale Herausforderung moderner Weiterbildung: Bildungsangebote müssen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Teilhabe und Chancengleichheit sichern.

Für das pädagogische Team stellte sich daher die Frage, wie Lernprozesse gestaltet werden können, die allen Teilnehmenden gerecht werden, unabhängig von Vorerfahrung, Lerntempo oder persönlicher Situation. Einheitliche Kurskonzepte boten kaum Möglichkeiten, Wissenslücken gezielt zu schließen oder Lernfortschritte transparent zu machen. Auch für Lernbegleiter:innen war es schwierig, den Wissensstand einzelner Teilnehmender zuverlässig einzuschätzen und individuell zu fördern. Gerade für Menschen in beruflicher Neuorientierung ist das ein sensibler Prozess. Kleine Erfolgserlebnisse können dabei den entscheidenden Unterschied machen: ob Lernen als Chance oder als Hürde empfunden wird.

Gleichzeitig wuchs der Wunsch, die Motivation der Lernenden dauerhaft zu stärken. Rückmeldungen zeigten, dass viele ein stärkeres Bedürfnis nach direktem Feedback haben und ihren Lernprozess durchaus selbst beeinflussen wollen. Sie wollten wissen, wo sie stehen, was sie bereits können und wie sie gezielt weiterkommen. Damit wurde deutlich: Klassische Lernformate mit festen Zeitplänen und Modulen allein reichen nicht mehr aus, um den heterogenen Bedarfen gerecht zu werden. Es brauchte ein Konzept, das Wissensvermittlung individualisiert, Lernende aktiv einbindet und zugleich eine fundierte pädagogische Begleitung sicherstellt – eine Form der Weiterbildung, die sich am Menschen orientiert, nicht an der Struktur. Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für ein neues Projekt, das genau hier ansetzte: mit dem Ziel, Lernprozesse individueller, datenbasierter und wirksamer zu gestalten.

Projektverlauf

Auf Grundlage der zuvor identifizierten Lernbedarfe startete das IBB ein Projekt, um adaptives Lernen systematisch in die geförderte berufliche Bildung zu integrieren. Ziel war es, individuelle Lernwege zu ermöglichen, Lernfortschritte messbar zu machen und die Qualität der Weiterbildung dauerhaft zu steigern. Der Ansatz war neu und zukunftsweisend, denn adaptive Lernsysteme kamen bislang vor allem im Hochschul- oder Unternehmenskontext zum Einsatz. Gemeinsam mit dem Technologiepartner Area9 Lyceum wurde ein Konzept entwickelt, das die Besonderheiten der geförderten Weiterbildung berücksichtigt und die technischen Möglichkeiten der adaptiven Lernplattform Rhapsode optimal mit der pädagogischen Expertise des IBB verbindet.

Zu Beginn stand die Ausbildung eines interdisziplinären Projektteams, das Fachwissen aus Pädagogik, IT, Projektmanagement und Didaktik zusammenführte. Pädagog:innen, IT-Fachleute, Learning Engineers und Projektmanager:innen arbeiteten eng zusammen, um Technologie und Didaktik optimal zu verbinden. Parallel dazu absolvierten mehrere Mitarbeitende die zertifizierte Ausbildung zu Learning Engineers bei Area9, um sowohl die technische Bedienung als auch die didaktische Konzeption der adaptiven Module zu beherrschen. Im Anschluss begann ein Pilotprojekt mit drei thematischen Lernmodulen und einem Einführungsmodul. Diese Testphase diente dazu, die Lernlogik des Systems zu prüfen, Rückmeldungen der Lernenden einzuholen und technische Anpassungen vorzunehmen.

Die Pilotierung verlief erfolgreich: Die Lernenden bewerteten die Inhalte als klar, motivierend und intuitiv bedienbar. Gerade in der Anfangsphase zeigte sich, wie anspruchsvoll es ist, technologische Möglichkeiten und didaktische Anforderungen präzise aufeinander abzustimmen. Aufbauend auf den gewonnenen Erkenntnissen nahm das Projekt Fahrt auf: Neue Module wurden entwickelt, Rhapsode in das Lernmanagementsystem ILIAS integriert und Schulungen für Lernbegleiter:innen durchgeführt. Der Rollout erfolgte in mehreren Etappen, von internen Tests über ausgewählte Lerngruppen bis hin zur festen Integration in verschiedene Weiterbildungs- und Umschulungsangebote.

Während des gesamten Prozesses legte das IBB großen Wert auf Evaluation und Feedback. Lernende und pädagogisches Personal wurden regelmäßig befragt, um Akzeptanz, Wirksamkeit und technische Stabilität zu überprüfen. Die Ergebnisse flossen direkt in die Weiterentwicklung der Module ein. So entstand ein agiler Entwicklungsprozess, in dem technologische Innovation und pädagogische Reflexion eng verzahnt sind.

Projektergebnis

Komplexe Modelle einfach erklärt: Viona verbindet didaktische Tiefe mit digitaler Intelligenz: Lerninhalte passen sich an das Verständnisniveau der Lernenden an.

Heute ist adaptives Lernen fest in der Lernkultur des IBB verankert – ein lebendiges System, das sich stetig weiterentwickelt und die Vielfalt moderner Weiterbildungsformate widerspiegelt. Lernende profitieren inzwischen von einer Vielzahl adaptiver Lernmodule zu ganz unterschiedlichen Themen. Mehrere Tausend Teilnehmende haben die Module bereits absolviert, mit signifikant gesteigertem Lernerfolg und messbar gesteigerter Lernzufriedenheit.

Aus den vier Pilotmodulen der Anfangsphase ist ein stetig wachsendes Lernökosystem entstanden, das den individuellen Wissensstand der Teilnehmenden passgenau berücksichtigt. Evaluationen bestätigen den Erfolg des Projekts: Lernende berichten von höherer Motivation, höherer Aktivität und gesteigertem Lernerfolg. Besonders schätzen sie die Möglichkeit, ihr Vorwissen aktiv einzubringen und gezielt an Wissenslücken zu arbeiten. Lehrende wiederum erleben eine spürbare Entlastung im Unterrichtsalltag, da sie Lernfortschritte genauer nachverfolgen und Unterstützung gezielter gestalten können.

Die positiven Effekte zeigen sich auch auf organisatorischer Ebene. Durch den modularen Aufbau der adaptiven Inhalte kann das IBB Lernangebote schneller aktualisieren und bedarfsgerecht an neue Themen anpassen. Gleichzeitig liefern aggregierte Lernanalysen wertvolle Erkenntnisse über Lernverhalten, Schwachstellen und besonders effektive Lernstrategien. Diese fließen in die kontinuierliche Verbesserung der Inhalte und Didaktik ein. Damit leistet das IBB einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung digitaler Bildung in Deutschland und zeigt, wie adaptives Lernen die geförderte Weiterbildung nachhaltig transformieren kann.

Langfristig stärkt das adaptive Lernen nicht nur die Qualität der Weiterbildungsangebote, sondern auch die Attraktivität des IBB als moderner Bildungsträger. Künftig soll der Ansatz schrittweise auf weitere Themenfelder ausgeweitet werden, um Lernprozesse individueller, transparenter und wirksamer zu gestalten.

Fazit

Mit diesem Projekt entstand nicht nur ein Lernsystem, sondern auch ein neues Verständnis von Qualität und Verantwortung im digitalen Bildungsprozess. Aus der Verbindung von pädagogischer Erfahrung, technologischer Innovation und datenbasierter Reflexion ist beim IBB ein zukunftsweisendes Modell entstanden, das zeigt, wie Bildung im digitalen Zeitalter gelingen kann – persönlich, flexibel und wirksam zugleich.

Für die Lernenden bedeutet das: Sie erleben Weiterbildung, die sie fordert und fördert, unabhängig von Vorwissen oder Lerntempo. Besonders bemerkenswert ist die Nachhaltigkeit des Ansatzes: Das adaptive Lernen ist längst nicht mehr auf einzelne Pilotgruppen beschränkt, sondern fester Bestandteil der Lernkultur geworden. Es wächst mit jedem neuen Modul, jeder Evaluation und jedem Feedback weiter. So entsteht ein System, das sich kontinuierlich selbst verbessert – getragen von der Überzeugung, dass Lernen dann am wirksamsten ist, wenn es sich an den Menschen anpasst und nicht umgekehrt.

Darüber hinaus entfaltet das Projekt Wirkung weit über das IBB hinaus. Es zeigt, wie moderne Weiterbildung in einem geförderten Kontext digital gedacht und umgesetzt werden kann; mit einem klaren Fokus auf individuelle Förderung und messbaren Lernerfolg. Damit leistet das Projekt auch einen Beitrag dazu, Bildung in Deutschland langfristig flexibler, inklusiver und zukunftsfähiger zu gestalten. Nachhaltige Bildungsinnovation braucht Mut zur Veränderung, Vertrauen in Technologie und den festen Willen, didaktische Verantwortung zu bewahren.

Unsere Jury vergibt für das klare Bekenntnis zu einer Bildung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, den eLearning AWARD 2026 in der Kategorie „Adaptives Lernen“ mit dem Schwerpunkt „Berufsqualifizierung“. Herzlichen Glückwunsch!


Keytakeaways

Ausgangssituation:

  • Heterogene Zielgruppe mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen.
  • Klassische Lernformate zu unflexibel; fehlende Individualisierung senkte Motivation und Lernerfolg.

Projektziel:

  • Lernprozesse individueller, datenbasiert und wirksamer gestalten.
  • Adaptive Lernsysteme in die geförderte berufliche Bildung integrieren, um Qualität und Teilhabe zu stärken.

Umsetzung:

  • Interdisziplinäres Team aus Pädagogik, IT und Produktentwicklung entwickelte adaptive Module auf Rhapsode.
  • Pilotierung, Evaluation und stufenweiser Rollout mit Schulung der Lehrenden.

Messung:

  • Regelmäßige Befragungen und Evaluationen von Lernenden und Lehrenden.
  • Messbare Steigerung von Motivation, Aktivität, Lernerfolg und Wissenszuwachs.

Projektverantwortliche

Institut für Berufliche Bildung AG
Julia Michaux-Stander
Projektkoordination Adaptives Lernen
julia.michaux-stander@ibb.com
Bebelstraße 40
21614 Buxtehude
www.ibb.com

 

Area9 Lyceum
Dr. Marcel Finke
Manager Implementation Excellence
marcel.finke@area9.dk
Dittrichring 2
04109 Leipzig
www.area9lyceum.de