Was machen wir mit „Learning Experience Platforms“?

Josh Bersin war es wohl, der den Begriff Learning Experience Platforms (LXP)1 einführte oder zumindest populär machte. Was noch vor 2-3 Jahren ein Thema für Trendscouts im Bereich „Learning“ war, hat sich unterdessen breit etabliert. Von klassischen Learning Management Systemen (LMS) wird weniger gesprochen. Ihnen haftet die Aura des Vergangenen an. „Wie konnte man sich früher nur auf das ‘M’ (Management) in LMS fokussieren und das ‘L’ (Learning) so sträflich vernachlässigen?“, fragt man sich heute. Bei LXP steht nicht nur das „L“ sondern das „LX“ im Vordergrund und steht für die „Learning Experience“, also für „Lernerlebnis“, für „Learning Journey“ oder ganz generell für „nachhaltige Lernereignisse“. In diesem Artikel wird in einem ersten Teil ausgeführt, wo moderne Learning Experience Platforms stehen. In einem zweiten Teil wird aufgezeigt, was sie bezüglich „Learning Experience“ an konkreten Funktionen mitbringen. In einem dritten Teil wird ausgeführt, wie eine Learning Experience Platform evaluiert und ausgewählt werden kann.

Autor: Dr. Daniel Stoller-Schai

Quelle: adimas stock.adobe.com

1. Was sind “Learning Experience Platforms”?

„Learning Experience Platforms“ sind Lernsysteme, die sich darauf fokussieren, den Lernprozess der Lernenden und nicht das Managen der Daten in den Vordergrund zu stellen. Es gibt verschiedene Definitionen, die beschreiben, was damit gemeint ist. Drei davon werden hier exemplarisch aufgeführt:

Die Definition von TechTarget:
„A learning experience platform (LXP) is an AI-driven peer learning experience platform delivered using software as a service (SaaS). LXPs were born out of a new approach to corporate learning platforms, addressing perceived shortcomings with learning management systems (LMS). While a learning management system focuses on the needs of the Learning & Development (L&D) department to deliver education, policy and compliance training to employees, an LXP flips the model to focus on employee needs.“2

Die Definition von Valamis:
„Eine Learning Experience Platform (LXP) ist eine lernerzentrierte Software, die dazu gedacht ist, personalisiertere Lernerlebnisse zu schaffen und Nutzern beim Entdecken neuer Lernmöglichkeiten zu helfen. Sie nutzt die Kombination von Lerninhalten aus verschiedenen Quellen, Empfehlungen und Bereitstellung mithilfe künstlicher Intelligenz und über alle digitalen Touchpoints hinweg, z.B. als Desktop-Applikation, mobile App und mehr.“3

Die Definition von Howspace
„A learning experience platform (or LXP) is a user-friendly online platform that organizations use to facilitate on-the-job learning. Unlike more traditional learning management systems (or LMSes), LXPs focus not only on managing corporate learning programs from the perspective of the business but also on improving the learners’ experience. While there’s a lot of feature variation within the category, LXPs can be roughly divided into three groups: 1) those that concentrate on personalized content delivery with AI-based recommendation engines, 2) those that focus on facilitating social learning and collaboration, and 3) hybrid platforms that combine content delivery capabilities with social features.“4

Aus diesen drei Definitionen wird deutlich, dass vor allem die „User Experience“, das Design und der individuelle Lernpfad wichtige Kernelemente von Learning Experience Platforms sind. Damit diese Elemente umgesetzt werden können, braucht es KI-basierte Algorithmen für die Datenanalyse, den Abgleich zwischen IST- und SOLL-Profilen, für das automatische Kuratieren von Inhalten und für die Begleitung von Lernprozessen (vgl. ausführlich Stoller-Schai 2020).

These
Learning Experience Platforms stehen am Anfang einer Lernrevolution. Mit dem Einzug von Artificial Intelligence, Datenanalyse und dem automatischen Kuratieren von Inhalten wird es möglich, personalisierte Lernangebote zusammenzustellen und die Lernprozesse individuell zu begleiten. Auf diese Weise ist es möglich, Lernangebote bedarfsgerecht („Learning in the Moment of Need5“) und personalisiert („Learning just for me“) anzubieten.

2. Was können „Learning Experience Platforms“?

LXP unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Funktionen maßgeblich von LMS6. LXP zeichnen sich z.B. durch folgende Funktionen aus:

  1. Unterstützt benutzergenerierte Inhalte (UGC, User generated Content): Die User (Lernende) können eigene Beiträge leisten, kommentieren, empfehlen und bewerten.
  2. Moderne UI (User Inferface) und UX (User Exeperience): Der erste und auch der zweite Eindruck zählen. LXP sind attraktiv gestaltet und orientieren sich an den Design-Erwartungen der User, indem sie Design-Elemente von Social Media und E-Commerce-Anwendungen übernehmen.
  3. Einfache Erstellung und Kuratierung von Inhalten: Inhalte werden zum Teil automatisch gesucht, analysiert und zusammengestellt und in Form von Lernempfehlungen angeboten.
  4. Personalisierung als Standard: Lernende erhalten ihr „massgeschneidertes“ Lernangebot.
  5. Verbesserte Dateneinsichten und Berichterstattung: Grafische Dashboards zeigen User den Lernenden auf, wo sie stehen. Administratoren erhalten Zugriff auf verschiedene grafisch ansprechend aufbereitete Reports für die Analyse des Lernverhaltens und die Verbesserung des Lernangebotes.
  6. Mobile Anwendung: Alle Inhalte sind auf allen Geräten (Devices) und Bildschirmformaten (Screens) verfügbar.
  7. Verbindet Menschen mit Menschen: User werden miteinander vernetzt, indem aufgezeigt wird, wer ein ähnliches Profil hat oder wer was gelernt und angesehen hat (Collaborative Filtering).
  8. Automatisierung: Viele Aufgaben, die früher „händisch“ ausgeführt werden mussten, sind nun automatisiert, z.B.
    a. Auto-Kuration von Inhalten
    b. Automatische Berichterstattung
    c. Auto-Onboarding von neuen Usern
  9. Soziales Lernen und Teilen: Soziales Lernen (Social Learning, Peer Learning) ist ein wesentlicher didaktischer Schwerpunkt von LXP.
  10. Belohnungen und Anerkennung: User werden für das Erreichen von Zielen gelobt oder „angestubst“ (Nudging), wenn sie in ihrem Lernprozess nicht weiterkommen.

Die folgende Übersicht (Abbildung 1) fasst zentrale Funktionen auf grafische Weise zusammen:

Abb. 1: Funktionen von Learning Experience Platforms (nach KEEUNIT 20207).

3. Wie wählt man eine „Learning Experience Platform“ aus?

Für Learning Professionals stellt sich die Frage, wie sie eine Learning Experience Platform evaluieren und auswählen. Zwei Fragestellungen sind dabei massgeblich:

  • Wie sieht die „Learning Experience“ aus?
  • Wie sieht die „Administration Experience“ aus?

Danach können die folgenden zwei Fragen adressiert werden:

  • Wie evaluiere ich LXP Anbieter?
  • Wie führe ich ein LXP System ein?

3.1 Wie sieht die Learning Experience aus?

Die Learning Experience steht bei der Auswahl einer Learning Experience Platform logischerweise im Mittelpunkt und muss als erstes evaluiert werden. Sie lässt sich ganz einfach auf 3 Faktoren aufteilen:

Der erste Eindruck

Der „erste Eindruck“ zählt. Wenn das „LX“ im Mittelpunkt steht, dann sollte der erste Eindruck überzeugen. Man darf ein eigentliches „WOW“ erwarten, wenn man den Startbildschirm zum ersten Mal sieht. Der zweite und dritte Blick sollte dann dazu führen, dass man das System versteht und der erste gute Eindruck bestätigt wird. Die Lernenden müssen sich schnell zurechtfinden und sollen von Anfang an begeistert sein.

Tipp: Prüfen Sie diesen ersten Eindruck bei sich selber. Wenn Sie ein LXP System evaluieren und auswählen, können Sie diesen ersten Eindruck gleich bei sich selber testen. Erzeugt der erste Eindruck ein „WOW“ bei Ihnen?

Wie finde ich mich zurecht?

Nach dem ersten Eindruck können Sie die Zeit messen, wie schnell Sie operativ werden. Wie gestaltet sich der „Onboarding-Prozess“? Müssen Sie alles selber zusammensuchen oder werden Sie durch einen Onboarding-Prozess geführt, der Ihnen ein Lernangebot zusammenstellt, Ihr Profil erfasst und Sie mit anderen Lernenden auf der Plattform zusammenführt? Wie schnell finden Sie sich zurecht und wie wird das Lernangebot Ihren Bedürfnissen angepasst?

Bin ich begeistert?

Ein dritter Faktor ist die Begeisterung. Wie gross ist Ihr persönlicher Spassfaktor? Wie gross ist Ihr Lernfaktor? Kommen Sie gerne und regelmässig auf die Lernplattform zurück? Wird sie zu einem zentralen Bestandteil Ihrer täglichen Arbeitsumgebung und Ihrer Arbeitsabläufe? Trägt sie dazu bei, dass Sie in Ihrer Arbeit unterstützt werden? Josh Bersin nennt dies „Learning in the Flow of work8“.

3.2 Wie sieht die Administration Experience aus?

Auch die Erfahrungen und die Meinung der Administratoren mit einem LXP sind massgeblich. Wie sieht das User Interface für Administratoren aus? Ist es ebenso attraktiv und bedienerfreundlich, wie das User Interface für die Nutzer*innen? Die Administratoren sind es, die später die Stellschrauben stellen, die Verfügbarkeit sicherstellen und Probleme lösen. Wie gross ist ihr Lernaufwand, um das System zu konfigurieren, zu pflegen und zu unterhalten? Administratoren haben die Aufgabe, die Lernplattform in Betrieb zu nehmen, zu konfigurieren und die automatischen Abläufe einzurichten. Später kontrollieren sie dann die Nutzungszahlen, das Lernverhalten und den Zugriff auf Lerninhalte. Viele Prozesse werden im späteren Betrieb automatisch ablaufen. Die Administratoren sollten immer verstehen, wie diese automatisierten Prozesse funktionieren, damit sie eingreifen und korrigieren können, wenn dies erforderlich ist.

Tipp: Schauen Sie sich das User Interface für Administratoren zuerst ohne Anbieterunterstützung an und vielleicht sogar ohne, dass Sie ein Handbuch gelesen oder eine Einführung erhalten haben. Genauso werden es auch die meisten ihrer Administratoren machen. Lässt sich die LX-Philosophie auch im User Interface für Administratoren erkennen oder ist dieses kompliziert, mühsam und wenig attraktiv?

3.3 Wie evaluiere ich LXP Anbieter?

Wenn der erste Eindruck des User Interfaces überzeugt und auch die Administratoren vom System grundsätzlich begeistert sind, können Sie in die weitere Evaluation einsteigen. Dazu müssen Sie den Anbietern einige Angaben an die Hand geben, damit der Evaluationsprozess genau nach Ihren Vorstellungen ablaufen wird. Im Folgenden wird ein solcher Ablauf beschrieben und mit konkreten Beispielen illustriert.

Legen Sie die Eckdaten fest, die alle Anbieter kennen und einhalten sollen.

Beispiel Eckdaten festlegen

  • User: Die Learning Experience Platform kann 80-100‘000 User verwalten.
  • Das Interface ist in 3 Sprachen verfügbar (Deutsch, Französisch, Italienisch). Weitere Sprachen: Englisch, Spanisch, Portugiesisch.
  • Das Lernportal ist cloudbasiert. Die Daten werden in Europa gespeichert.
  • Das Lernportal ist mobilfähig (Responsive Design). Eine eigene App ist optional. Wenn eine solche verfügbar ist, muss der Mehrwert ausgewiesen werden.
  • Die erwarteten Servicezeiten für einen 2nd Level Support sind: Bürozeiten Schweiz 08.00-17.00 Uhr, SA/SO via Web (Self-Support).

Der zweite zentrale Schritt umfasst die Zusammenstellung von Use Cases. Sehen Sie davon ab, lange Funktionslisten zusammen zu stellen. Das erfordert viel Zeit und bringt wenig. Jeder Anbieter wird versuchen, Ihnen aufzuzeigen, dass er alle Funktionen hat, die Sie zusammengestellt haben. Viel schneller und effizienter ist die Zusammenstellung von Use Cases. Diese orientieren sich an den Zielen, die Sie mit der Learning Experience Platform später erzielen möchten.

Beispiel Use Cases

  1. Lernmotivation: Das Lernportal ist attraktiv und bietet eine begeisternde „Learning Experience“, die zum Lernen motiviert.
  2. Lernunterstützung: Lernprozesse werden auf vielfältige Weise unterstützt (z.B. Notifications, Personalisierung, Gamification, Empfehlungen, automatisierte Lernbegleitung etc.).
  3. Lernangebote „sammeln“: Das Lernportal kann Lernangebote von anderen Systemen kumulieren („sammeln“).
  4. Geniale Suche: Das Lernportal bietet eine geniale (überzeugende, einfache) Suchfunktion mit Filterfunktionen, um diese Lernangebote zu finden.
  5. Suchdetails: Die Suchergebnisse bieten Detailseiten mit möglichst viel Informationen.
  6. Reporting: Nutzungsdaten des Lernportals werden attraktiv dargestellt (Dashboard) und können an andere Systeme (Datawarehouse) weitergegeben werden.
  7. Communities: Es gibt einen Communitybereich für Austausch und soziales Lernen.
  8. Social Funktionen: Lernangebote können bewertet und kommentiert werden. Für Administratoren gibt es einen Reviewprozess.
  9. Unterportale: Ländergesellschaften und Unternehmen können je eine eigene Seiten verwalten für Promotion, News, Blogs.
  10. Artificial Intelligence: Das Lernportal nutzt die Möglichkeiten von Artificial Intelligence, um Prozesse intelligent zu automatisierten und Lernangebote maßgeschneidert zusammenstellen und anbieten zu können.

Die Use Cases können in einem weiteren Schritt auch noch durch Funktionen ergänzt werden, die Ihnen besonders wichtig sind:

Bespiel Funktionen

Navigation

  • Attraktive Navigation / User Interface (Screenshot mitliefern) nach Bereichen, Themen. A-Z Index
  • Anbindung verschiedener Active Directories mit Organisationsstruktur

Reporting

  • Aggregation von Userdaten und Weitergabe an externes Reportingsystem

Communities

  • Communitybereich

Suchfunktion

  • Volltextsuche über alle Lernangebote
  • Filter für Suchergebnisse
  • Detailseite für Suchergebnisse

Personalisierung

  • Personalisierte Angebote aufgrund Userdaten/ -verhalten

Social Funktionalitäten

Bewerten, Kommentieren, Editieren und Reviewprozess durch Admin

Administration

  • Redaktionelle Inhalte erstellen (Banner, Teaser, Event)
  • Inhalts-Kanäle
  • Newsbereich
  • Blogbereich

Schnittstellen

  • Schnittstellen: Active Directory, Reportingsystem, SAP, Verrechnungssystem
  • Inhaltlicher Datenabgleich: z.B. mit Totara, Coursera, GetAbstract
  • automatisch
  • halbautomatisch
  • manuell

Identifikation Benutzer/innen

  • Single Sign on

Recommendation Engine:

  • Lernempfehlungen für Benutzer/in

Activity Manager:

  • Automatisierte Lernbegleitung für Benutzer/in

Tipp: Geben Sie den Anbietern nicht zu viel Zeit, sich auf die Ausschreibung vorzubereiten – die Produkte und Lösungen der Anbieter werden dadurch nicht besser.

Die Anbieter sollten die Umsetzung der Use Cases schnell und unter Verwendung der Grundfunktionen aufzeigen können. Sie sollen keine Spezialfunktionen oder Workarounds entwickeln, die vom Standard des Produktes abweichen.

Für die Kosten empfiehlt es sich, ein Kostenraster vorzugeben. Erstellen Sie dazu eine einfache Tabellenkalkulation, in die alle Anbieter ihre Preise einschreiben müssen. Auf diese Weise werden die Preise sehr einfach vergleichbar.

Beispiel Kostenzusammenstellung

  • Initial- und Projektkosten im ersten Jahr
  • Lizenzkosten in den Folgejahren
  • Supportkosten
  • Andere Kosten (Entwicklungskosten)

Tipp: Erstellen Sie einen einfachen Kostenkalkulator auf der Basis eines Tabellenkalkulations-Template. Alle Anbieter müssen ihre Kosten in genau dieses Template eintragen. Damit werden die Kosten transparent und vergleichbar und Sie können sich später auf diese Angaben berufen.

Geben Sie den Anbietern vor, wie die Vorstellung der Firma, des Produktes und der Use Cases ablaufen soll.

Beispiel Anbieterpräsentation

Einladung für Anbieter

Der Anbieter gibt in einer einstündigen Online-Präsentation einen Überblick über seine Learning Experience Plattform (LXP)

  • Hauptfokus ist das Sehen und Erleben des Produkts
  • Der Anbieter führt anhand eines vorgegebenen Ablaufs durch das Produkt

Ablauf der Online-Präsentation

  • (kurz) Begrüssung: keine Vorstellungsrunde der Anwesenden (kann vorab geschehen)
  • (5 min) Vorstellung des Anbieters
  • (10 x 5 min) Präsentation entlang der Uses Cases; nur kurze Verständnisfragen, keine Diskussionen
  • (5 min) Fragen & Antworten, Abschluss
  • Sprache
  • Die Online-Präsentation kann wahlweise auf Deutsch oder Englisch durchgeführt werden.

Tipp: Ein straffer Zeitplan und ein klarer Ablauf garantieren, dass man in einer ersten Runde 5-10 Anbieter evaluieren kann und dann eine Shortlist von 2-3 Anbietern erstellen kann, mit denen man in die zweite und dritte Runde geht. Die Durchführung einer Online-Präsentation hat den Vorteil, dass niemand anreisen muss und dass man Personen aus verschiedenen Standorten dazu nehmen kann. Die Bewertung der Präsentationen folgt nach einem klaren Raster, die von allen Teilnehmenden des Auftragsgeber immer sofort nach der Präsentation ausgefüllt wird.

3.4 Wie führe ich ein LXP System ein?

Didaktische Diskussionen
Nachdem Sie einen Anbieter ausgewählt haben, gilt es, sich detailliert in das didaktische Konzept einführen zu lassen. Erfahrungsgemäss schaffen Sie das in der Evaluationsphase nur zum Teil. Eine systematische didaktische Einarbeitung hilft dabei, die Use Cases so gut wie möglich umzusetzen und während diesem Prozess auch noch neue Anwendungsmöglichkeiten zu entdecken. Wenn Sie diese Einarbeitung am Anfang abkürzen, werden Sie das später kaum nachholen, was den Effekt hat, dass Sie die Möglichkeiten gar nie richtig nutzen und einsetzen werden.

Tipp: Führen Sie mit dem Anbieter detaillierte didaktische Diskussionen und verlangen Sie einen eigenen Customer Success Manager, der Ihnen zur Verfügung steht und der mit Ihnen sicherstellt, dass Sie in Ihrem Unternehmen alle Use Cases bestmöglich umsetzen können.

Train the trainer
Die Ausbildung der Learning Professionals, der Personalentwickler*innen oder Trainer*innen ist der nächste Schritt. Fast an jeder Fachkonferenz wird darüber gesprochen, dass dies einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist. Ihr Fachpersonal muss eigene praktische Erfahrungen mit der neuen Plattform sammeln (Stichwort „Selbstanwendung“). Starten Sie deshalb mit einem Train-the-trainer-Programm, in das die Ergebnisse der didaktischen Diskussionen mit dem Anbieter einfliessen.

Kommunikationsmassnahmen
Ihre Mitarbeitenden wissen nicht, was auf sie zukommt. Sie interessieren sich wahrscheinlich nur marginal für didaktische Feinheiten und Lernen ist bei vielen per se negativ konnotiert. Es braucht also entsprechende Kommunikationsmassnahmen, in denen über die neue Lernkultur, die Eigenschaften und das Lernangebot des neuen LXP berichtet wird. Investieren Sie deshalb in entsprechende Kommunikationsmassnahmen.

Tipp: Es bewährt sich, Themen wie Lernkultur, Selbstlernen, Lerntrends und anderes regelmäßig in der internen Kommunikation anzusprechen. Die Verbindung von Lernen und Arbeit und Konzepte wie „Learning in the flow of Work“ oder „Learning in the moment of need“ können so eingeführt und thematisiert werden. Es muss klar werden, dass das LXP zur Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und zur Marktfähigkeit jedes einzelnen Mitarbeiters / jeder einzelnen Mitarbeiterin beiträgt.

Launchevent
Machen Sie den Start des neuen LXP zum Ereignis. Planen Sie einen entsprechenden Launchevent, der auf dem LXP und über andere analoge und digitale Kanäle stattfindet. Geben Sie Ihrem LXP einen eigenen Projektnamen, definieren Sie entsprechende Slogans und drucken Sie diese auf T’Shirts oder auf Servietten für die hauseigene Kantine.

Tipp: Sie können den Launchevent z.B. als BarCamp gestalten, bei dem Teile oder die ganze Belegschaft mitmacht und verschiedenstes Themen wie Selbstlernen, Lerntechnologien, Lernkultur, Lernzeiten, Lernorte etc. abgedeckt werden.

Social Media
Informieren Sie Ihre Kunden, Partner, Investoren und die breite Öffentlichkeit über den Start Ihres neuen Lernansatzes und zeigen Sie damit, dass Sie verstanden haben, dass Lernen eine Schlüsselkomponente für aktuellen und künftigen Markterfolg ist. Kommunizieren Sie via Social Media wie LinkedIn, Instagram, Twitter oder Facebook und treten Sie mit all ihren Anspruchsgruppen (Stakeholders) in einen Dialog gemäss der ersten These des Clutrain Manifestos: „Markets are conversations“9.

Tipp: Unterschätzen Sie die Wirkung von Social Media nicht. Viele Ihrer Anspruchsgruppen sind sehr daran interessiert, wie Sie mit neuen Herausforderungen im Bereich Lernen und generell „Future Skills“ umgehen. Kommunikation über Lernthemen, neue Lernsysteme und Lernerfolge sind damit auch ein Beitrag zu „Employer Branding“ und Markpositionierung.

4. Ausblick

Learning Experience Platforms sind nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart, wie Josh Bersin ausführt: „The LXP paradigm has been earthshattering for us all. As you search for your next learning platform, make sure you look around. The options are clearly expanding.“10 Als Learning Professionals müssen wir uns vor allem mit den didaktischen Möglichkeiten und dem Potenzial der dahinterliegenden KI-basierten Algorithmen befassen. Lernen wird damit (endlich) personalisiert und in die täglichen Arbeitsprozesse integriert.


Der Autor:

Stoller-SchaiDaniel Stoller-Schai,
Dr. oec. HSG

ist ein versierter Digital Collaboration & Learning Experte und Geschäftsführer der Collaboration Design GmbH. Daniel Stoller-Schai ist durch seine mehrjährige Praxis davon überzeugt, dass Kollaboration der Schlüssel zum Erfolg in Netzwerkorganisationen ist. Die Strategien, Methoden und Kompetenzen dazu entwickelt er als Change Companion zusammen mit seinen Kunden. Als Manager für digitale Lern- und Arbeitstechnologien hat er bei Phonak, UBS, CREALOGIX sowie in weiteren Firmen und Startups Kundenprojekte umgesetzt und Erfahrungen mit dem globalen Einsatz internetgestützter Lern- und Arbeitsprojekten gesammelt. Diese Erfahrungen gibt er auch als Programmleiter am Institut für Kommunikation & Führung, Luzern (CAS Arbeit 4.0 | Transformation Toolbox | Digital Deep Dive) und als Head Advisory Board der LEARNING INNOVATION Conference weiter.


Info:

(ein paar) Learning Experience Anbieter

Anbieter Webseite Stärke
Valamis www.valamis.com Lernportal
EdCast www.edcast.com Lerninhalte
Fuse Universal www.fuseuniversal.com Lernende Organisation
Coorpacademy www.coorpacademy.com Lerninhalte
Degreed / Pathgather www.degreed.com Lernportal
Filtered www.filtered.com Lernempfehlung
Percipio www.skillsoft.com Lerninhalte

 

Für weitere siehe:

www.capterra.com (Suchbegriff: Learning Experience Platform)
www.g2.com (Suchbegriff: Learning Experience Platform)


Kontakt:

Daniel Stoller-Schai

Change Companion | Founder

Collaboration Design GmbH

www.collaboration-design.ch
daniel.stoller-schai@collaboration-design.ch